Tsunami: Hilfe für die Frauen

2. Juli 2007, 12:33
posten

Erfolgsprojekt von indischen Frauenorganisationen und "Frauen ohne Grenzen" für (ökonomische) Selbstständigkeit

Wien - Der Tsumani im Dezember 2004 kostete auch in der südindischen Region Tamil Nadu tausende Frauen, Männer und Kinder das Leben, die Menschen in den Fischerdörfern an der Küste verloren ihre Existenzgrundlage. Als die Hilfslieferungen schließlich eintrafen, stellte sich bald heraus, dass diese allein stehende oder verwitwete Frauen oft gar nicht erreichten. "Frauen werden in den Haushaltslisten nicht registriert", sagt Edit Schlaffer von "Frauen ohne Grenzen". War der Mann beim Tsunami umgekommen, war die Frau quasi nicht existent und blieb von der Hilfe abgeschnitten.

Gemeinsam mit indischen Frauenorganisationen wurde daher das Projekt "Connecting Women and Children for Hope!" ins Leben gerufen und in den beiden Dörfern Venpurusham und Kokilimedu umgesetzt. Das Ziel: die Katastrophen- und Entwicklungshilfe bewusst in die Hände der Frauen zu legen. Ein Ansatz, der in der strikt patriarchalen Gesellschaft in den Fischerdörfern einiges an Überzeugungsarbeit bedurfte. "Frauen müssen für jeden Schritt, den sie machen, die Erlaubnis ihrer Männer einholen", schildert Archana Kapoor, die die NGO "Smart" leitet und in Delhi ein politisches Monatsmagazin herausgibt, am Freitag in Wien bei der Projektpräsentation. "Es war uns von Anfang an klar, dass das nur funktioniert, wenn wir die Männer mit einbeziehen."

Erlaubnis per Video

Also holte sie die Erlaubnis ein, dass die Frauen Autofahren lernen durften - sicherheitshalber mit der Videokamera mitgeschnitten. Dafür durften die Männer ebenfalls ein Fahrtraining absolvieren. Nun, zwei Jahre nach Beginn des Projekts, können die Frauen den Fang rechtzeitig zum Markt bringen und führen nebenbei noch ein florierendes Taxi-Unternehmen. "Ich war ganz gerührt, als ich vor Kurzem in einem der Dörfer eine unserer Frauen mit ihren männlichen Taxi-Kollegen sah", schildert Kapoor. Im Rahmen des Projekts, das vom Sozialministerium mit 200.000 Euro unterstützt wurde, wurden Boote und Netze für die Frauen gekauft, die diese an die Fischer vermieten. In Klein-Kooperativen stellen die Frauen Taschen, Seile, Bilderrahmen und Kerzen her. Kapoor: "Die Männer haben allmählich akzeptiert, dass es auch für sie gut ist, dass die Frau Geld nach Hause bringt, wenn sie nicht zum Fischen fahren können.

Im Rahmen des Projektes sollte aber nicht nur die ökonomische Selbstständigkeit ermöglicht werden. Den Frauen wurde in Workshops mit Anwälten und Anwältinnen auch vermittelt, dass es nicht selbstverständlich ist, vom betrunkenen Ehemann misshandelt zu werden. Alkoholismus ist ein großes Problem in den Dörfern. "15 Männer machen mittlerweile bei einen Alkoholentzugsprogramm mit", erzählt Kapoor - bezahlt aus Mitteln des Frauenprojekts. (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9./10. Juni 2007)

Share if you care.