„Merkel hat den Kampf um TV-Bilder gewonnen“

13. Juni 2007, 15:15
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Medienexperte Groebel lobt Harmonie im Strandkorb

Heiligendamm – Angela Merkel plaudert mit George Bush. Demonstranten erobern den Zaun. Die Polizei jagt Greenpeace-Boote auf der Ostsee. Wie lange kein Ereignis mehr in Deutschland herrschte auf diesem G8-Gipfel ein heftiger Wettbewerb der Kontrahenten um die besten Fernsehbilder, zumal sich TV- und Bildreporter aus aller Welt für den Gipfel akkreditiert hatten. Für den Medienexperten Jo Groebel, Direktor des Deutschen Digital Instituts Berlin, ist jedoch klar, wie diese Bilder-Schlacht ausgegangen ist:_„Den Kampf um die TV-Bilder hat letztendlich Merkel gewonnen“, sagt Groebel, der ebenfalls beim Gipfel-Spektakel anwesend war, zum Standard. Das einwöchige Schauspiel an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns beschreibt er als „Bühnenstück mit vorweggenommener Klimax“. Während sich ein Theaterstück oder ein Film dramatisch steigere, sei der „dramaturgische Höhepunkt“ an der Ostsee gleich zu Beginn der Woche erfolgt – als in Rostock gewaltbereite Autonome bei der Auftaktdemonstration Steine gegen Polizisten warfen. Doch diese Bilder hätten die Eindrucke des Protests nur überschatten, aber nicht zerstören oder dramaturgisch bestimmen können.

Groebel: „Im Laufe der Woche sind die Autonomen in den Hintergrund geraten und man sah doch bei der Protestbewegung, dass das Verbindende größer war als das Trennende.“ Dabei habe man auch gesehen, dass „von den Demonstranten keine richtige Feindseligkeit ausging“. Deshalb glaubt Groebel auch nicht, dass die Protestaktionen rund um den G8-Gipfel und die Bilder der massiven Polizeipräsenz jenes Image von Deutschland wieder zerstört haben, das das Land während der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer 2006 erworben hat.

Nach einigen Tagen hätten sich die Impressionen von der bunten und vielfältigen Demonstrantenschar gemäß den Gesetzen der schnelllebigen Informationsflut ohnehin verbraucht, was Merkel zu Gute gekommen sei. „In der hochkomplexen Gipfel-Materie hat es die Bundeskanzlerin geschafft, dass ein Eindruck bleibt: Letztendlich haben sich alle acht Staats- und Regierungschefs beim Klimathema aufeinander zu bewegt und sitzen am Ende harmonisch miteinander in einem Strandkorb“, erklärt Groebel. Und noch ein Bild wird laut dem Medienexperten in Erinnerung bleiben: „Dass George Bush und Wladimir Putin sich beim Thema Raketenabwehrsystem als zwei visuelle Primi inter Pares näher gekommen sind.“ (bau, pra, DER STANDARD, Printausgabe, 9.6.2007)

  • Jo Groebel
    foto: der standard

    Jo Groebel

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