"Brauchen mehr Opec-Öl"

1. Juli 2007, 18:17
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Biokraftstoffe konkurrenzieren fossile Energie noch lange nicht, sagt IEA-Ökonom

Paris/Wien – "Wir brauchen mehr Opec-Öl, nicht weniger", sagt Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA). Birol reagiert damit auf Aussagen, die Opec-Generalsekretär Abdallah El- Badri in der Financial Times (FT) gemacht hatte. In einem Interview am Mittwoch hatte El-Badri erklärt, dass mit dem vermehrten Einsatz von Biokraftstoffen ein deutlich steigender Ölpreis einhergehen würde. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), die für 40 Prozent der weltweiten Ölproduktion steht, könne damit anstehende Investitionen in die Erdölförderung nicht in dem Ausmaß tätigen wie notwendig.

Dem widerspricht Birol im Gespräch mit dem Standard. "Das Opec-Öl wird mehr benötigt denn je", sagt er. "Unsere Prognosen gehen davon aus, dass die Förderung der Nicht-Opec-Staaten, vor allem in den USA und Norwegen, zurückgehen wird." Der Anteil von Biosprit würde jedoch noch lange „sehr gering“ sein. Selbst wenn alle Pläne realisiert werden, können nach IEA-Schätzungen bis 2015 lediglich 1,5 Millionen Barrel pro Tag aus Bioethanol oder Biodiesel stammen (ein Barrel ist 159 Liter). Benötigt werden dann aber 94,8 Millionen Barrel pro Tag, fast zehn Millionen mehr als heute.

Erhöhung

Dies sei auch der Grund, warum der Generalsekretär der IEA, Claude Mandil, erst Anfang der Woche die Opec-Länder dazu aufgerufen hatte, ihre Erdölförderung noch vor diesem Sommer zu erhöhen, sagte Birol. Die Befürchtungen der Opec seien "verfrüht". Die Opec-Mahnung richtete sich besonders an die Vereinigten Staaten. US-Präsident George W. Bush, der Biosprit neuerdings "freedom-fuel" nennt, will den Benzinkonsum des größten Verbraucherlandes der Welt in den kommenden zehn Jahren um 20 Prozent senken und baut dabei auf Biokraftstoffe wie Ethanol und Rapsdiesel. Die EU will den Anteil von Biotreibstoffen bis 2020 auf zehn Prozent steigern. Österreich wird bereits 2010 einen zehnprozentigen Biosprit-Anteil haben.

Die Ölpreise sind am Freitag infolge von Gewinnmitnahmen gesunken. Ein Fass (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Juli kostete zu Mittag 66,38 US-Dollar (49,73 Euro) und damit 55 Cent weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Auch der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent ging zurück. Er sank um 82 Cent auf 70,40 Dollar. Gestiegen ist unterdessen erneut der Preis für Opec-Rohöl. Nach Angaben des Opec-Sekretariats vom Freitag kostete ein Barrel (159 Liter) aus den Opec-Fördergebieten am Donnerstag 67,01 US-Dollar, 58 Cent mehr. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 9./10.2006)

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