"Strings statt Gebasteltes"

1. Juli 2007, 17:16
10 Postings

Der Handel erwartet sich vom Vatertag mehr als 70 Millionen Euro. Kosmetika, Parfums und Bücher stehen ebenso auf der Präsenteliste wie Süßes und Erotisches

Wien – "Ein Frühstück ans Bett müsste drinnen sein." Der Fotolöwe Robert Hartlauer sieht dem Vatertag am 10. Juni recht zuversichtlich entgegen. Geschäftlich gesehen räumt er dem Fest allerdings wenig Bedeutung ein. Seine Handelskette spüre den Vatertag kaum, bewerben tue er ihn nicht. "Wir feiern ja auch nicht Halloween."

Andere Branchen im Handel wollen sich da schon ein größeres Stück vom Geschäft abschneiden. Die Österreicher werden heuer mehr als 70 Millionen Euro für ihre Väter ausgeben. Das rechnet Roman Seeliger von der Bundessparte Handel im Gespräch mit dem Standard vor. Zum Vergleich: Die Mütter sind ihren Kindern am Muttertag mit 140 Millionen Euro doppelt so viel wert.

Der Vatertag gewinne für den Einzelhandel an Bedeutung – "nicht sprunghaft, aber nach und nach", sagt Seeliger, "auch wenn wir dabei natürlich die Kirche im Dorf lassen müssen". Faktum sei, dass sich Männer immer stärker in die Kinderbetreuung einbringen, und das schlage natürlich auch auf die Geschenke durch.

Kosmetik und Bücher

Beliebt sind Kosmetika, Parfums und Bücher, belegt eine aktuelle, von der Wiener Wirtschaftskammer in Auftrag gegebene Umfrage. Gerne verschenkt werden auch Süßigkeiten und Gutscheine. Blumen und Sportartikel sind weniger gefragt. Im Schnitt lassen sich Kinder Präsente für ihre Väter rund 35 Euro kosten. Und 22 Prozent der Wiener sind bereit, über 50 Euro in den Vatertag zu investieren.

Markus Reichenspurner, Geschäftsführer von Marionnaud in Österreich, sieht die Herrenpflege als die am stärksten wachsende Sparte seiner Branche. Der Umsatz lege hier zweistellig zu. Ein zweistelliges Plus bei den Männerdüften erwarte Marionnaud heuer auch rund um den Vatertag.

Süße Spezialitäten

Der Wiener Confisier Walter Heindl meldet dieser Tage verstärkte Nachfrage bei süßen Spezialitäten. "Likörpralinen sind besonders begehrt." Nur das Wetter mache seiner Branche heuer einen kleinen Strich durch die Rechnung. Denn je höher die Temperaturen, desto geringer sei der Appetit auf Schokolade.

Herbert Derkits, Chef der Erotikartikel-Kette Beate Uhse in Österreich, ortet seit zwei, drei Jahren verstärkte Nachfrage rund um den Vatertag. Vor allem Frauen hielten nach Gag-Artikeln Ausschau, sagt er. "Früher hat man am Vatertag Selbstgebasteltes verschenkt. Heute werden für die Väter Gag-Strings gekauft." (vk, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 9./10.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Vatertag gewinnt für den Einzelhandel an Bedeutung.

Share if you care.