"Ich bin nur der Bühnenbauer ..."

8. Juni 2007, 16:02
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Der Chef der styriarte, Mathis Huber, will seinen Künstlern jedes Jahr ideale Rahmenbedingungen bieten. Ein Gespräch über Nikolaus Harnoncourt, Jordi Savall und Komponist Gösta Neuwirth

Er ist heute in der beneidenswerten Situation, nicht mehr auf Quoten schielen zu müssen, liegen doch die Auslastungszahlen seit Jahren regelmäßig zwischen 85 und 90 Prozent. Und auch finanzielle Engpässe blieben ihm für sein Festival bis heute erspart. Als ihm vor siebzehn Jahren der damalige Kulturlandesrat Kurt Jungwirth die Leitung eines pekuniär recht gebeutelten kleinen Musikfestivals übertrug, war keiner mehr überrascht als er selbst.

Schließlich war der studierte Oboist, Musikwissenschafter und gelegentliche Musikkritiker ein No-Name in der Kulturmanagerszene. Mittlerweile gehört der 49-jährige Mathis Huber in seiner Doppelfunktion als Geschäftsführer und Programmierer der styriarte zu den erfolgreichsten Festivalleitern des Landes.

"Klar freut einen das. Aber ich habe nie einen Grund gesehen, mich zurückzulehnen. Von Jahr zu Jahr stehe ich vor der Herausforderung, das im Vorjahr Erreichte zu übertreffen. Ich trete jedes Mal neu an, errichte ein Podium. Das Finden der richtigen Höhe, die Auswahl des Holzes ist meine Aufgabe. Insofern sehe ich mich als Bühnenbauer. Sowohl für die Künstler als auch für das Publikum."

Unter dem Motto "Wanted: Europa" macht sich die styriarte 2007 mit vierzig Veranstaltungen auf die Suche nach unserem Kontinent und seiner wandelnden Identität. "Es mag wie ein Gemeinplatz klingen, aber die Musik als universale Sprache knüpfte immer wieder Bande in diesem zerrissenen Gebilde. Auch wir können dazu beitragen, Gräben zwischen Moslems und Christen zu schließen. Europa war immer neugierig auf andere Kulturen. Jeder Politiker, der etwa die Türkei als Gespenst vor den Toren Europas sieht, ist schlecht informiert und fördert nur die Abschottung."

Und er gerät ins Schwärmen über zwei kleine, aber feine Konzerte mit dem Bulgaren Vladimir Ivanoff, der als unermüdlicher Vermittler zwischen Orient und Okzident mit "Morgen in Jerusalem" und "Sheherazade in Paris" in der Helmut-List-Halle christliche und arabische Musik darbieten wird. Natürlich ist und bleibt Nikolaus Harnoncourt die Galionsfigur des Festivals. Und Huber wünscht sich nichts sehnlicher, als dass dies noch lange so bleiben möge. "Er ist einer der größten Hinterfrager in der internationalen Musikszene."

Oper kommt

Mit ihm (erstmals in der Doppelrolle als Regisseur und Dirigent) ist im kommenden Jahr Mozarts Idomeneo geplant, der ja bekanntlich heuer wegen fehlender Unterstützung seitens des Landes nicht zustande kam. Und auch für den 80. Geburtstag Harnoncourts 2009 ist eine Oper geplant. "Welche es sein wird, verrate ich noch nicht."

Aber grundsätzlich hätte es Huber nie für möglich gehalten, dass die styriarte in der Helmut-List-Halle je szenisch Opern aufführen würde. "Schließlich sind Opernproduktionen ja auch Geldvernichtungsmaschinen und beinhalten damit auch immer wieder die Möglichkeit des Scheiterns." Huber ist es in den vergangenen Jahren gelungen, auch andere hochkarätige Musiker als Stammgäste an die Mur zu locken.

"Für Jordi Savall und seine Familie ist die Steiermark so etwas wie eine zweite Heimat geworden. Er kommt seit vierzehn Jahren, ist absoluter Publikumsliebling und hat hier Großartiges geleistet." Oder der französische Ausnahmemusiker Pierre-Laurent Aimard, der seit 2005 regelmäßig auftritt. "Aimard ist für mich einer der größten Brückenbauer im Klassikbetrieb, und er ist einer der wenigen, die imstande sind, mit einem Ligeti- oder Messiaen-Programm einen großen Konzertsaal zu füllen." Recreation - Großes Orchester Graz unter der Leitung von Andrés Orozco-Estrada widmet dem Grazer Musiktheoretiker und Komponisten Gösta Neuwirth anlässlich seines 70. Geburtstages eine Personale:

"Neuwirth ist einer der spannendsten Musikdenker unserer Zeit. Als grundsätzlich widerständiger Mensch hat er für das österreichische Musikleben wichtige Aufklärungsarbeit geleistet." Ein Problem, das Mathis Huber im Leben noch lösen möchte, wäre, das Wunder der klassischen Musik so populär zu vermitteln, ohne dabei den Qualitätsanspruch zu opfern. Proms nach englischem Vorbild in Graz? "Warum nicht? Der Gedanke ist sehr reizvoll." (Peter Stalder, DER STANDARD, Printausgabe, 08.06.2007)

  • Hat ziemlichen Erfolg, will aber das Erreichte jedes Jahr etwas überbieten - der styriarte-Intendant Mathis Huber.
    foto: binder

    Hat ziemlichen Erfolg, will aber das Erreichte jedes Jahr etwas überbieten - der styriarte-Intendant Mathis Huber.

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