"Ungebremst gegen eine Wand"

10. Juni 2007, 17:00
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Expertendiskussion: Burnout trifft nicht nur junge Menschen. Wie es bei älteren Menschen dazu kommt und wie es vermieden werden kann

Burnout wird häufig als Problem junger Mitarbeiter gesehen, die durch zu hohe Erwartungen und zuviel Arbeit einen Punkt erreichen, an dem nichts mehr geht. Doch auch erfahrene, langjährige Mitarbeiter der Generation 45+ sind von dem Zustand der totalen Erschöpfung bedroht.

"Mit dem Älterwerden verändern sich die Bewältigungsmöglichkeiten des beruflichen Alltags, nicht aber ihre Aufgaben", erklärt IBG-Geschäftsführer und Arbeitsmediziner Rudolf Karazman bei einer Diskussionsveranstaltung zum Thema "Burnout mit 45+".

Eine für den Mitarbeiter zufriedenstellende und sinnvolle Arbeit besteht aus einer ausgeglichenen Mischung von Verausgabung und Bereicherung. Gerade mit dem Älterwerden verliert die Arbeit ihren Sinngehalt, vor allem dann, wenn eine berufliche Weiterentwicklung nicht mehr möglich ist. Arbeit wird nur noch als Belastung gesehen, so Karazman. Die Arbeitswelt macht sich aber kaum Gedanken über die Phasen des Älterwerdens.

Völlig unvorbereitet

"Wie wenn man ungebremst gegen eine Wand rennt", so schildert ein Betroffener diesen Zustand. Am Anfang lief karrieremässig alles wunderbar - einen Schritt nach dem anderen stieg man die Karriereleiter hinauf. Völlig unvorbereitet merkt man plötzlich, dass man mit dem Tempo nicht mehr mithalten kann, jüngere Kollegen kommen nach und für einen selbst geht nichts mehr weiter, Selbstzweifel kommen auf. Das sind mögliche Ursachen für Burnout, denn nicht nur zu viel Arbeit auch berufliche Stagnation kann diesen Zustand begünstigen.

Laut einer Studie laufen etwa 18 Prozent der Berufstätigen der Altersgruppe 45+ Gefahr, eines Tages das totale Tief zu erleiden. Besonders gefährdet sind Mitarbeiter, die das zwanzigste Dienstjahr erreicht haben. Frauen sind stärker betroffen als Männer. Doch gerade Arbeitnehmer der Generation 45+ scheuen sich oft davor, die totale Erschöpfung zuzugeben und rechtzeitig Hilfe zu suchen.

Unternehmer können wesentlich dazu beitragen, dass Burnout vermieden wird, in dem sie Bedingungen schaffen, in denen Mitarbeiter über alle Lebensphasen hinweg arbeiten können und wollen.

Für Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft vida, ist es daher wichtig im Betrieb eine Vertrauensperson zu haben, der man Probleme und Schwierigkeiten anonym anvertrauen kann, um diesen Zustand rechtzeitig zu erkennen und mögliche Änderungen vornehmen zu können. Daneben ist aufklären und Bewusstsein schaffen nötig. Laut Schätzungen kostet Burnout europaweit zwanzig Milliarden Euro jährlich. (ost)

  • Es diskutierten:
Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft vida
Gabriele Kellner, Personalmanagerin bei Raiffeisen Capital Management
Rudolf Karazman, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, IBG-Gesellschafter 
Theresia Gabriel, Psychologin und Burnout-Expertin bei IBG
    foto: relations

    Es diskutierten:
    Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft vida
    Gabriele Kellner, Personalmanagerin bei Raiffeisen Capital Management
    Rudolf Karazman, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, IBG-Gesellschafter
    Theresia Gabriel, Psychologin und Burnout-Expertin bei IBG

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