Blair will Sicherheit für Investoren in Russland

7. Juni 2007, 19:18
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Russland will mit alten Vereinbarungen über die Rohstoffförderung aufräumen und den Anteil ausländischer Investoren auf maximal 49 Prozent beschränken

Im Schlagabtausch zwischen dem Westen und Russland lehnte sich der britische Premier Tony Blair am weitesten hinaus: Wenn Wladimir Putin nicht beweise, dass er demokratische Werte des Westens teile, würden "die Europäer ihre geschäftlichen Beziehungen mit Russland minimieren wollen", sagte Blair laut The Times. Am Freitagabend wolle er mit Putin Tacheles reden.

Dass mit den "demokratischen Werten" Investitionssicherheit gemeint ist, ließ Blairs Sprecher durchklingen: Unternehmen würden ihre Investitionen dorthin geben, wo sie auch gesichert seien. Dass sich gerade Blair zum Handeln entschlossen gab, hängt mit der russischen Ölgesellschaft TNK-BP zusammen, an der British Petrol (BP) mit 50 Prozent beteiligt ist.

Konkret geht es um die Lagerstätte im sibirischen Kowykta, mit 1,34 Trillionen m3 Gas eine der größten im Land. Die russischen Behörden werfen dem Konzern vor, die Lizenzvereinbarungen nicht einzuhalten und zu wenig zu fördern. Der Konzern entgegnet, dass derzeit nicht mehr Gas verkauft werden könne, zumal für den Export die Pipelines fehlen. Die Entscheidung über die Lizenz soll in eineinhalb Wochen fallen. Branchenkenner gehen davon aus, dass die Lagerstätte zu einer "strategischen" erklärt und damit wohl in die Kontrolle des halbstaatlichen Gasmonopolisten Gasprom übergeführt wird.

Unabhängig von TNK-BP hat Putin vor dem G-8-Gipfel nochmals lautstark Position bezogen, und zwar gerade was die Praxis der "Vereinbarungen über Produktionsaufteilungen" (SRP) betrifft. SRP gehören zu den umstrittensten Fragen des russischen Rohstoffsektors. In den 90er-Jahren hatte die russische Regierung aus Geldmangel ausländischen Investoren die Erschließung großer russischer Lagerstätten erlaubt.

Das Blatt wendet sich

Heute, da die Kassen der russischen Rohstoffkonzerne gefüllt sind, wendet sich das Blatt. Die Tatsache, dass Gasprom vor kurzem mit 7,45 Mrd. Dollar (5,6 Mrd. Euro) 50 Prozent plus einer Aktie am Energieprojekt "Sachalin-2" von Shell übernommen hat, markiert den Beginn der Revision der SRP. Das Gasfeld "Shtokman" in der Nordsee soll nun ohne Partner erschlossen werden.

Einen "Kolonialvertrag, der absolut nichts mit Russlands Interessen gemein hat", nannte Putin vorige Woche die SRP-Praxis, deren Erfinder "ins Gefängnis gehört hätten": Denn der russische Staat bekommt seinen Gewinnanteil erst, wenn Investoren ihre Ausgaben hereingewirtschaftet haben. Dass hier und in anderen Vertragspunkten ausgiebig zu Ungunsten des russischen Staates manipuliert wurde, steht fest. Nach Meinung von Experten werden die Regeln immer klarer: 51 Prozent der Anteile müssen in russischer Hand sein. Davon könnte bald auch das Engagement des französischen Unternehmens Total bei der Großlagerstätte Charjagin betroffen sein. (Eduard Steiner aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.6.2007)

  • Alexej Miller profitiert mit seiner Gasprom von neuen Beschränkungen für ausländische Konzerne.
    foto: standard/hendrich

    Alexej Miller profitiert mit seiner Gasprom von neuen Beschränkungen für ausländische Konzerne.

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