Neue Modelle zur Kinderbetreuung für Berufstätige

1. Juli 2007, 17:29
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Arbeiten während der Karenzzeit, Sabbatical, Jobsharing oder Kinderbetreuung im Betrieb: In NÖ gibt es verstärkt Initiativen für berufstätige Eltern

Wien - "Uns ist das Thema Kinderbetreuung wichtig", sagt Gabriele Gaukel. Die Chefin der Werbeagentur Medienpoint in Krumau/Kamp versucht, ihren Betrieb für ihre 15 Mitarbeiter noch familienfreundlicher zu gestalten. Gleitzeit gibt es schon länger; jetzt wird überlegt, Betreuung für ganz Kleine anzubieten. Gaukel ist bereit, einen Raum zu adaptieren und kann sich pro Kind eine finanzielle Unterstützung von 50 bis 70 Euro pro Monat vorstellen.

Ihr Engagement begründet sie aber auch damit, dass es gar nicht anders gehe: "Hier qualifizierte Mitarbeiter zu finden und dann auch zu halten, ist gar nicht so einfach. "

Auch beim NÖ Hilfswerk erfährt das Thema Familienfreundlichkeit derzeit einen Schub. "Der Bedarf ist eindeutig da", meint Landesgeschäftsführer Gunther Hampel: "Besonders Führungskräfte sehen es als Herausforderung an, ihren Job mit der Familie zu vereinbaren." Ein Team erarbeitet nach einer Mitarbeiterbefragung Maßnahmen, konkrete Vorschläge soll es noch heuer geben.

Aktives Land

Auch das Land Niederösterreich ist aktiv: Ein vor eineinhalb Jahren für Landesbedienstete gestartetes Vorhaben sei so gut angekommen, dass man es nun auch der Wirtschaft schmackhaft machen wolle, erklärt Roswitha Straihammer, Chefin des Projektteams der NÖ Landesakademie. 386 Bedienstete arbeiten mittlerweile tageweise während der Karenz, 17 absolvieren ein Sabbatical und 64 Mitarbeiter probieren es mit Job-Sharing. Die Kosten für das Projekt könne man nicht beziffern. Die Initiative sei auf "männliche und weibliche Interessenten gleichermaßen" gestoßen.

Konkrete Unterstützung für interessierte Unternehmen gibt es durch ein Service-Team, das etwa in rechtlichen Fragen berät oder über verschiedene Modelle Bescheid weiß. Bis Ende 2007 will man hundert Unternehmen gewinnen. "Wir wollen keinen Schnellschuss," so die Präsidentin der niederösterreichischen Wirtschaftskammer, Sonja Zwazl. Von Betreuung im Zusammenhang mit Weiterbildungsmaßnahmen bis zu Kindergärten im Einkaufszentrum sei vieles denkbar.

Gabriele Gaukel findet die Initiative äußerst hilfreich: "Vorher war es schon mühsam, in diesem Bereich etwas zu bewegen." (Regina Bruckner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.6.2007)

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