Ausstieg aus dem System?

11. Juni 2007, 16:52
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Im Spielfilm "Oublier Cheyenne" flüchtet die Protagonistin aufs Land, weil sie vom kapitalistischen System genug hat

Zu Beginn des Films an ein Werk von David Lynch erinnernd, wandelt sich "Oublier Cheyenne", der erste Spielfilm der französischen Regisseurin Valérie Minetto, im Handlungsverlauf, bleibt jedoch abseits klassischer Erzählstrukturen, was etwas ungewohnt sein mag, sich jedoch als erfrischend erweist. Im Mittelpunkt stehen die Physiklehrerin Sonia, in Paris lebend, sowie ihre (Ex-)Geliebte Cheyenne, eine arbeitslose Journalistin. Letztere wollte sich der gesellschaftlichen Ordnung nicht unterwerfen, hat Paris und Partnerin hinter sich gelassen und ist aufs Land geflüchtet.

Sonia vermisst Cheyenne und versucht, sich mit Affären zu trösten. Cheyenne hingegen lebt am Land ohne Elektrizität und Warmwasser und sammelt (überraschend frisch aussehende) Gemüsereste am Markt ein. Mit den Träumen und Erinnerungen der Protagonistinnen wird eine Sekundärebene im Film und damit eine Reflexionsplattform geöffnet, auf welcher die ZuschauerInnen über Gespräche in die Kamera einbezogen werden. Die Erörterung der politischen Frage, ob frau im kapitalistischen System funktionieren will bzw. bleiben muss oder ein Ausstieg möglich ist, scheitert insofern, als dass Cheyenne mehr eine Art erzwungene Obdachlosigkeit am Land sucht als einen Ausstieg mit nachhaltiger Selbstversorgung. Etwas in schwarz-weiß gemalt, regt der Film dennoch zum Diskutieren an. (dy)

Oublier Cheyenne (Looking for Cheyenne)
Valérie Minetto, Frankreich 2005, KinoDVD, Farbe, 87 min, OmdU – Österreich-Premiere, präsentiert von shu!

Award for Best Female Feature – Long Island Gay & Lesbian Film Festival 2006.
Special Mention – Turin Gay and Lesbian Film Festival 2006.

Dienstag, 12.6., 18 Uhr, Filmcasino
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