Kompromiss bei EU-Obst- und Gemüsereform gesucht

2. Juli 2007, 14:36
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Die EU-Agrarminister wollen bei ihrem Treffen in Luxemburg einen Kompromiss für die geplante Reform der Obst- und Gemüseordnung in der EU finden

Brüssel - Die EU-Agrarminister wollen bei ihrem Treffen am Montag und Dienstag in Luxemburg einen Kompromiss für die geplante Reform der Obst- und Gemüseordnung in der EU suchen. Die Hauptproduzentenländer im Süden Europas wehren sich nach wie vor gegen eine Änderung der Beihilfenregelung, mit der die Förderungen von der Produktion gelöst werden sollen, heißt es aus Diplomatenkreisen in Brüssel.

Obst- und Gemüse sowie Wein sind die beiden letzten Agrarsektoren, die noch nicht reformiert sind. Rein finanziell geht es um rund 1,5 Mrd. Euro, die auch künftig für die Produktion bzw. Vermarktung von Obst und Gemüse ausgegeben werden sollen - allerdings anders. Insbesondere sollen die rund 800 Mio. Euro Verarbeitungsprämie - vor allem für Paradeiser und Zitrusfrüchte - auf das im restlichen Agrarbereich geltende Betriebsprämiensystem umgestellt werden. Damit sollen die Erzeuger zu marktorientierter Produktion gebracht werden. Für Österreich mit seiner geringen Obst- und Gemüseproduktion spielt dies laut früheren Angaben aus dem Landwirtschaftsministerium keine Rolle.

Verteidigung gegen Druck

Darüber hinaus sollen Erzeugerorganisationen wie die AMA künftig eine stärkere Rolle in diesem Markt spielen, um die Produzenten gegen den zunehmenden Druck der Handelsketten besser verteidigen zu können. Die EU hofft ebenso wie Österreich, dass mit der Neuregelung die Zahl der Erzeugerorganisationen, deren Mitglieder und vermarkteten Produkte steigt. Künftig dürfte ein Gemüseproduzent etwa einen Teil seiner Ernte über solche Organisationen vertreiben und einen Teil weiter selbst vermarkten. Die Erzeugerorganisationen sollen für Krisenmaßnahmen wie Rücknahmeaktionen oder die Einrichtung von Ernteversicherungen zuständig sein sowie Anstöße zu Umwelt- und Ressourcen-schonenden Produktionsmethoden geben. Auch hier sind laut Diplomaten noch sehr viele Punkte strittig sind. Unstrittig ist dagegen, dass die EU künftig Gratis-Schulobst-Aktionen mit 100 Millionen Euro kofinanzieren will.

Verordnung über Bio-Produkte

Die EU-Produzenten haben in den Jahren 2003 bis 2005 nach Angaben der EU-Kommission durchschnittlich 70 Mio. Tonnen Gemüse und 40 Mio. Tonnen Obst pro Jahr angebaut. Die mit Abstand größten Produzenten in der EU sind Italien und Spanien, gefolgt von Frankreich und Portugal. Italien erzeugt pro Jahr im Schnitt 16 Mio. Tonnen Gemüse und zehn Mio. Tonnen Obst. Allerdings importiert die EU auch immer mehr Obst und Gemüse aus Drittländern, 2005 beispielsweise für 16 Mrd. Euro - verglichen mit Exporten im Wert von 5 Mrd. Euro.

Absegnen wollen die Agrarminister auch die geplante Verordnung über die Erzeugung und Kennzeichnung von Bio-Produkten. Diese sieht unter anderem ein verpflichtendes EU-Bio/Öko-Logo vor, das Produkte tragen dürfen, deren Inhaltsstoffe zu mindestens 95 Prozent aus biologischer Erzeugung stammen. Auch hier gibt es aber laut Diplomaten noch offene Fragen. Grundsätzlich haben sich die EU-Staaten aber schon im Dezember 2006 auf das neue Gesetz verständigt. (APA)

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