Haneke mit Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet

14. Juni 2007, 14:18
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Horwath, Dirketor des Filmmuseums: "Ein Mann wie John Wayne" - Haneke: "Meine Motivation ist stets der nächste Film."

Wien - Der österreichische Regisseur Michael Haneke ist am Mittwoch Nachmittag mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet worden. Filmmuseumsdirektor Alexander Horwath verglich in seiner Laudatio Hanekes Einsatz für das Medium Film mit dem Charakter John Waynes: "A man's gotta do what a man's gotta do"

Haneke selbst betonte, dass er sich von der Tendenz des "Provinzialismus" des österreichischen Films klar distanzieren wolle und den Filmförderungen für den Respekt für seine Filme danke. Er sieht "stets den nächsten Film" als seinen persönlichen Antrieb als Filmemacher. Horwath meinte, dass Haneke durch seine Leistung andere Filmschaffende bestärkt habe und fügte hinzu, dass durch Haneke "der österreichische Film eine stark wahrgenommenen Größe" geworden sei.

Michael Haneke wurde 1942 in München geboren und wuchs in einer Schauspielerfamilie auf. Er verbrachte Kindheit und Jugend in Wiener Neustadt, wo er auch das Gymnasium besuchte. In Wien studierte Haneke, der ursprünglich Schauspieler oder Dirigent werden wollte, Philosophie, Psychologie und Theaterwissenschaften. Bereits neben dem Studium arbeitete er als Autor, Film- und Literaturkritiker.

Von 1967 bis 1971 war Haneke als Redakteur und Fernsehspiel-Dramaturg beim Südwestfunk in Baden-Baden beschäftigt, seit 1970 arbeitet er als freischaffender Regisseur und Drehbuchautor. 1970 debütierte er als Bühnenregisseur am Stadttheater Baden-Baden mit "Ganze Tage in den Bäumen" von Marguerite Duras, gefolgt von weiteren Theaterinszenierungen am Staatstheater Darmstadt, Schauspielhaus Düsseldorf, Schauspielhaus Hamburg, Residenztheater München, Schillertheater Berlin und Wiener Burgtheater. 1974 entstand sein erster Fernsehfilm " und was kommt danach?"(After Liverpool) nach James Saunders, weitere TV-Filme wie "Sperrmüll" (1976), "Drei Wege zum See" (1976), "Lemminge"(1979), "Variation" (1983), "Wer war Edgar Allan?" (1984), "Fräulein" (1985), "Nachruf für einen Mörder" (1991) und "Das Schloss" nach Kafka (1996) folgten.

Gleich mit seinem Kinoerstling "Der siebente Kontinent" gab Haneke 1989 sein Debüt in einer Nebenschiene der Filmfestspiele in Cannes. Die mit diesem Film begonnene "Trilogie der emotionalen Vereisung", zu der auch "Benny's Video" gehört, schloss er 1994 mit "71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls" ab.

Hanekes Gewaltschocker "Funny Games" war 1997 nach 35 Jahren dann der erste österreichische Wettbewerbs-Beitrag in Cannes. Für "Code Inconnu" (2000), ebenfalls im Wettbewerb von Cannes, gewann er Juliette Binoche, die später auch in "Caché" eine Hauptrolle spielte. "Die Klavierspielerin" (2001) nach Elfriede Jelinek erhielt an der Croisette neben den beiden Darstellerpreisen für Isabelle Huppert und Benoit Magimel auch den Grand Prix der Jury und wurde in der Folge auch ein großer kommerzieller Erfolg.

Hanekes erstmals rein französisch (u.a. mit Isabelle Huppert) besetzte österreichisch-französische Koproduktion "Wolfzeit" über eine Familie, die nach einer Katastrophe aus der Großstadt aufs Land flüchtet, lief 2003 in Cannes außer Konkurrenz, weil auch der damalige Jury-Präsident Patrice Chereau mitspielte. Für "Caché", seinen fünften Anlauf auf die Goldene Palme, gewann er 2005 in Cannes die Auszeichnung als bester Regisseur sowie den Preis der Internationalen Filmkritik und den Preis der Ökumenischen Jury, später folgten u.a. bei der Verleihung der Europäischen Filmpreise die Auszeichnungen als Bester Film und Beste Regie. (APA)

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