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14. Juni 2007, 17:43
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Die Architekten von BEHF zählen zu den "jungen Wilden". Jetzt haben sie gemeinsam mit Partnern aus dem Technikbereich die Consulting-Gruppe Up.Grade gegründet

BEHF-Partner Armin Ebner und FCP-Geschäfts-führer Reinhard Mechtler im Gespräch mit Gerhard Rodler.

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STANDARD: Sie haben mit Partnern soeben ein neues Geschäftsfeld gestartet, nämlich die Sanierung von Altbauten. Sind den einstigen "jungen Wilden" denn die Neubauaufträge ausgegangen?

Armin Ebner: Nein, ganz im Gegenteil. BEHF hat seit Jahren ein konstantes, gesundes Wachstum. Das ist aber nicht der Punkt. Tatsache ist, dass sich das Aufgabenprofil von Architekten und Immobilienentwicklern in den kommenden Jahren deutlich ändern wird. Rein quantitativ wird es in Zukunft zwar genügend Büro- und Gewerbeflächen geben, aber ein wachsender Teil dieser Flächen wird ein Qualitätsproblem haben. Das heißt, er entspricht nicht mehr den aktuellen Anforderungen - weder technisch noch ökologisch.

STANDARD: Was heißt das konkret?

Ebner: Im Moment stehen in Wien einige 100.000 Quadratmeter Büroflächen frei und sind nicht verwertbar, weil sie 20 oder 30 Jahre alt sind. Man muss kein Prophet sein, um absehen zu können, dass sich diese Leerstandszahl in den kommenden Jahren rasch vervielfachen wird. Denn auf solchen Flächen bringen Sie zu wenige Mitarbeiter unter, die veraltete Haustechnik weist meist extrem hohe Betriebskosten auf und ist zudem unökologisch. So billig kann man solche Flächen gar nicht anbieten, als dass sie für einen Nutzer wirtschaftlich überlegenswert wären.

STANDARD: Man könnte solche Gebäude abreißen - das passiert ja auch häufig.

Reinhard Mechtler: Natürlich, aber das wäre eine unnötige Verschwendung von Geld und ökologischen Ressourcen. Wir haben errechnet, dass man mit 50 bis 60 Prozent der Neubaukosten - und da sind die Abbruchkosten noch gar nicht mitberücksichtigt - ein 20, 30 oder auch 40 Jahre altes Gebäude in jeder Hinsicht auf den technischen und ökologischen Letztstand bringen kann. Damit verwandeln Sie um einen Bruchteil der normalen Baukosten ein nicht verwertbares Objekt in ein mehr als nur konkurrenzfähiges Angebot.

STANDARD: Up.Grade als Krisenfeuerwehr für Investoren, die Büroruinen besitzen?

Ebner: Sicher auch, aber nicht nur. Unser Refurbishment-Konzept bietet sich auch für Unternehmen an, die im eigenen, schon in die Jahre gekommenen, Bürogebäude sitzen. Denn mit der Sanierung schafft man es auch, auf derselben Fläche im Schnitt 20 Prozent mehr Arbeitsplätze unterzubringen. Damit rechnet sich ein solcher Umbau binnen weniger Jahre praktisch schon allein aus dem Titel der höheren Flächeneffizienz.

STANDARD: Hört sich gut an. Wo ist der Haken?

Ebner: So wie sich das anhört, funktioniert es auch in der Praxis. Wir haben beispielsweise das Hauptgebäude der Raiffeisen Bausparkasse - übrigens bei laufendem Betrieb - einem solchen Refurbishment unterzogen und hier um 60 Prozent der Neubaukosten das Gebäude von Grund auf erneuert und nebenbei 20 Prozent mehr Arbeitsplätze geschaffen. Ein zweiter Standort innerhalb von Wien konnte dadurch - mit allen positiven Nebeneffekten, die eine Konzentration auf einen Standort mit sich bringt - aufgegeben und verwertet werden.

STANDARD: Warum haben Sie dafür eine neue Consulting-Gruppe gegründet? Wäre das nicht auch unter BEHF-Flagge möglich gewesen?

Mechtler: Tatsache ist, dass wir vier - also BEHF, FCP, Scholz und Werkstatt Wien - in der Vergangenheit schon bei vielen Projekten gut zusammengearbeitet haben. Mit Up.Grade stellen wir das auf eine organisatorische Basis.

Ebner: Außerdem zählen bei internationalen Projekten immer mehr auch die Größe eines Dienstleisters und der Nachweis von Kompetenz aus einer Hand. Unter Up.Grade haben wir 430 Mitarbeiter.

STANDARD: Up.Grade wird also auch im Ausland aktiv werden?

Ebner: Das sind wir schon. Aktuell arbeiten wir an Projekten in Belgrad und Sarajevo. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3.6.2007)

  • Auf dem Foto vereint, im Interview zu zweit. Das Up.Grade-Team (von links nach rechts): Christian Skaropitsch (BEHF), Rudolf Böhm (Scholze), Markus Spiegelfeld (Werkstatt Wien), Reinhard Mechtler (FCP), Armin Ebner (BEHF).
    foto: behf

    Auf dem Foto vereint, im Interview zu zweit. Das Up.Grade-Team (von links nach rechts): Christian Skaropitsch (BEHF), Rudolf Böhm (Scholze), Markus Spiegelfeld (Werkstatt Wien), Reinhard Mechtler (FCP), Armin Ebner (BEHF).

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