Im Keller essen

8. Juni 2007, 17:00
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Weinrestaurant Hajszan: Wein aus Grinzing gibt es längst in guten Restaurants - gute Restaurants in Grinzing gab es bislang aber nicht - Das ist nun anders

Der bekannteste Wiener Weinort mag eine wichtige Touristenattraktion sein und eine der teuersten Wohngegenden der Stadt, gut essen konnte man in Grinzing bisher trotzdem nicht - eher im Gegenteil: Meist fährt beim Heurigen am besten, wer sich an Prefab-Basics wie Soletti-Igel, Käse-Halasz und Senfgurke hält, vom warmen Buffet sollte im Zweifelsfall überhaupt nur die Erbtant' kosten.

Mit dem nunmehr etablierten Wiener Weinwunder, für das nicht zuletzt die Wiederbelebung der lange vor sich hin dämmernden Edel-lagen am nahen Nussberg entscheidend waren, schien es freilich nur eine Frage der Zeit, bis auch die Gastronomie nachziehen würde. Seit wenigen Wochen hält nun Neowinzer Stefan Hajszan sein in einen alten Keller in der Grinzinger Straße gebautes "Weinrestaurant" geöffnet (die vis-à-vis gelegene "Schöne Aussicht" wird wohl erst im September neu aufsperren).

Hajszan, der bislang als Betreiber des "Universitätsbräus" im alten AKH in Erscheinung getreten war, kaufte in den vergangenen Jahren über 13 Hektar Weingärten in Wien zusammen, die Vinifizierung aber musste in einem Wachauer Keller stattfinden. Ab nun werden seine Trauben auch in Wien zu Wein, und man kann ihnen dabei sogar zusehen: Vom Gastgarten schaut man ins Presshaus, das Restaurant ist nur durch eine Glaswand vom Reifekeller getrennt.

Spannende Innereiengerichte

Als Koch wurde Marcus Linner engagiert, der zuletzt kurz im "Roten Elefanten" (und davor an häufig wechselnden Stationen) kochte und der Wiener Küche stets unerwartete Facetten abgewinnt. Das macht er auch im "Hajszan", und es ist Wirt wie Koch zu wünschen, dass dieser hier längerfristig glücklich wird: Insbesondere seine Innereiengerichte gehören zum Spannendsten, was man in der Hauptstadt derzeit an Wirtshausküche serviert bekommt.

Die dünn geschnittene, lauwarm mit Avocado und Schnittlauch marinierte Kalbszunge etwa: eine harmonische Kombination, bei der die mürbe, magere Zunge durch die vollreife Fettfrucht aromatisch gestützt wird. Sehr gut auch die hausgemachte Kaninchenwurst aus gehacktem Fleisch und Leber. Nicht alles gelingt einstweilen in durchgängig hoher Qualität, was vielleicht an der ungewöhnlich umfangreichen Karte liegt. Die Grießnocken zum an sich köstlichen Zwiebelrostbraten etwa mögen eine nette Idee sein, doch sie schmecken fad und wässrig - simple Bratkartoffeln wären da die bessere Beilage. Neben Hajszans Weinen (besonders gelungen: sein Chardonnay "Gollin") gibt es auch Tropfen befreundeter Wiener Winzer zu kosten. (Severin Corti/Der Standard/rondo/08/06/2007)

Weinrestaurant Hajszan
Grinzinger Str. 86
1190 Wien
Tel.: 01/370 72 37
Di-Sa 15-24, So 10-24 Uhr
VS € 3,40-9,80. HS € 9,80-22,50
  • Gut essen in Grinzing - das geht jetzt im Weinrestaurant von Neowinzer Stefan Hajszan.
    foto: gerhard wasserbauer

    Gut essen in Grinzing - das geht jetzt im Weinrestaurant von Neowinzer Stefan Hajszan.

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    foto: gerhard wasserbauer
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  • Foto: Gerhard Wasserbauer
    foto: gerhard wasserbauer
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