Das K-Wort

24. Juli 2007, 15:02
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Dekorativ will ihr Schmuck nicht sein: Christian Hoedl und Shari Pierce heißen die heurigen Preisträger des "so fresh"-Schmuckwettbewerbs

Autorenschmuckmacher. Das ist für Christian Hoedl die korrekte Bezeichnung seiner Profession. Schmuckdesigner möchte er nicht genannt werden. Schließlich handelt es sich bei den Bändern, Streifen und Ribbons, die er sorgfältig verknüpft und verknotet, laut Eigendefinition um nichts weniger als um "Kunst am Körper". "In Geschäften", sagt Hoedl, "sind meine Kreationen nicht zu kriegen". Dafür allerdings in Galerien.

Seit nunmehr zwei Jahren behauptet sich der 1975 in Schwaz in Tirol geborene Hoedl auf einem Markt, der penibel zwischen Design und Kunst unterscheidet. Dekorativ sei das Eine, tiefer schürfend das Andere. "Das Wort Origami", sagt Hoedl, "möchte ich im Zusammenhang mit meinen Objekten nicht hören". Es habe angesichts seiner "höherwertigen" Objekte einen zu fahlen Beigeschmack. Eben diese überzeugte die Jury des diesjährigen "so fresh. the jewellery award by Pierre Lang", Christian Hoedl zu einem der Gewinner zu küren. Das Preisgeld muss er sich allerdings mit Shari Pierce teilen, die ihren Schmuck aus Fundstücken herstellt, die sie in Slums gefunden hat. Die Wertigkeit ihrer Schmuckobjekte ist jenen Hoedls, der nur mit sehr exklusiven Stoffen arbeitet, genau entgegengesetzt. Das, meint er selbst, mache einen besonderen Reiz der diesjährigen Juryentscheidung aus.

Herkömmliche Auffassungen durcheinander bringen

Mittlerweile zum zweiten Mal richtete der sich mit 10.000 Euro dotierte Wettbewerb an junge Designer, die mit ihren Kreationen herkömmliche Auffassungen von Schmuck durcheinander bringen. Christian Hoedl erreicht das durch die Wahl seiner Materialien, die aus dem Modekontext stammen. Wie seine Stücke getragen werden, das stünde den Trägern frei. "In dieser Hinsicht bin ich vollkommen offen. Worauf ich Wert lege, ist die Art, wie der Schmuck präsentiert wird. Ein Künstler hängt seine Bilder ja auch nicht irgendwohin an die Wand."

In dieser Hinsicht kann Hoedl etwas ungemütlich werden - schließlich kommt er genauso wie Pierce aus der Klasse von Otto Künzli, einem Protagonisten der zeitgenössischen Schmuckkunst und Professor an der Münchner Akademie: "Er hat uns jede Freiheit gelassen, die wir wollten." Hoedl und Pierce haben sie weidlich genutzt.
hil/Der Standard/rondo/08/06/2007)

Die Arbeiten der "so fresh"-Preisträger werden am 16. Juni im Rahmen des "7 festival for fashion and photography" um 21.30 im Wiener Semper Depot präsentiert.
  • Das Wort "Origami" möchte Christian Hoedl angesichts seiner Schmuckkreationen nicht hören.
    foto: designer

    Das Wort "Origami" möchte Christian Hoedl angesichts seiner Schmuckkreationen nicht hören.

  • Shari Pierce fertigt ihren Schmuck aus Fundstücken an.
    foto: designer

    Shari Pierce fertigt ihren Schmuck aus Fundstücken an.

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