Der ultimative Fan-Vergleich

24. Juli 2007, 19:05
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Wie Österreicher und Schweizer hinter ihrer Mannschaft stehen, Charakterzüge und Schlachtgesänge der Anhänger

Österreich

  • Lieblingsgegner: Lange Zeit Ungarn bzw. die eigene U21-Auswahl. Dann Deutschland (Cordoba!), kurze Zeit Liechtenstein, gefolgt von der Schweiz, sicher nicht die Färöer-Inseln.

  • Verhalten: Der österreichische Fan verhält sich nicht, er tarnt sich, um nicht als solcher erkannt zu werden. Mit dem Verlassen des Stadions streift er seine Passion ab.

  • Schlachtgesänge: "Immer wieder, immer wieder, immer wieder, Österreich!" Mehr fällt ihm trotz musikalischer Tradition (Mozart! DJ Ötzi!) nicht ein. Manchmal schreit er nur "Österreich". Die Hymne singt er schon mit, obwohl er der Meinung ist, dass die Deutschen die österreichische gestohlen haben.

  • Grundeinstellung: Er tut alles, um nicht enttäuscht zu werden. Deshalb erwartet er von seiner Nationalmannschaft nichts, und wenn, dann nur das Schlechteste.

  • Halbzeitunterhaltung: Die Mannschaft bei Bier und Burenwurst ausrichten; Toilettengang. Im raren Fall eines guten Spiels wird auch getrunken, gegessen und gegangen.

  • Bemalung: Der gewöhnliche, erwachsene Fan muss schon sehr gut aufgelegt sein, um seine Wangen mit den Nationalfarben (rot-weiß-rot) anzumalen. Oder gar eine Perücke aufzusetzen. Kinder dürfen natürlich, was sich die Väter und die Mutter nicht erlauben.

    Schweiz

  • Lieblingsgegner: Die Deutschen! Die Statistik ist nicht unbedingt berauschend - 8 klare Siege, 6 für Deutschland schmeichelhafte Remis, 35 unglückliche Niederlagen. Aber das wichtigste Spiel ging an uns. 9. Juni 1938, WM in Paris, 4:2 gegen Großdeutschland.

  • Verhalten: Er trinkt, aber nicht so viel wie der Engländer. Er ist laut, aber nicht so laut wie der Holländer. Vor dem Spiel ist er selbstbewusst, aber nicht so selbstbewusst wie der Deutsche. Nach dem Spiel schämt er sich, aber nicht so sehr wie der Österreicher.

  • Schlachtgesänge: Jährliche Nullnummern beim Song Contest, und die Fans sind nicht viel besser. Wenn's hochkommt, reicht es für ein gekrächztes "Hopp Schwiiz".

  • Grundeinstellung: Der Fan lässt sich gerne von der Euphorie mitreißen. Hinter der Mannschaft steht er aber nur, solange alles rund läuft.

  • Halbzeitunterhaltung: Bier, über den Goalie lästern, Bier, über das Mittelfeld lästern, Bier, über den Schiri lästern, eine Bratwurst, über Köbi lästern. Und den ganzen Ärger hinunterspülen.

  • Bemalung: Der Schweizer verziert seine Wangen ohne Mühe. Aber so ein Kreuz ist ja auch einfacher zu malen als dieser komische österreichische Vogel. (DER STANDARD Printausgabe 06.06.2007)

  • Autoren:

    Österreich: Christian Hackl, Wolfgang Weisgram Schweiz: Phillip Loser, Michael Rockenbach; (Redakteure der Basler Zeitung)

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      Nur selten steht dem österreichischen Fan die Passion ins Gesicht geschrieben.

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      Manchmal ist's ein Kreuz mit der Nati. Manchmal ist sie aber auch mitreißend.

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      Der löchrige Emmentaler kommt tatsächlich aus dem Emmental und ist ein Schweizer Kulturgut.

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