Fluggastrechte wirken sich aus: Millionen für überbuchte Flüge

13. Juni 2007, 10:49
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Die Austrian Airlines mussten um 30 Prozent mehr Entschädigung zahlen

Wien - Ob ein Kurztrip zu Fronleichnam oder in dreieinhalb Wochen der Start in den Sommerurlaub: Die kommenden Wochen und Monate stehen europaweit wieder im Zeichen der Massentouristik. Tausende Österreicher werden allerdings erleben, dass sie beim "Last-Minute Hotel-Roulette" auf den falschen Veranstalter gesetzt haben und statt Luxusobdach eine Baustelle bekommen. Oder im Bad mehr Schimmelpilze als intakte Fliesen sind. Oder der kindgerechte Strand leider mit Scherben von der vergangenen Maturareise übersät ist.

Beschwerden über die Unterkunft machten 2006 knapp die Hälfte der Beschwerden bei den Konsumentenschützer von Arbeiterkammer und VKI aus. Eindeutig im Aufwind sind Probleme mit dem Lufttransport. Bei der AK Wien stieg im Vorjahr der Anteil der Beschwerden wegen Überbuchung, Verschiebung oder Stornierung von Urlaubsflügen von 23 auf 27 Prozent.

Enttäuschte Frühbucher

Bei der oberösterreichischen Kammer hat man ähnliche Erfahrungen gemacht, über 1400 Anfragen und Beschwerden wurden dort registriert. Besonders betroffen: Frühbucher, die am Schalter erfahren mussten, dass der teils Monate zuvor gekaufte Sitzplatz leider doch vergeben worden ist.

Seit Februar 2005 haben Möchtegern-Reisende genau definierte Rechte auf Verpflegung und/oder Entschädigung. Und diese, auch mit Postern auf den Flughäfen ausgehängten, Fluggastrechte in der EU kosten die Fluglinien einiges an Geld. "Rund neun Millionen Euro müssen wir pro Jahr nach Verspätungen, Überbuchungen oder gestrichenen Flügen zahlen", rechnet Livia Dandrea-Böhm von Austrian Airlines vor. Um ein Drittel mehr, als vor der EU-Regelung gezahlt wurde, gesteht die Sprecherin ein. Verspätungen sind dabei das geringste Problem: Erstens muss dafür meist nur ein Essen gezahlt werden, und zweitens gehört die AUA zu den pünktlichsten Flugfirmen Europas, beteuert Dandrea-Böhm.

Rechtsbewusstsein

Bei Problemen mit der Entschädigung ist in Österreich das Verkehrsministerium zuständig. Wie viele Beschwerden seit Februar 2005 eingegangen sind, weiß man dort aber nicht. "Wir führen keine Statistik, es werden aber mehr. Die Rechte dringen immer mehr ins Bewusstsein", meint der Mann an der Beschwerdehotline.

Bei den ÖBB freut man sich, mit der (freiwilligen) Zahlung für Verspätungen weit hinter der Luftfahrt zu liegen. "Zwischen 30.000 und 35.000 Euro haben wir im Jahr 2006 insgesamt an unsere Kunden zurückgezahlt", verrät Personenverkehrs-AG-Sprecherin Katharina Gürtler. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 6.6.2007)

  • Mit heillos überfüllten Flughäfen muss man bei der Flugreise im Sommer rechnen. Bleibt man wegen Überbuchung des Fliegers am Boden, gibt es allerdings Geld
    foto: standard/fischer

    Mit heillos überfüllten Flughäfen muss man bei der Flugreise im Sommer rechnen. Bleibt man wegen Überbuchung des Fliegers am Boden, gibt es allerdings Geld

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