Türkei drängt mit Energie in EU

1. Juli 2007, 18:17
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Energieminister: "EU und Türkei sind aufeinander angewiesen" - Unterstützung für Nabucco

Die Türkei will aus dem Energiehunger Europas Profit schlagen, die Kassen mittels Transitgebühren auf Öl und Gas füllen und so die Entwicklung des Landes vorantreiben. Außerdem möchte man die Energie als Hebel nützen, die ins Stocken geratenen Beitrittsverhandlungen mit der EU in Schwung zu bringen. "Die EU und die Türkei sind aufeinander angewiesen", sagte der türkische Energieminister Hilmi Güler am Dienstag in einer gemeinsam von der Türkei und der EU in Istanbul organisierten Energiekonferenz.

Piebalgs: Vertiefung "ein Muss"

EU-Energiekommissar Andris Piebalgs nannte die Vertiefung der Zusammenarbeit insbesondere in Energiefragen ein "Muss", zumal die Versorgungssicherheit auf der Brüsseler Agenda ganz oben stehe. Die Türkei ist selbst stark von Energieimporte abhängig; aber in unmittelbarer Nachbarschaft liegen mehr als 70 Prozent der weltweiten Öl- und Gasreserven – im kaspischen Raum sowie Iran und Irak.

Eines der Projekte, das der türkische Energieminister besonders hervorhob, ist die Nabucco-Pipeline, die unter Federführung der OMV errichtet werden und Gas vom Schwarzen Meer und der Kaspischen See nach Mitteleuropa bringen soll. "Die Türkei steht voll hinter diesem Projekt", sagte Güler.

Ruttenstorfer: "Noch einige Knoten zu lösen"

Trotz hausgemachter Probleme und Störungsversuche vonseiten Russlands ist auch OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer guter Dinge, dass die Pipeline realisiert wird. "Es gibt noch einige Knoten zu lösen, was bei fünf beteiligten Ländern nicht einfach, aber machbar ist", sagte Ruttenstorfer dem STANDARD. Gespräche mit potenziellen Lieferanten seien im Gang, notwendige Investitionen in die Erschließung zusätzlicher Gasquellen in der Region könnten von Förderkonsortien getätigt werden. Für Nabucco wird neben Gasgesellschaften der Türkei, Bulgariens, Rumäniens, Ungarns und Österreichs ein sechster Partner gesucht. Dies könnte Eon oder RWE sein. (Günther Strobl aus Istanbul, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7.6.2007)

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