Vom Ende des Computerzeitalters

5. Juni 2007, 20:03
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Semantische Systeme machen dort weiter, wo herkömmliche Informations- Verarbeitung an ihre Grenze stößt

Semantische Systeme machen dort weiter, wo herkömmliche Informationsverarbeitung an ihre Grenze stößt. Zum Auftakt seiner neuen Ausschreibung lud das Infrastrukturministerium zu einer Veranstaltung für Wissenschafter und praktische Anwender.

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Eine Rose ist eine Rose, ist bekanntlich eine Rose. Aber wie erkläre ich dem Computer, dass sie gemeint ist, und nicht eine Miss Rose oder ein Ort in Niederbayern? „Wir definieren erstmal die Eigenschaften eines Objekts“, sagt Asunción Gómez-Pérez, „die Funktion, dann zum Beispiel, woraus es besteht, oder besondere Merkmale, die es von anderen Objekten unterscheiden.“ Gómez-Pérez ist Informatikerin an der Polytechnischen Universität und arbeitet dort unter anderem am Thema Ontologie für Informationsverarbeitung, woraus sie gerade eine kleine Probe geliefert hat.

Sie ist zur Veranstaltung „Research for Success“ nach Wien gekommen, die von der FIT-IT-Initiative des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie vorigen Mittwoch abgehalten wurde.

Schwerpunkt des Treffens im Wiener Siemens Forum ist das Thema „Semantische Systeme und Dienste“ – das gleichzeitig zum vierten Mal ausgeschrieben wurde: Drei Millionen Euro stehen für Projekte zur Verfügung, die Forschung und Entwicklung mit Marktpotenzial erwarten lassen. Gómez-Pérez stellt an dem Abend in ihrer Rede den komplexen Hintergrund vor, der die Verständigung unter Systemen erleichtert, Stichwort Web 3.0. Ihr Team entwickelt unter anderem Verfahren, die verschiedene Verständigungstechniken bewerten, die den Informationstransfer zwischen technischen Systemen optimieren und die Experten helfen, selber Applikationen im semantischen Web zu erstellen.

Das große Bild

Gemeint ist das weltweite Netz in seiner erweiterten Form, das Bedeutungen von Daten versteht, bewertet und weitergibt. Nötig dazu sei, so die spanische Wissenschafterin, das Resource Description Framework RDF. Diese auf den Hypertext- und Extended-Sprachen aufbauende neue Kommunikationsnorm, vom WWW-Konsortium entwickelt, ermöglicht Maschinen, die Informationen einer Website intelligent zu verarbeiten. „Das ist alles wichtig und richtig“, sagt Michael Brodie, „aber den User interessiert immer weniger, was die Technik macht und auf welchem Computer das alles geht. Er will Antworten auf seine Probleme haben, egal wo und wie, solange er sie versteht.“

Brodie kommt selbst von der universitären Forschung, doch seit mehr als 20 Jahren arbeitet er in der Praxis, seit einiger Zeit als Chief Scientist von Verizon, dem amerikanischen Telefonbetreiber mit wachsendem Geschäft im Unterhaltungsbereich.

„Das ist typisch“, sagt er dazu. „Wir bieten bereits TV in Konkurrenz zu den Kabelfirmen an und engagieren uns immer mehr im Internet, da wir davon ausgehen, dass sowieso alle Kommunikation über Internet Protokoll laufen wird.“

Bei Verizon ist Brodie für das „big picture“ verantwortlich. Das bedeutet für ihn, sich neue Methoden anzusehen, wie man mit der immer stärker anwachsenden Datenmenge umgehen kann; das heißt Abkürzungen finden, die Heuristik guter Strategien in zukünftige Regeln einbauen, intelligentere Dialoge mit Suchmaschinen entwickeln: „Das haben wir bis jetzt. Wie soll’s weitergehen?“

Wie es weitergehen soll, veranschaulicht Brodie unter dem Schlagwort „Konvergenz“. Seit 30 Jahren sei die Rede von ihr, doch jetzt seien die Voraussetzungen endlich so weit. Die neuen semantischen Technologien, denen auch die laufende FIT-IT-Ausschreibung (bis 16. Juli) gilt, erlauben grenzüberschreitende Problemlösungen. Sie passen sich dem Menschen an und nicht umgekehrt.

Daher ist für Brodie auch „das Ende des Computerzeitalters“ angebrochen, wie er in seiner Keynote-Rede ausführt. Nicht als Maschinenstürmer meint er das, sondern weil es im Gegenteil einen immer schnelleren Umgang mit Kommunikationstechnik geben wird.

Das klingt nicht nur nach einem Paradies. Kann er, der Vordenker eines Mobilanbieters, sich eine Auszeit überhaupt vorstellen? „Aber ja“, sagt Brodie. „Ich mache Abenteuerurlaube mit meinem Sohn: ohne Handy, ohne Computer!“ (Michael Freund/DER STANDARD, Printausgabe, 6. Juni 2007)

  • Eine Rose ist eine Rose, ist eine Rose: Aber wie erkläre ich das meinem Computer?
    illustration: der standard

    Eine Rose ist eine Rose, ist eine Rose: Aber wie erkläre ich das meinem Computer?

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