Aus für Null-Euro-Handys

13. September 2007, 14:21
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Mit der neuen Roaming-Verordnung der EU wird das Telefonieren im Ausland günstiger - Die Zeit der "Null-Euro-Handys" in Österreich ist damit aber vorbei

Die EU-Telekom-Minister werden am Donnerstag die Begrenzung der End- und Großkundentarife für Handygespräche im Ausland beschließen. Ein Anruf aus einem EU-Land nach Österreich darf dann sowohl für Vertrags- als auch Wertkartenkunden maximal 49 Cent (plus die jeweilige, nach Ländern unterschiedlich hohe Mehrwertsteuer) kosten, die Gesprächsannahme aus einem anderen EU-Land kommt auf 24 Cent.

Zur Freude der Konsumenten, die damit innerhalb der EU günstiger telefonieren werden können, zum Ärger etlicher Anbieter, die in der Regelung "einen Rückfall in die Planwirtschaft" sehen. Durch die entstehenden Erlöseinbußen könnte es zu einer Verringerung und zeitlich verzögerten Einführung neuer Technologien und Produkte kommen, hatten sie im Vorfeld getönt.

Umstellung

Bei allem Murren – natürlich werden sich auch die österreichischen Mobilfunkprovider brav an die Verordnung halten, wie eine Umfrage des STANDARD ergab. "Nach Veröffentlichung der Verordnung, die für den 29. Juni geplant ist, können jene Kunden, die den neuen Tarif haben möchten, diesen innerhalb eines Monats bekommen", sagt dazu Elisabeth Mattes, Sprecherin des heimischen Marktführers Mobilkom (A1). Auch bei T-Mobile, One und Hutchison Austria ("Drei") sollen die Kunden baldmöglichst von den neuen Roamingtarifen profitieren können. Während T-Mobile ihren Kunden den neuen Tarif aktiv anbieten will, müssen Mobilkom-Kunden bis zum Zeitpunkt der automatischen Umstellung (spätestens drei Monate nach Inkrafttreten der Verordnung, also Ende September) sich für den EU-Tarif anmelden.

Tarifdschungel wird noch verwirrender

Alle heimischen Mobilfunkanbieter weisen darauf hin, dass es bis dato existierende spezielle Auslandsangebote, die unter dem regulierten Tarif liegen, auch weiterhin geben werde. Für Kunden bedeutet dies: Der Tarifdschungel wird noch verwirrender und das Studium der diversen Paketpreise bleibt ihnen, wollen sie möglichst kostengünstig im Ausland telefonieren, auch in Zukunft nicht erspart.

Rotstift bei subventionierten Handys ansetzen

Zwar will keiner der heimischen Netzanbieter, wie teilweise im Vorfeld der Diskussion um die Auslandsgebührensenkung angedeutet, die Inlandstarife erhöhen. Dazu ist letztlich der Wettbewerbsdruck zu hoch. Kürzungen wird es aber bei den subventionierten Handys geben. "Wir werden hier wahrscheinlich den Rotstift ansetzen müssen", sagt Mattes. "Handy-Geschenke im bisherigen Umfang sind nicht mehr machbar." One-Sprecherin Petra Jakob deutet an, "dass das eine oder andere Null-Euro-Handy verschwindet". Und auch bei T-Mobile wird es laut Öffentlichkeitsarbeiter Matthias Mitterer-Kuhn so sein, "dass wir Topgeräte nicht mehr so stützen können wie bisher". Drei-Chef Berthold Thoma lässt dazu wissen: "Bei unseren Handypreisen wird sich nichts ändern. Wir freuen uns aber über jeden Mitbewerber der das tut, weil das uns nur nützen kann".

Auch wenn besonders Mobilkom und One über die kommende EU-Verordnung weiterhin unglücklich sind – "Wir werden dadurch viel Geld verlieren, das wir irgendwo kompensieren müssen." (Jakob) –, rechnen alle Betreiber damit, dass die niedrigeren Gebühren die Kunden animieren werden, bei ihren Reisen innerhalb der EU in Zukunft öfter mal für ein Gespräch zum mobilen Hörer zu greifen.

Tarife für Datendienste praktisch unberührt

Eine "Kompensation" für niedrigere Einnahmen durch Auslandsgespräche bleibt ja allen Netzbetreibern: Die Tarife für Datendienste bleiben praktisch unberührt. Während in Österreich der preisliche Benchmark derzeit von "Drei" gesetzt wird und bei 19 Euro für 1,5 Gigabyte liegt, zahlt man für Datenroaming jenseits von 1000 Euro pro Gigabyte – im günstigsten Fall.(Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe, 6./7.6.2007)

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