Mucke mit Einhorn

12. Juni 2007, 13:53
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Das australische Trio Wolfmother stellte bei einem Open Air in der Wiener Arena die alten Zeiten des psychedelisch verbrämten Hardrock nach

Und berichtete der Jugend von Pyramiden, Hexenkraft, dem Joker und dem Dieb

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Wien – Die Band nennt sich Wolfsmutter. Auf dem Cover ihres namenlosen Debütalbums sehen wir eine böse Schlangenfrau und den "Lizard King" in Öl. Auf der CD selbst geht es in dieser Güteklasse weiter. Mit angestochenem Kopfstimmengesang setzt es zu derben Hardrock-Riffs und jaulenden Minimalsoli erhabenen Blödsinn von Einhörnern, Adlern, der Zauberkraft von Hexen, dem Joker und dem Dieb, dem inneren Auge, dem Lovetrain und den Pyramiden. Und man kann selbst als nur peripher popkulturell geschulter Mensch auf zwei dringende Sachverhalte schließen, ohne lang Feldstudien über das Freizeitverhalten unserer Kinder betreiben zu müssen.

Erstens: Junge Menschen haben sie nicht mehr alle! Aber echt. Zweitens, und das weiß aber der junge Mensch jetzt noch nicht oder will es nicht wahrhaben, weshalb er sein Kurzzeitgedächtnis mit Komatrinken austrickst: Es kommt alles wieder. Oh ja.

Das australische Trio Wolfmother um den von den Resten seines Flaumbartes noch nicht ganz befreiten Sänger und Gitarristen Andrew Stockdale wiederholt auch live in der Wiener Arena vor gut 2000 durchaus nicht alt und verstockt gegenüber zeitgenössischen Junggesellenliedern auf FM4 wirkenden Besuchern ein Märchen aus uralten Zeiten. Damals wurde nicht nur Jim Morrison mit seinen psychedelischen Blues-Plattitüden für einen Dichterfürsten gehalten, gehobener Unfug wie Hermann Hesse oder Herr der Ringe gelesen – und das alles von Bands wie Led Zeppelin akustisch mit festen Treppen in den Himmel zu musikalisch unwiederbringbarem, textlich heute allerdings etwas dulli und jöh wirkendem Hardrock-Schmock aufgeblasen. Es wurde auch ganz ordentlich Hanf gegeben.

Wolfmother stellen diese Sache vor einem begeisterten Auditorium heute mit dem zusätzlichen zynischen Wissen des Punk einfach eins zu eins nach und lassen das Ganze mit zeitweiliger Progrock-Orgel in den Mittelteilen etwas entgleiten. Sie unterfüttern ihre Songs aber an den entscheidenden Stellen mit Dosenbier und AC/DC. So viel Heimatliebe muss sein.

Da stampften die in Röhrljeans und weißen Spitzschuhen steckenden Beinchen von Wuschelkopf Stockdale fröhlich im Takt und ließen vergessen, dass darüber gerade eine an und für sich verbotene doppelhalsige (!!!) Gitarre vor der Hühnerbrust im Abendwind baumelte und laute Männerklage zum Vortrag brachte: "Uuuuuh-yeah!" (Christian Schachinger, DER STANDARD, Printausgabe, 06.06.2007)

  • Der australische Gitarrist und Sänger Andrew Stockdale wiederholt mit Wolfmother die Geschichte, will aber daraus nichts (Neues) lernen. Jeder Generation dieselben Fehler!
    foto: fischer

    Der australische Gitarrist und Sänger Andrew Stockdale wiederholt mit Wolfmother die Geschichte, will aber daraus nichts (Neues) lernen. Jeder Generation dieselben Fehler!

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