Das Glück der Bio-Tiere endet am Bauernhof

5. Juni 2007, 16:48
170 Postings

Bei den Transporten und in den Schlacht­betrieben werden diese ganz konventionell behandelt – das neue Tier­transport­gesetz bringt kaum Er­leichter­ung

Vor einer Woche wollte man schon jubeln: Das neue Tiertransportgesetz, das schon mit ersten August in Kraft treten soll schränke die Transportzeiten massiv ein. Nämlich von den von der EU vorgesehenen acht Stunden auf viereinhalb Stunden bei innerösterreichischen Schlachtviehtransporten. Die ausposaunte Freude aus dem Ministerium währte leider nur sehr kurz.

Verlängerung der Transportzeit

"Mit dem neuen Gesetz wird es möglich, dass Tiere in Summe über neun Stunden unterwegs sein dürfen", so Iring Süss, der sich für die Tierschutzorganisation Vier Pfoten genauer eingelesen hat. "Werden die Tiere viereinhalb Stunden befördert, können diese nach einer Pause von 45 Minuten weitere vier Stunden transportiert werden." Das sei, so der Tierschutzexperte, eine klare Verschlechterung der Situation. Genau genommen von derzeit erlaubten sechs Stunden auf über neun .

Gesetzeswidrige Neuneinviertelstunden?

Jetzt wird geprüft, ob die geplanten langen Transportzeiten überhaupt rechtens sind: "Das neue Gesetz ist ja eine Umsetzung der EU Verordnung von 2005, in der eine Maximaltransportzeit von acht Stunden vorgegeben wird. Österreich schafft unserer Auffassung nach mit den Neuneinviertelstunden eine Regelung die gesetzeswidrig ist. Das prüfen wir zurzeit nach."

Studie beauftragt

Auch Reinhard Geßl von Bio Austria ist mit dem Tiertransportvorschlag von Bundesministerin Kdolsky nicht zufrieden: Die 45 minütige Pause zum Tränken sieht der Leiter für Forschung, Innovation und Wissensmanagement bei Bio Austria als eine zusätzliche Stresssituation beim Be-und Entladen.

Bio endet am Bauernhof

Erste Entwürfe zu den Ergebnissen liegen seit Mai 2007 vor: In der Regel gehen Biotiere mit einer konventionellen Transportfirma zu konventionell arbeitenden Schlachtbetrieben. Aus wirtschaftlichen Gründen sind das meist Sammeltransporte, die einzelne Tiere von vielen Höfen abholen, um dann zu einem Vertragsschlachthof zu fahren, der nicht unbedingt im Bundesland liegt. "Ich habe einmal von einem Sammeltransport gehört, der innerhalb Österreichs 19 Stunden unterwegs war", so der Tierschützer Süss. Die Information stamme von einem Tierinspektor.

Stressminimierung und würdevoller Umgang

Gessl von Bio Austria sieht es deshalb als eine Herausforderung die Situation für Biotiere zu verbessern. "Wir haben in Deutschland eine Studie beauftragt, die sich die heiklen Bereiche Transport und Schlachtbedingungen bei uns anschauen soll. Diese steht kurz vor dem Abschluss." Die ersten Ergebnisse zeigen: Stressminimierung und ein würdevoller Umgang beim Transport und am Schlachthof würde es den Tieren um vieles leichter machen.

"Ich glaube, dass es in den nächsten ein zwei Jahren wirklich konkret werden wird. Wir sind jetzt bemüht zum Beispiel mit Handelsketten eine durchgängige Qualitätskette von der Geburt bis zur Schlachtung zu schaffen." Die große Chance heißt stark steigende Nachfrage, verbesserte Markenprogramme und beste Verkaufszahlen. (siehe Grafiken)

Die Kette schließen

Die Kette schließen hieße in diesem Fall Biotiere auf den Transport vorzubereiten. Zum Ent-und Beladen rutschfreie, flache Aufgänge mit blickdichten Wänden zu verwenden. Oder am Schlachthof eine ruhige Situation zu schaffen. Dazu zählt: Wenig Lärm, angenehmes Licht und eine Tiergruppe, die sich kennt, zusammenhalten. "Das sind psychologische Tricks die diesen Schritt erleichtern."

Zusätzlich wäre es laut Geßl sinnvoll professionelle Tiertransporteure zu schulen: "Bewusst machen, dass ihre Tätigkeit nicht der Transport von Waren, sondern von lebendigen Tieren ist, die nach einem würdevollen Umgang verlangen."

Viel zu niedrige Strafrahmen

Den konventionellen Nutztieren wird das wahrscheinlich wenig nutzen. In ganz Österreich stehen zur Zeit drei Kontrolleure zu Verfügung, um Strafen zu verhängen, die "unserer Meinung nach zu niedrig angesetzt wurden und inakzeptabel sind". Iring Süss rechnet vor: "5000 Euro für schwere Übertretungen und 7500 Euro im Wiederholungsfall. Ein Experte hat uns ausgerechnet, dass ein Transporteur, der Stiere in Polen lädt und nach Italien transportiert ungefähr 10 000 Euro Gewinn macht, pro Transport." Die Verordnung der EU, um deren Umsetzung es geht, sieht indes vor, dass die Strafen "verhältnismäßig hoch und abschreckend wirken sollen", so der Tierschützer. (Andrea Niemann)

  • Artikelbild
    grafik: bio-austria
  • Artikelbild
    grafik: bio austria
  • Artikelbild
    grafik: bio-austria
  • Artikelbild
    foto: vier pfoten
Share if you care.