Bilanzskandal bei Europas größtem Möbelhersteller

10. Juli 2007, 11:31
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Vier ehemalige Topmanager der deutschen Firma Schieder sind wegen des Verdachts der Bilanzfälschung und des Kreditbetruges verhaftet worden

Schieder-Schwalenberg - Vier ehemalige Topmanager des größten europäischen Möbelherstellers, der deutschen Firma Schieder, sind wegen des Verdachts der Bilanzfälschung und des Kreditbetruges verhaftet worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, mit geschönten Bilanzen Kredite in einer Gesamthöhe von 283 Mio. Euro erschwindelt zu haben, wie der Sprecher der Bielefelder Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität Klaus Pollmann am Dienstag mitteilte.

Der seit Monaten um das Überleben kämpfende westfälische Möbelhersteller mit rund 11.000 Beschäftigten gerät durch den neuen Bilanzskandal in noch heftigere Turbulenzen. Der Interim-Geschäftsführer der Schieder-Möbel-Holding Ulrich Wlecke sagte, durch die Aufdeckung der massiven Bilanzfälschungen sei das Unternehmen praktisch über Nacht überschuldet. Der gesamte Schuldenberg des Unternehmens betrage rund 350 Mio. Euro.

Wlecke sieht aber trotz der neuen Krise "sehr gute Sanierungschancen" für das Unternehmen. Die Konzernführung verhandle derzeit fieberhaft mit den Gläubigern - rund 50 Banken und Hedge Fonds, und es gebe positive Signale der Banken. Er hoffe trotz des jüngsten Skandals in den nächsten zwei Wochen die Weichen für eine dauerhafte Entschuldung und Sanierung des Unternehmens stellen zu können, sagte der Manager. Schieder hatte bereits im April vorübergehend Insolvenz anmelden müssen, bis sich die Banken auf eine Finanzspritze von rund 70 Mio. Euro einigten.

Eigene Forderungen zu hoch ansetzen

Die verhafteten Schieder-Manager sollen vor allem in den Geschäftsjahren 2004/05 und 2005/06 die Bilanzen manipuliert haben, indem sie eigene Forderungen zu hoch ansetzten, Verluste verschleierten und Vermögenswerte übertrieben. Auf Grundlage der geschönten Bilanz hätten die Manager dann ersten Ermittlungen zufolge insgesamt Kredite in einer Gesamthöhe von 283 Mio. Euro verlängert oder neu aufgenommen, berichtete Pollmann. Hinweise, dass die Manager dabei in die eigene Tasche gewirtschaftet hätten, gebe es aber nicht. Bei einer Verurteilung drohen den Managern Haftstrafen zwischen fünf und 10 Jahren.

Die neue Schieder-Geschäftsführung war bei einer Überprüfung der Akten selbst auf die Bilanzmanipulationen gestoßen und hatte die Bielefelder Kriminalpolizei eingeschaltet.

Um die verschachtelte Schieder-Holding wieder auf gesunde Füße zu stellen plant der Interims-Chef spürbare Einschnitte. "Wir werden das Unternehmen verschlanken und vereinfachen. Am Ende wird es weniger Gesellschaften und weniger Standorte geben", sagte Wlecke. Der Konzern werde sich von Geschäftsfeldern trennen, die strategisch nicht wichtig seien, und sich auf das konzentrieren was man am Besten könne: "Möbel für das untere und mittlere Marktsegment in guter Qualität und gutem Design zu soliden Preisen herzustellen."

Bei dem angeschlagenen Unternehmen stehen weltweit rund 11.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, 1.500 davon in Deutschland. Wlecke versprach den Beschäftigten: "Das Management wird alles in seiner Macht stehende Tun, um dieses Problem zu lösen." Schließlich sei es auch im ökonomischen Interesse der Kreditgeber, das Unternehmen zu erhalten. Doch ohne Opfer von Seiten der Beschäftigten dürfte die anstehende Sanierung kaum abgehen. Ein erstes Gespräch mit dem Betriebsrat über die geplante Restrukturierung gab es bereits am Montag. (APA/AP)

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