Kopf des Tages: Der Autonome

Redaktion, 06. Juni 2007 15:21

Verfolgt vom Feindbild, gegen das Kapital

Er schlägt gern zu, trägt aber selbst oft Schienbeinschoner und Helm. Der Autonome nimmt für sich das Recht auf "Freiräume" im öffentlichen Raum in Anspruch, spricht seinen Gegnern aber das Menschsein ab. Entwickelt hat er sich in der linksextremen Szene der 1970er. Daher kommt auch seine Sympathie für terroristische Gruppen wie die RAF oder die Revolutionären Zellen.

In den 80er-Jahren kämpfte er gegen die bayerische Nuklear-Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf und besuchte in Wien die Opernballdemo. Heute ist er vor allem in deutschen Großstädten zu Hause. Seinen Namen bezog er von der italienischen Bewegung "Autonomia Operaia" - "Arbeiterautonomie", die Ende der 1960er Sabotageakte in Fabriken durchführte und sich mit der Polizei prügelte. Die Bewegung definierte sich über die Abgrenzung von Gewerkschaften und der Kommunistischen Partei. Sie wollte ganz auf Organisation und Führung verzichten. Der Autonome hat einen Hang zur Paranoia, er glaubt, dauernd bespitzelt zu werden. Jede Kamera scheint extra für ihn installiert und auf ihn gerichtet zu sein. Dass die Polizei sich so sehr für ihn interessiert, verleiht ihm Bedeutung und hilft ihm, die Negativprojektionen auf sein Feindbild zu verstärken.

Die Abgrenzung zu den "Normalos", "Faschos" und "Bullen" erleichtert ihm zudem die Selbstfindung. Der Autonome verfügt über kein einheitliches strategisches Konzept, aber über Ideologiefragmente wie Antiimperialismus, Anarchie und Antinationalismus. Er hält den Staat für gewalttätig und glaubt, seine eigene Gewaltbereitschaft dadurch legitimieren zu können. Unterstützt wird dies von seiner Vorstellung, überall von Faschisten umgeben zu sein. Der Autonome verroht zusehends, sagt der deutsche Verfassungsschutz. Er ruft unverhohlen zur Gewalt auf ("Zwischen Helm und Nasenbein passt immer noch ein Pflasterstein"), verletzt Menschen und zerstört Auslagen.

In den letzten Jahren nimmt er gerne an Antiglobalisierungsdemonstrationen teil. Dann findet er sich mit seinesgleichen im Schwarzen Block zusammen und schiebt die Kapuze seiner Jacke über den Kopf, um nicht identifiziert zu werden.

Seit Beginn der zweiten Intifada und 9/11 hat er sich mit einigen Freunden zerstritten. Wenn er von der antideutschen Fraktion ist, kritisiert er den innerlinken Antisemitismus der Antiimperialisten heftig. Der Autonome ist etwa 18 bis 28 Jahre alt. Oft kommt er aus bürgerlichem Milieu. Lohnarbeit lehnt er ab, bezieht aber zuweilen Sozialhilfe. Den Nachwuchs rekrutiert er nicht selbst, überprüft ihn aber genauestens.

In Österreich wohnt der Autonome am ehesten im Wiener Ernst-Kirchweger-Haus, seit 1988 das besetzte Haus in der Aegidigasse geräumt wurde. (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, Printausgabe, 5.6.2007)

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berti russell
07.06.2007 17:37

dass es immer noch ein wenig tiefer als bild geht, beweist "der standard" hier.
danke für diesen feldversuch in angewandtem gossenjournalismus.

intelligenz ist die hürde, die zu meistern hat, wer den vielbeschworenen "qualitätsjournalismus" hinkriegen will. in diesem fall lag die latte tief und wurde einfach überrannt.

Christine Stromberger
06.06.2007 15:19
Klischees, männlich

abgesehen davon, dass diese Charakterisierung 'des Autonomen' voller trivialer Klischees steckt: bekanntlich gibt es auch DIE Autonome; peinlich, dass der Schreiberin sowas nicht auffällt, und peinlich dieser ganze Kopf des Tages...eher Bildzeitungsniveau.

Großer Böser
 
06.06.2007 14:30

Beim Fräulein Adelheid rauschelts heut aber ganz ordentlich...

Mr. Roboto
06.06.2007 12:57
Unkopf des Tages: die vorurteilsbehaftete adelheid

Childerich von Bartenbruch
06.06.2007 11:36
da bin ich ja jetzt wirklich zufrieden, ...

... dass ich vor kurzem mein standard-abo gekündigt habe.

Fritz Wunderlich
06.06.2007 14:06

Will Ihnen nichts vorwerfen, aber da ich den Standard seit Beginn lese, konnte ich seinen langen Marsch von linksliberal nach rechtsliberal gut mitverfolgen.
Ich nehme an, der entscheidende Bruch war die von Bronner verhängte Zensur während der EU-Abstimmung.

Fritz Wunderlich
06.06.2007 09:13

Übt Adelheid lieber mit Strache im heimischen Wald gewaltfreies Wandern?

rosa sáenz
05.06.2007 23:53

so einen saublöden artikel hab ich ja noch selten gelesen.

Wir sind 8,2 Millionen
05.06.2007 21:10

Wahnsinn ist es, jemanden schreiben zu lassen, der elementar keine Ahnung hat.

freedom fighter
06.06.2007 00:24

Dann klären Sie uns doch auf wie's wirklich ist!

Ernst Haft
06.06.2007 10:44

das würde den Rahmen wahrscheinlich sprengen, zumal es im Zuge dieser Erklärung zu einer politischen Emotionalisierung kommen würde. Dieser Bericht ist allerdings eine journalistische Bankrotterklärung.

Eine Zusammenfassung des Wikipediaartikels über Autoneme, durchsetzt von der eindeutig verfärbten Meinung der Schreibenden.

Artischocke
 
05.06.2007 19:50
Der "schwarze Block"

besteht nicht nur aus Autonomen, sondern verschiedenen extremistischen Strömungen. Es ist auch keine Organisation sondern eine Taktik. Die Mitglieder die sich meist nicht kennen, formieren sich spontan. Ddaurch ist er auch ein leichtes Ziel für agents provokteur.

queen mary
05.06.2007 19:35
gratulation zum dumpfesten artikel des jahres

obwohl, es ist ja erst anfang juni, und da der standard anscheinend eine neue leserschaft ansprechen will, könnte ein anderer der frau wölfl diese ehre noch streitig machen.

emma goldman
05.06.2007 19:28

das führt doch nur zu blauen flecken, schädeltraumen, zahnlosen mundhöhlen , und generell zum verlust an energie.
es wäre viel besser ein netz geheimer untergrundorganisationen, im sinne eines weltumpspannenden netzes von accra bis detroit, von wien bis kuala lumpur zu knüpfen, das die besten köpfe revolutionär gesinnter jugendlicher in einen 20-30 jährigen plan einbezieht.
Quasi jakobbiner auf globaler ebene
ab den 2030er jahren könnten die ersten koordinierten aktionen und zwar gleichzeitig und global, das system ins wanken bringen.
zum schein könnte man bis dahin ja noch weiterdemonstrieren.
Ein manifest müßte man natürlich auch schreiben.
glauben würde es sowieso keiner von der gegenseite.
aber es könnte funktionieren.

Chien de Pique
06.06.2007 12:10
Was hat das mit Jakobinern zu tun?

Oder meinen Sie, dass man die besten Köpfe mittels Guillotine erwirbt?

Sozialromantiker
05.06.2007 18:35
Wikiwiki!

Übrigens: "Daher kommt auch seine Sympathie für terroristische Gruppen wie die RAF"

Glaube ich nicht. Die RAF hatte eine sehr eigene/elitäre Vorstellung von Widerstand gegen den Kapitalismus, die jener der Autonomen überhaupt nicht enstpricht. Die politische Strategie der RAF (vor allem das Liquidieren von Menschen) wird von den Autonomen allgemein als konterrevolutionär betrachtet.

epep
05.06.2007 21:00
von "den" autonomen wird das ...

... liquidieren als kontrarevolutionaer empfunden ... ????

ja, okay, die meisten lehnen das ab, keine frage (dem widersprech ich auch nicht), aber solche begriffe wie kontrarevolutionaer werden genauso haeufig abgelehnt.
stammen derartige begriffe doch aus einer bewegung, die nur allzu gerne anarchistInnen, autonome als kontras bezeichnete/bezeichnet.

dg5
05.06.2007 18:41

außerdem verachten autonome die personalisierte kapitalismus-kritik wie sie von der raf betrieben wurde.

epep
05.06.2007 19:36
theoretisch ... ;)

epep
05.06.2007 20:58
... vor allem ...

... weil ja bereits gesagt wurde, es gibt _die_ autonome nicht, daher kann auch nicht gesagt werden, _die_ autonome lehnen das und das ab.

leider gibts genug faelle, wo die personalisierte kapitalismus-kritik immer wieder zu tage kommt (aber nicht nur bei "den" autonomen).

dg5
06.06.2007 01:57

da haben sie natürlich recht. in der emanzipatorischen autonomen szene, wie ich es persönlich in wien zumindest empfinde, hat sich bei den meisten die kapitalimuskritik schon von einer personalisierten zu einer strukturellen hin weiterentwickelt.

Dani B.
06.06.2007 09:16

hast du sonst nix zu tun? wie wär's mit arbeiten? dann kommst auf andere gedanken.

Großer Böser
 
06.06.2007 14:33
dg5
06.06.2007 14:01

studieren reicht mir derweil schon.2 studien sind ausreichend glaub ich. soche sachen sind ja im studium der politikwissenschaft auch ein nicht unwesentlicher tel ;-)

dg5
05.06.2007 18:31

was ist nur los mit dem standard? die ganze g8 berichterstattung ist eine farce. sogar orf.on hat objektiver über die proteste berichtet. scheinbar will sich der standard eine neue leserInnenschaft aufbauen. aber eins müsst ihr euch merken: um wirklich konkurrenzfähig gegen die krone antreten wollt, braucht ihr mehr bilder !

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