Migrantinnen stoßen in ihrer beruflichen Laufbahn weniger an die "gläserne Decke" - sie stehen erst einmal vor einer "gläsernen Tür", die in den Arbeitsmarkt hinein führt
Ein Pilot-Projekt half Frauen bei der Jobsuche und Anerkennung ihrer Qualifikationen.
* * *"Alleine ist man verloren", weiß Slavica Pilipovits, Lebensmitteltechnikerin aus Bosnien, die seit zehn Jahren in Wien lebt. Und sich bis vor Kurzem als Aushilfskraft oder als Haushilfe durchschlug. Das bosnische Diplom der 34-Jährigen war nicht anerkannt worden und sie begann fehlende Prüfungen nachzuholen – was angesichts völlig anderer bürokratischer und universitärer Strukturen sehr schwer war. "Wenn man jahrelang Hilfsarbeiten macht, findet man sich langsam damit ab", schildert Pilipovits. "Aber jetzt ist alles anders geworden." Sie ist im 2. Semester des Abendkollegs einer HTL für Chemie und arbeitet als Laborassistentin im Lebensmittelbereich. Der Abschluss des Kollegs ermöglicht ihr auch die Nostrifizierung ihres Diploms.
Piliopovits ist eine von 24 Teilnehmerinnen am Pilot-Projekt "Bimm – Berufliche Integration und Mentoring für Migrantinnen" des abz austria, das bis Ende Juni gefördert wurde. "Migrantinnen haben kaum Chancen auf Einstieg in den Arbeitsmarkt, auch wenn sie schon lange in Österreich sind – geschweige denn auf Aufstieg", erläutert abz-Geschäftsführerin Manuela Vollmann. "Talente werden verschüttet, weil sie nicht anerkannt werden."
Talente aufdecken
Das Projekt "Bimm" versuchte, diese Talente aufzudecken, und zwar nicht nur während einer 14-wöchigen Orientierungsphase, bei der die eigenen Qualifikationen auf die Erfordernisse des heimischen Arbeitsmarktes abgeklopft wurden, sondern auch während einer dreimonatigen Mentoringphase. Für jede der Frauen wurde eine Mentorin gesucht, die bei der Jobsuche und bei der Nostrifikation unterstützte und bei der Knüpfung beruflicher Kontakte half. "Wir gehen davon aus, dass die Frauen Ziele im Kopf haben", erklärt Vollmann die Herangehensweise. Für die Mehrheit der Projektteilnehmerinnen hätte sich die "gläserne Tür" geöffnet: 13 haben einen Job, zehn davon ihrer Ausbildung entsprechend, drei Frauen haben eine Fachausbildung begonnen. Eine Zusage für eine Finanzierung zur Weiterführung des Projekts steht bislang aus.
Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) lobte das Mentoring als best practice-Beispiel für die Verbesserung der sozialen Situation von Zuwanderinnen und plädierte für die Schaffung eines eigenen Aufenthaltstitels für Frauen sowie eines sofortigen Zugangs zum Arbeitsmarkt. Zudem kündigte sie eine Studie an, welche den Bedarf der Wirtschaft an qualifizierten Migranten erheben soll – welche sowohl die Industriellenvereinigung als auch die Unis bereits angemeldet haben. (Karin Krichmayr/DER STANDARD-Printausgabe, 05.06.2007)