Ethik vor Ästhetik

12. Juni 2007, 13:22
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"Mythos" im Kunsthaus Bregenz gruppiert um den Bildhauer und Moralisten Joseph Beuys Douglas Gordon, Matthew Barney und Cy Twombly

Frei nach dem Direktor des Kunsthauses Bregenz, Eckhard Schneider, changiert die Kunst nach 1945 zwischen ihren Polen Objekt und Mythos, Fassade und Interpretation, Form und Idee. Dem Objektiven richtete Schneider im Winter eine Ausstellung rund um Marcel Duchamp aus. Nun gruppiert er zeitgenössischen Mythos (Titel) um den Bildhauer und Moralisten Joseph Beuys, der mit seiner Eisenplastik "Straßenbahnhaltestelle" von 1976 vertreten ist.

Ignoranten bezeichnen so was gern als Schrottsammlung. Die kann allerdings eine verästelte, menschenfreundliche und autobiografische Geschichte erzählen. Beuys' Kinder im Geiste sind weiters: Douglas Gordon, der sein Blut über Spiegeln vergoss und Menschenschädel perforierte; Matthew Barney mit zwei auch ästhetisch ansprechenden Riesenskulpturen, deren eine stinkt, weil Biomaterial eingearbeitet wurde. Von Cy Twombly ist der Gemäldezyklus "Lepanto" (2001) zu sehen. Doch daraus ist nicht nur wenig Objekt, sondern auch kaum Mythos (eine Spur von Seeschlacht) zu destillieren. Der Großmeister wirkt also blass neben Beuys, Barney und Gordon. (mh/ DER STANDARD, Printausgabe, 05.06.2007)

Kunsthaus Bregenz, (05574) 485 94-0. Täglich 10-20.00. Bis 9. 9.
  • Raumfüllende Kunststoffplastik als erstarrte Performance: "Cetacea" von Matthew Barney.
    foto: kunsthaus bregenz

    Raumfüllende Kunststoffplastik als erstarrte Performance: "Cetacea" von Matthew Barney.

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