Mit Sicherheit flexibel

1. Juli 2007, 18:59
26 Postings

Keine Job-, aber Beschäftigungssicherheit: Dänemark als "Flexicurity"-Vorbild

Kopenhagen - Die dänische Zauberformel für vorbildliche Arbeitsmarktdaten (siehe Wissen) hat einen Namen: "Flexicurity" ist eine Wortkreation aus "Flexibility" und "Security" und bezeichnet das Zusammenspiel von wirtschaftlicher Dynamik, hoher Beschäftigung und sozialer Sicherheit.

Rund 800.000 Dänen wechseln jährlich ihren Job, damit gehört der dänische Arbeitsmarkt zu den flexibelsten in Europa. Nur ein bis zwei Wochen Kündigungsfrist hat der durchschnittliche dänische Arbeitnehmer. "Hire-and-Fire-Flexicurity" nennen daher Kritiker das dänische Modell.

Wer arbeitslos wird, fällt allerdings nicht automatisch in ein finanzielles Loch: 90 Prozent des letzten Gehalts werden für vier Jahre weiterbezahlt, dazu haben die Dänen Rechtsanspruch auf eine Fülle von Beratungs- und Fortbildungsangeboten. Die Frage nach der Finanzierung lässt sich sehr simpel beantworten: Wenige Arbeitslose kosten insgesamt wenig Geld.

Besondere Bedeutung kommt der dänischen Gewerkschaft zu, die im europäischen Vergleich als sehr stark und geeint gesehen wird. Da die arbeitsrechtlichen Regelungen in den dänischen Gesetzen sehr spärlich sind, liegt es an der Gewerkschaft, über Kollektivvertragsverhandlungen die Arbeitsbedingungen und Gehälter der Dänen zu verbessern.

Eine wichtige Rolle spielen auch die Gemeinden. Über kommunale Einrichtungen werden nicht nur Arbeitsmarktservice und Kinderbetreuung abgewickelt, auch die Festlegung diverser Steuern - unter anderem der Lohnsteuer - obliegt den Kommunen. Hier ist Dänemark mit Österreich gar nicht vergleichbar: Nach einer groß angelegten Reform gibt es in Dänemark nur mehr 98 Kommunen.

Kein Export-Modell

Auch in Österreich liebäugeln vor allem wirtschaftsliberale Politiker und Experten immer wieder mit dem "Flexicurity"-Modell. Dänische Experten geben aber zu bedenken: kein "Flexi-" ohne "-curity". Die Sicherheit sei die soziale Basis für ein System, das außerdem über Jahrzehnte gewachsen ist und nicht eins zu eins in andere europäische Länder "exportiert" werden kann. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 05.06.2007)

Share if you care.