Kernkraft gegen Klimawandel? Oder: Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben

Redaktion, 4. Juni 2007, 19:00
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    foto: reuters/david w cerny

    Vermeintliches Idyll: Atomkraft stellt per se keine nachhaltige Lösung des Energieproblems dar, da sie Probleme der Entsorgung radioaktiven Mülls auf zukünftige Generationen überträgt.

Im dritten Bericht des UN-Klimarates wird ein Ausbau der Kernenergie zur Eindämmung des Klimawandels empfohlen - weder eine nachhaltige noch eine praktikable Lösung

Am 4. Mai präsentierte der UN-Klimarat "Intergovernmental Panel on Climate Change" (IPCC) in Bangkok den dritten Teil seines Klimaberichts. In dem Bericht werden der Politik Maßnahmen vorgeschlagen, mit denen der globale Klimawandel noch abgewendet oder zumindest verlangsamt werden kann.

Der Klimarat betont, dass in den nächsten fünfzehn Jahren die Weichen in die richtige Richtung gestellt werden müssen, um die dramatischen Folgen des Klimawandels abzuwenden. Dies sei laut dem Bericht jedoch nicht alleine durch den Umstieg auf erneuerbare Energien zu bewerkstelligen. Kernkraft wird als eine der Maßnahmen gegen den Klimawandel empfohlen.

Atomkraft: Unnachhaltig und träge

Doch ist Kernkraft wirklich geeignet, in den nächsten fünfzehn Jahren eine Änderung in die richtige Richtung zu bewirken? Durch Genehmigungsverfahren und den Bau der Kraftwerke würde bis zur Inbetriebnahme zu viel Zeit verloren gehen. Mögliche Einsparungen an Treibhausgasen griffen erst zu spät. Damit ist Kernkraft nicht in der Lage, eine Richtungsänderung rasch genug herbeizuführen.

Der Bau von Atomkraftwerken erfordert selbst einen hohen Aufwand an Ressourcen. Und auch Uran ist nicht beliebig verfügbar. Atomkraft stellt darüber hinaus per se keine nachhaltige Lösung des Energieproblems dar, da sie Probleme der Entsorgung radioaktiven Mülls auf zukünftige Generationen überträgt. Die Lehren aus Reaktorunfällen scheinen angesichts der laufenden Diskussion wie vergessen, die Argumente der Anti-Atom-Bewegung ebenso.

Laut Europäischer Umweltagentur entstehen 21 Prozent der CO2-Emissionen in der EU durch den Verkehr. Diese Emissionen des Verkehrs zeigen laut IPCC Bericht – nach der Energieerzeugung – das zweitstärkste Wachstum bei den Emissionen. In diesem Bereich kann Kernenergie keine schnelle Reduktion von Klimagasen ermöglichen.

Was verträgt unsere Erde noch?

Die Lösungen des "Klimaproblems" müssen holistisch und nachhaltig sein. Es ist notwendig, Lösungen zu suchen, die die gesamte Problematik das "globalen Wandels" in Betracht ziehen. Sie müssen sowohl eine weitere Entwicklung in den armen Ländern erlauben als auch die Perspektiven der künftigen Generationen respektieren.

Gesucht sind nicht Lösungen für einzelne Bereiche, die Probleme bloß verlagern, wie im Falle der Kernkraft. Gesucht sind integrative Lösungen, die allen Problemen, wie z.B. auch Wüstenbildung, Artensterben, Bodenerosion, Luft- und Wasserverunreinigung usw. gerecht werden.

Erfolgversprechend und letztlich zielführend ist es daher, mit allen vorhandenen Ressourcen sparsamer umzugehen: "Energie und andere Ressourcen können wesentlich effizienter genutzt werden als dies heute der Fall ist", sagt Jill Jäger, Klimaexpertin in Wien und Autorin des Buchs "Was verträgt unsere Erde noch? Wege in die Nachhaltigkeit". Das Buch verdeutlicht die komplexen Zusammenhänge des globalen Wandels und veranschaulicht die Auswirkungen der gegenwärtigen Ressourcenverschwendung. Vor allem zeigt es aber, dass eine nachhaltige Zukunft möglich ist: ohne Verzicht auf Lebensqualität. Denn: "Wachstum und Energieverbrauch tragen immer weniger zu dem Wohlstand in den Industrieländern bei", so Jäger.

Der Autor:
Mark Hammer ist Mitglied des Sustainable Europe Research Institute (SERI) in Wien.

Links
IPCC
SERI: "How much more can our earth take? Paths to sustainability"

Literatur
Jill Jäger: "Was verträgt unsere Erde noch? Wege in die Nachhaltigkeit", Fischer Taschenbuch Verlag 2007.
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Posting 1 bis 25 von 198
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Grisu der kleine Drache
12
22.7.2008, 13:09
Die Argumente gegen Kernkraftwerke sind so falsch wie eh und je.

"hoher Bauaufwand": ist bei Solarstrom höher

"Uran ist knapp": Es gibt Unmengen davon, das Zeug verstrahlt unsere Häuser und taugt sonst für nix außer Bomben bauen.

"Jetzt AKWs bauen kommt ohnehin zu spät": Leider nein. Wir werden noch Jahrzehnte abhängig sein von Kohle - oder eben Uran.

"AKWs produzieren keinen Treibstoff": Solarzellen auch nicht

"AKWs sind gefährlich": Moderne Reaktoren können nicht in die Luft gehen.

"Nuklearmüll belastet künftige Generationen": Ja, doch die Alternative ist: noch mehr CO2, Klimawandel, Artensterben

Da sind mir ein paar nukleare Endlager lieber.

friedrich wilhelm voigt
01

nicht zu vergessen: der abfall aus kohlekraftwerken ist auch nicht grad gesund. und davon gibts dann auch gleich wesentlich mehr, relativ zu erzeugten energie, als radioaktiven müll.

http://www.sciam.com/article.c... lear-waste

Heavyweather
00
der Artikel ist ziemlich mies.

Richtig müsste es heissen dass Kohlekraftwerke mehr Radioaktivität emitieren als AKWs.
Um den Abfall geht es dabei gar nicht.
Für den direkten Vergleich müsste man die Bennstäbe nach gebrauch zerkleinern und als Staub direkt in die Luft blasen...

Natürlich ist ein Kohlekraftwerk auch gefährlich...deshalb sollten wir auch Energie sparen und möglichst wenig neue bauen.

Lieber mehr Wasserkraft, Solarparks, Wind und Biogasanlagen.
Oder z.B. Holz verbrennen...das wächst nach und kann nur soviel CO2 abgeben wie esdavor aufgenommen hat. Das Problem liegt im gebundenen CO2 dass wir immer weiter frei setzen.

Heavyweather
10
Dann fangen sie an zu graben...

Wir bauen das nächste Endlager 500m neben ihrem Reihenhäuschen...
Und gleich auch zum sparen anfangen...
Nr. 1 wird ihre Hütte mit dem Dreck daneben nix mehr wert sein.
Nr. 2 muss das Endlager dann in spätestens 30 Jahren wieder saniert werden oder wollen sie den Dreck dann einfach im Grundwasser wegspühlen?

Selten so ein dummes Posting gelesen...
Ich frag mich nur noch wozu sie die AKWs bauen wollen? Windstrom kostet ca. gleich viel...wenn man die Folgekosten vom AKW nicht mitrechnete.
Wo liegt da der persönliche Nutzen für sie?

Mit Energiesparen könnte man einige AKWs einsparen...

Zenon
00
.

Es behauptet ja niemand, dass man KKWs bauen solle ANSTATT Energie zu sparen.

Ich habe den Eindruck viele sind von der Idee besessen EINE Lösung für alles zu finden.

Heavyweather
10

Es geht darum daß man aus offensichtlichen Gründen auf keinen Fall AKWs mehr bauen soll...

Energiesparen ist sowieso notwendig.
Ob der Strom jetzt 4 cent (Gas...kostet eh bald 6cent mit Emissionshandel) oder 8 cent (Windstrom) kostet ist angesichts der Probleme die durch AKWs entstehen völlig egal.

Für Österreich gehört auch der Einkauf von Atomstrom verboten!

Zenon
00
.

Trotz aller Einsparmaßnahmen wird die Menschheit in Zukunft mehr Energie brauchen als heute.

Die CO2-Emissionen müssen aber deutlich reduziert werden.

Heavyweather
00

Dann wäre es weise vom Menschen nurnoch regenerative Energien zu nutzen und die bestehenden AKWs und kalorischen Kraftwerke in den nächsten 20-30 Jahren systematisch zu ersetzen.

Der Mensch braucht vielleicht mehr Energie...aber in Österreich sollte dank Sparmassnahmen und stagnation der Bev. der Energiekonsum gleich bleiben...

Jack Lemberg
31
18.10.2007, 20:05

Zwentendorf sollte endlich in Betrieb genommen werden.

GaxLover
02
13.10.2007, 15:01

Man sieht - zurecht erhielt der UN Klimarat den Friedensnobelpreis 2007!

Ein Lebewesen1
00
10.10.2007, 21:22
jetzt

den pc ausschalten!

ALpine
10
30.6.2007, 10:55
Warum baut man nicht ein einziges Karaftwer auf der welt

das 1 Kilometer hoch ist und 1 kilometer breit und das soll dann Strom für alle erzeugen

Florian Part
 
01
24.8.2007, 09:17

Die Verluste im Leitungsnetz wären dazu viel zu groß um dem Strom zentralistisch weltweit zu verteilen. Leider Gottes! Ansonsten wären schon 1/4 der Sahara mit Fotovoltaikanlagen bebaut. Also Ökostrom ohne Ende und viele Umweltprobleme wären endlich vom Tisch...

WDPP
21
27.6.2007, 10:57

Kernkraft ist sicher nicht die Lösung.
Es muss andere Wege gehen um Energie zu erzeugen. Mir fehlt da irgendwie die Kreativität. Wenn man so hört was es alles an Waffen gibt, denke ich mir echt oft, ich komme mir vor wie im Scine-Fiction Film.
Bei der Energie kommt einem eher vor als währe die Welt einfach Einfallslos. Oder bestimmt Konzerne wollen eine Energiewende mit Alternativen Energien einfach verhindern.

Ich kann mir schon vorstellen das man diese nutzen könnte und zwar ganz gut. Warum kann nicht auf jedem Dach eine Solaranlage sein. Warum könnte man nicht Windkraftwerke in der Wüste aufstellen. Die hätten mehr Wind und würden Energie erzeugen.
usw.

Christine Berndl
00
7.11.2007, 01:47
sorry strich sollte grün sein

Christine Berndl
03
7.11.2007, 01:39
Intelligenter Energiemix

Dieser ist nötig. Kernenergie ist es nicht. Das wurde in einer längeren Studie an der Universität Kassel bewiesen. Hier wurden Wasserkraftwerke, Wind-Sonnenstrom-und Biogasgen eingesetzt, gesteuert von Computern. Damit wurde bewiesen dass in Deutschland mit einem Mix aller alternativen Energien versorgt werden kann. Und das glaube ich sollte auch in Österreich möglich sein.
Siehe www.kombikraftwerk.de

frau magistra frustikus
02
kernenergie erfüllt keine dieser kriterien...

eine technologie kann nur nachhaltig sein, wenn sie umwelt-, sozialverträglich und wirtschaftlich ist. kernenergie erfüllt keine dieser kriterien! betrachtet man den gesamten zyklus, von der urangewinnung bis zur kernenergie, dann ist kernenergie auch nicht zur CO2-reduzierung geeignet!

frau magistra frustikus
01
es ist möglich ohne kernenergie auszukommen, da...

...die möglichkeiten der effizienzsteigerung noch nicht ausgeschöpft sind und kernenergie wegen der langen vorlaufzeiten nicht in der lage ist, einen beitrag zum klimaschutz zu leisten.

Zenon
00
.

Wegen der langen Vorlaufzeit nicht in der Lage einen Beitrag zu leisten?

Meinen sie also, in 15 Jahren brauchen wir keinen Klimaschutz mehr?

Dr. Seltsam
 
00

Interessant finde ich, dass in der ganzen Klima- und Energiedebatte Kernfusion überhaupt kein Thema mehr darstellt.
Ist diese Technologie so tot oder wird sie von konkurrierenden Lobbys tot gemacht?

das ist alles sehr kompliziert!
 
00
7.11.2007, 22:39

Diese Technologie wird wohl erst in 50+ Jahren wirtschaftlich sein. Wenn überhaut. Insofern ist sie für die derzeitige Debatte nicht wirklich relevant, Außerdem könnte es sein, dass einer der Kernbrennstoffe, Tritium (ein radioaktives Wassertsoff - Isotop) ein sehr großes Sicherheitsrisiko beim Betrieb der Anlagen sein könnte. Es ist radiaoaktiv, leicht, flüchtig und lagert sich sehr leicht und ungezwungen im menschlichen Körper an.

Resi Dent
00
10.6.2007, 14:06
Stimmt nicht!

So weit ich weiß sind viele Kernkraftwerke geplant. Der fatale Fehler ist, dass nicht schon beim Errichten die Entsorgung geplant wird.

mr smoky
00

lt derzeitigem stand (internet) soll es frühestens in 20 jahren tatsächlich wirtschaftlich sein

wahrscheinlicher 30 jahre

somit wäre kernkraft in etwa für die übergangszeit noch sinnvoll (betriebsdauer der akw)

Heavyweather
00

und den Dreck beamen wir dann auf den Mond oder wie?

Warum soll in der Übergangszeit..also den nächsten 50-100 Jahren nicht auch Alternative Energie funktionieren?

heinrich harrer
00
nicht tot - aber in weiter ferne

es wird gerade ein forschungsreaktor gebaut. vieles (neue metallegierungen) wird erst während der bauzeit neu entwickelt. das kann noch einige jahrzehnte dauern bis alles funktioniert.

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