Sektenbericht: Esoterik-Markt boomt

6. Juni 2007, 18:22
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Weiterhin hohe Zahl an Anfragen und Beratungsgesprächen - Auch Trend zur Zersplitterung der "weltanschaulichen Szene" hält an

Wien - Der Trend zur Zersplitterung der "weltanschaulichen Szene" in immer kleinere Organisationen und das rege Interesse an Sekten halten in Österreich unvermindert an. Wie aus dem von Familienministerin Andrea Kdolsky (ÖVP) vorgelegten Jahresbericht 2005 der Bundesstelle für Sektenfragen hervorgeht, verzeichnete die Sektenstelle 1.789 Anfragen (2004: 1.808) von insgesamt 623 Personen zu 303 Gruppierungen (2004: 316). An den Befunden der vorhergegangenen Jahre änderte sich demnach wenig.

"Scientology" führt bei Anfragen

Den Spitzenplatz im Anfragen-Ranking nimmt "Scientology" ein. Dicht gefolgt von der neohinduistischen Guru-Bewegung "Sahaja Yoga". Schon in den letzten Jahren rangierte "Scientology" stets im Spitzenfeld, wobei nicht zuletzt das breite Medienecho der auf die Veröffentlichung des Buches "Scientology: Wahn und Wirklichkeit" eines ehemaligen Scientologen den Bekanntheitsgrad der Organisation in Österreich weiter hochgehalten haben dürfte. Einen signifikanten Anstieg an Anfragen verzeichnete insbesondere aber der Themenkomplex Esoterik.

Problematisch seien in diesem Zusammenhang insbesondere Doppelqualifikationen. Gemeint sind hiermit Fälle, wo Personen über eine fachlich seriöse und anerkannte Ausbildung im psychosozialen oder medizinischen Bereich verfügen und sich daneben gleichzeitig für esoterisches Gedankengut und dazugehörige Praktiken engagieren. In dieser Art von Fällen sei beispielsweise für Betroffene eine Trennung zwischen den beiden Rollen kaum möglich. Das Problem sei, dass die Seriosität und Qualität im Grundberuf häufig auf den esoterischen Bereich übertragen werde.

Großes Interese an Beratungen

Den Boom am Sektenmarkt veranschaulicht auch das rege Interesse am Beratungsangebot der Bundesstelle für Sektenfragen. So wurde das von 623 Personen (349 Frauen und 274 Männer) in Anspruch genommene Beratungsangebot mehrheitlich im Zuge beruflicher Recherchen - etwa im Zuge von Entscheidungen über Kindeswohl, Obsorge oder Besuchsrechte - an die Sektenstelle gerichtet.

In Österreich noch ein Randphänomen ist ist laut Bericht der so genannte Vampirismus, der neben der Praxis des Bluttrinkens vor allem auch die unverhohlene Verherrlichung von Gewaltakten, wie etwa dem tragischen Massenmord an der "Virginia Tech", mit einschließt. (APA)

  • Bericht über die Tätigkeit der Bundesstelle für Sektenfragen im Jahr 2005 (PDF, 764 KB)

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