Wie fit ist das Herz?

5. Oktober 2007, 16:38
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Das Infarktrisiko lässt sich mit einer Cardio-CT gut einschätzen - Der nächste Schritt wäre eine invasive Herz­katheter­untersuchung

Ein Herzinfarkt trifft einen aus heiterem Himmel, so die landläufige Meinung. Medizinisch betrachtet ist das aber nicht der Fall. Die Vorboten einer Minderdurchblutung des Herzens gehen oft unbemerkt vorbei, lassen sich aber im Vorfeld herausfinden.

Es gibt zwei Wege

Eine Cardio-CT, das ist ein radiologisches Untersuchungsverfahren, und die Herzkatheteruntersuchung, ein wesentlich invasiveres Verfahren. Dabei wird ein dünner Kunststoffschlauch über ein Blutgefäß von der Leiste bis zum Herzen vorgeschoben und mit Kontrastmittel gefüllt. Das macht die Herzkranzgefäße dann auf den Röntgenaufnahmen sichtbar - um koronare Herzerkrankungen (KHK) festzustellen, ist diese Art der Untersuchung immer noch die erste Wahl.

Sanftere Methoden Doch Werner Daniel, Leiter der Abteilung für Kardiologie und Angiologie am Universitätsklinikum in Erlangen, hofft, dass sich die Zahl der Herzkatheteruntersuchungen hinkünftig deutlich reduzieren lässt: "In Deutschland werden derzeit jährlich fast 800.000 diagnostische Katheteruntersuchungen durchgeführt. Eine Cardio-Computertomografie könnte in einem Teil dieser Fälle den Katheter vermeidbar machen."

Nicht invasive Methode

Die Cardio-CT und andere bildgebende Verfahren waren Schwerpunkt der diesjährigen Frühjahrstagung der deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim. "Der Charme der Cardio-Comuptertomografie ist, dass sie nicht invasiv ist", erklärt Kongresspräsident Daniel das radiologische Verfahren, dass im Gegensatz zum Katheter ohne Eindringen in den Körper möglich ist und trotzdem Aufschluss über koronare Herzerkrankung zulässt.

Auch präventivdiagnostisch hat die Cardio-CT viel zu bieten, weil sie Gefäßverengungen und verkalkte Koronararterien darstellen kann.

Wann präventiv untersuchen?

Wann ist also der richtige Zeitpunkt gekommen, um ein Herz, das keine Beschwerden macht, computertomografisch abzubilden? "Sobald ein mittleres Risiko besteht, dass ein kardiales Ereignis in den nächsten Jahren zu erwarten ist", sagt Daniel. Das individuelle Risikoprofil seiner Patienten ermittelt er mithilfe des so genannten Framingham-Score, einem Test, der Blutdruck, Rauchgewohnheiten und Cholesterin in seine Risikoberechnungen miteinbezieht.

Finden sich Verkalkungen in der CT, dann leitet der Erlanger Experte auch bei beschwerdefreien Patienten medikamentöse Maßnahmen ein. "Leider wissen wir derzeit noch nicht, ob das dann auch zu weniger Infarkten und zu einer Lebensverlängerung führt", ergänzt der Kardiologe, der davon überzeugt ist, dass diese Patienten besonders von einer Cardio-CT profitieren würden.

Herz-Alternativen Gerald Maurer, Leiter der Abteilung für Kardiologie am Wiener AKH, hält die Cardio-CT für ein viel versprechendes Verfahren, beurteilt ihre Verwendung jedoch kritisch: "Die Strahlendosis ist sehr hoch, und falsche positive Ergebnisse sind keine Seltenheit." Wenn eine Untersuchung Gefäßverengungen dort zeigt, wo gar keine sind, werden Herzkatheteruntersuchungen dann nämlich vollkommen umsonst gemacht.

Vorteil des Katheders

Ob CT oder Herzkatheter hängt vom Zustand des Patienten ab. Bei Beschwerden wie beispielsweise Brustschmerz entscheiden sich Mediziner in der Regel sofort für die Herzkatheteruntersuchungen. Der große Vorteil: Werden Verengungen während der Untersuchung festgestellt, können sie auch gleich behandelt werden. Denn über den Katheter können verengte Herzkranzgefäße gedehnt werden. Dafür wird eine Art Ballon an der Engstelle angebracht, der die Gefäße dehnt und damit offen hält, Ballondilatation ist der medizinische Fachbegriff für dieses Verfahren.

Bleibt also die Frage, wie Herzinfarkt-Screening für breite Bevölkerungsschichten ohne offensichtliche Herzbeschwerden durchgeführt werden kann?

Ergometrische Untersuchungen

Für dem Kardiologen Maurer sind ergometrische Untersuchungen für Patienten ohne manifeste Beschwerden deshalb ein guter Weg. Denn diese sehr konventionelle Methode gibt Auskunft darüber, ob der Herzmuskel unter Belastung weniger stark durchblutet wird als im Ruhezustand. Diese Information ist für Maurer besonders wichtig.

Nichts ist perfekt

Daneben gibt es zwei weitere nicht invasive Untersuchungsmethoden: Die Myokardszintigrafie - sie zeigt Durchblutungsstörungen des Herzmuskels mithilfe radioaktiver Substanzen an - und dann noch den Ultraschall, damit lassen sich in der Belastungsechokardiografie Wandbewegungsstörungen im Herz darstellen. "All diese Methoden sind sehr gut erforscht. Kein Test ist jedoch perfekt", ergänzt Maurer.

Was macht Sinn?

Was also macht in der Kaskade von Untersuchungsmöglichkeiten Sinn? Besitzt ein Patient eine geringe Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung, sind nicht invasive Untersuchungsmethoden wegen der eventuell falsch positiven Ergebnisse problematisch.

Hat der Patient jedoch eine hohe Wahrscheinlichkeit, an einer koronaren Herzkrankheit zu leiden, sind nicht invasive Methoden zu wenig, denn am Ende ist es dann wiederum die Herzkatheteruntersuchung, die für solche Fälle sinnvoller ist.

Im Akutfall

Im Akutfall ist Wiederbelebung, so wie man sie im Erste-Hilfe-Kurs lernt, die wichtigste Sofortmaßnahme. Damit es gar nicht erst so weit kommt, können Risikogruppen ihre Gefährdung durch Vorsorgeuntersuchungen eruieren. (Regina Philipp/MEDSTANDARD/04.06.2007)

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    foto/grafik: medstandard
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