Oleg Deripaska expandiert weiter

1. Juli 2007, 17:29
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Appetit auf Nickelkonzern

Moskau - Der Aluminium-Oligarch und Österreich-Investor Oleg Deripaska hat nun angeblich den weltgrößten Nickel- und Palladiumproduzenten im Visier. Seinen notorischen Expansionsdrang scheint der zweitreichste Russe (16,3 Mrd. Euro) ungehemmter denn je auszuleben. Er, der kürzlich bei Magna International, der österreichischen Strabag und der deutschen Hochtief eingestiegen ist, will sich nicht nur das russische Bauunternehmen Transstroj um kolportierte 400 Mio. Dollar einverleiben, sondern hat nun angeblich auch die Sperrminorität am russischen Konzern Norilsk Nickel im Visier.

Deripaskas weltgrößter Aluminiumkonzern Rusal hatte schon zuvor sein Interesse an einer Diversifizierung Richtung Bergbaumetalle bekundet. Dass Rusal die Staatsmacht schon um eine Billigung eines Engagements im Buntmetallbereich gebeten hat, behauptet die Agentur Interfax unter Berufung auf eine Branchenquelle: "Priorität für Rusal hat Nornickel".

Norilsk Nickel, mit einer Marktkapitalisierung von 35 Mrd. Dollar (26 Mrd. Euro) weltweit größter Nickel- und Palladiumproduzent, gehört den beiden Top-Oligarchen Wladimir Potanin und Michail Prochorow. Wie sie schon zu Jahresbeginn mitteilten, wollen sie ihren Dachkonzern Interros, zu dem auch Norilsk Nickel gehört, nun aufteilen. Dass Prochorow, der soeben einen Investmentfond von 17 Mrd. Dollar etabliert, seine Anteile an Potanin verkauft, galt ursprünglich als wahrscheinlich, jedoch mittlerweile nicht mehr als zwingend notwendig. Das Gerücht über Deripaskas Einstieg jedenfalls ließ die Norilsk-Aktien am Freitag in Moskau um fast sieben Prozent steigen.

Die Konsolidierung des russischen Großbusiness hat mittlerweile nach einer Studie des russischen Zentrums für politische Konjunktur zu sieben Einflussgruppen geführt, die alle dem Kreml loyal sind. Eine von ihnen, wenn auch nicht vom Staat kontrolliert, ist Deripaskas Imperium, das sich unter anderem das Engagement für Russlands Olympiabewerbung 2014 auf die Fahnen geheftet hat. (Eduard Steiner, Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 04.06.2007)

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