Dünnes Süppchen gegen Paraguay

Redaktion, 28. Jänner 2008, 20:28
  • Artikelbild
    grafik: der standard

Die Neigung zum hohen Ball in die Spitze ist besorgniserregend - Kurzpassspiel nur ansatzweise vorhanden

Die Analyse der drei wichtigsten Passes im Match gegen Paraguay gestaltet sich schwierig, da die Wechsel zur Pause Positionsrochaden nach sich zogen. Insofern scheint es angebracht, die Sache diesmal von hinten aufzurollen. Im direkten Vergleich der Besetzung in der Innenverteidigung sticht eine signifikante Rollenverteilung ins Auge: Während Hiden in seinem Passspiel eher die Flügel bedient, ist Stranzl deutlich zentraler orientiert - was auch seine Neigung zu Vorstößen ins defensive Mittelfeld dokumentiert. Im Spiel nach vorne zeigt sich insgesamt eine weniger "zentralistische" Orientierung als im Schottland-Spiel, wo die meisten Aktionen über Säumel liefen, auch wenn diesmal Ivanschitz in diese Rolle geschlüpft ist. Wie die ausgeprägte Reziprozität mit Katzer verrät, fühlt er sich jedoch als Flügelspieler wohler denn als zentrale Spitze. Die Variante mit Hoffer erwies sich diesbezüglich vielversprechender, zumal dieser mit Sariyar, Säumel und schließlich Kuljic ansatzweise ein Kurzpassspiel aufzog. Besorgnis erregend jedoch die Neigung zum hohen Ball in die Spitze, der praktisch immer verloren war, was zur Folge hatte, dass der Spielaufbau ein dünnes Süppchen blieb.

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Ivanschitz    93 
1. Standfest     93 
3. Katzer        84 
4. Hiden         56 
5. Leitgeb       48 
5. Linz          48 
7. Macho         45 
7. Aufhauser     45 
9. Atan          43 
10. Fuchs        41 
11. Säumel       40 
12. Hoffer       38 
12. Sariyar      38 
14. Stranzl      37 
15. Ibertsberger 22 
16. Prödl        20 

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Katzer       89,36 (42 von 47) 
2. Prödl        87,50 (14 von 16) 
3. Ibertsberger 83,33 (8 von 10) 
4. Stranzl      80,95 (17 von 21) 
5. Standtest    80,93 (41 von 51) 
6. Hoffer       80,00 (8 von 10) 
7. Leitgeb      79,17 (19 von 24) 
8. Sariyar      78,95 (15 von 19)
9. Fuchs        72,22 (13 von 18) 
10. Aufhauser   71,43 (15 von 21) 

Insgesamt sind 299 Pässe angekommen, 106 verfehlten ihren Adressaten.

BALLBERÜHRUNGEN PRO BALLBESITZ

1. Prödl     1,25 
2. Linz      1,31 
3. Fuchs     1,40 
4. Stranzl   1,43 
5. Kuljic    1,44 
6. Macho     1,47 
7. Standfest 1,48 
8. Sariyar   1,50 
9. Aufhauser 1,58 
10. Hiden    1,59 

DIE MEISTEN PÄSSE VON/RICHTUNG

1. Standfest-Atan      12 
1. Katzer-Ivanschitz   12 
3. Ivanschitz-Katzer   10 
4. Hiden-Katzer         9 
5. Ivanschitz-Linz      7 
5. Sariyar-Hoffer       7 
5. Katzer-Fuchs         7 
8. Katzer-Aufhauser     6 
8. Ivanschitz-Standefst 6 
8. Macho-Linz           6 
8. Standfest-Ivanschitz 6 
8. Aufhauser-Ivanschitz 6 
8. Hiden-Atan           6 
8. Katzer-Macho         6 
15. Leitgeb-Standfest   5 
15. Fuchs-Ivanschitz    5  
15. Stranzl-Ivanschitz  5 
15. Säumel-Sariyar      5 
15. Ivanschitz-Hoffer   5 
15. Aufhauser-Fuchs     5 
15. Katzer-Stranzl      5 

AM ÖFTESTEN ANGESPIELT

1. Ivanschitz 51 
2. Standfest  42 
3. Katzer     37 
4. Linz       35 
5. Atan       31 
6. Hoffer     28 
7. Leitgeb    24 
7. Aufhauser  24 
9. Fuchs      23 
10. Sariyar   19 
11. Säumel    18 
12. Hiden     17 
13. Stranzl   16 
14. Macho     13 
14. Kuljic    13 

GABEN DIE MEISTEN PÄSSE

1. Standfest     51 (12,59 % aller Pässe) 
2. Katzer        47 (11,60) 
3. Ivanschitz    42 (10,37) 
4. Hiden         39 (9,63) 
5. Macho         32 (7,90) 
6. Leitgeb       24 (5,93) 
7. Säumel        22 (5,43) 
8. Stranzl       21 (5,19) 
8. Aufhauser     21 (5,19) 
10. Sariyar      19 (4,69) 
11. Fuchs        18 (4,44) 
12. Prödl        16 (3,95) 
13. Linz         13 (3,21) 
14. Ibertsberger 12 (2,96) 
14. Atan         12 (2,96)

FAS.research beobachtet exklusiv für den Standard alle Spiele der Nationalmannschaft. Helmut Neundlinger, Ruth Pfosser und Harald Katzmair codieren die einzelnen Spielzüge, der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet und das Ergebnis interpretiert. Im Bild zu sehen sind die Ballwege zu den drei wichtigsten Pass-Partnern jedes Spielers. Die Größe der Kreise verdeutlicht die Summe der angekommenen und abgegebenen Pässe. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 4. Juni 2007)

Kommentar posten
11 Postings
Kris99
00
106 von 299 Pässen ein Fehlpass...

Endlich auch statistisch untermauert, was jeder Blinde bei einem schwachen Spiel sieht.

Kann jeder gerne für sich selbst ausprobieren - einfach die erfolgreichen Pässe mitzählen:
1, 2, - weg

16erblech
00

heh, du kannst ja nichteinmal lesen, pursche.

Kris99
00
ups...

mein fehler.

kannst das 1,2, - weg - Spiel trotzdem nächstes mal ausprobieren...

Glaube mir, wenn du dich daran erinnerst, mitzuzählen hast du ganz sicher eine phase erwischt, wo du nicht bis 3 kommst. ;-)

16erblech
00

ja da hast du sicher nicht unrecht.

tom büchse
00
stimmt

106 + 299 = 405 Pässe insgesamt, also nicht 1-2 weg sondern 1-2-3 weg (oder gut 25% Fehlpässe). Ist aber trotzdem noch zuviel. bei wirklich guten mannschaften sinds so 95%

gerberkurt
00

vielleicht kann man ja aus der not eine tugend machen, und mit einem 1-2 torschuß alle gegener überraschen

eisenherz
 
00


Die zweite Halbzeit war da sicher besser - und so weit ich mich erinnere, hatten die Österreicher im Endeffekt mehr Ballbesitz (hat mich auch überrascht)...

Der Guru
10
Interessant..........

...wie man dieses miese Gekicke auch noch wie wissenschaftlich analysieren kann.

Man kann tatsächlich jeden Sch*** genau untersuchen.

eisenherz
 
00
Ball halten

"Die Variante mit Hoffer erwies sich diesbezüglich vielversprechender, zumal dieser mit Sariyar, Säumel und schließlich Kuljic ansatzweise ein Kurzpassspiel aufzog."

Kann ich nur unterstreichen. Die technische Komponente wird in dieser Kombination verstärkt... Da "lief" etwas.

Kann mal jemand die Fehlpasses und Ballverluste von Aufhauser in der ersten Halbzeit untersuchen? Die müssen gigantisch sein. Und so etwas würde sogar eine Mannschaft wie "Brasilien" herunterziehen... :-)

IcyBox
01

ich sags ja immer wider: weg mit dem aufhauser!
der kann einfach nix ausser kopfbälle...

usual suspect
00

nicht übertreiben, aber seid er auf kunstrasen spielt leidet logischerweise sein gefühl für den unberechenbareren rasen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.