Reden und schweigen

17. März 2007, 17:11
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Frau Rot und Frau Schwarz, zwei Ministerialratswitwen, beim Kaffee in einem Innenstadtkaffeehaus. Schwarz legt die Zeitung weg, in der sie geblättert hat

SCHWARZ (kopfschüttelnd): Also, dieser Fischer ... Dauernd den Mund offen.

ROT: Der Fischer? Das wundert mich. Der Alfred hat immer gesagt, der Fischer sagt nie was. Wenn du von dem eine Entscheidung willst, bist du verloren, hat er gesagt.

SCHWARZ: Ja, als Minister vielleicht. Aber jetzt nicht mehr. Jetzt ist er auf einmal für die Erbschaftssteuer. Ich mein', kann er ja sein, aber nicht als Präsident. Als Präsident hat er zum Mundhalten.

ROT: Stimmt. Deswegen hat der Alfred auch immer gesagt, der Fischer ist der ideale Präsident.

SCHWARZ: So kann man sich täuschen.

ROT: Ich hoff' nur, beim Schüssel wird das nicht auch so. Weil, ich mag ihn zwar nicht, aber als Präsident wär' er auch ideal.

SCHWARZ: Er wär' auch ein guter Kaiser.

ROT: Aber stell' dir vor, er redet als Kaiser, was er als Kanzler geschwiegen hat.

SCHWARZ (erschaudert)

(Vorhang)

(Antonio Fian/ DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.3.2007)

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