Nachfrage stärkt Holzwirtschaft

2. Juli 2007, 14:36
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Eine Renaissance des Rohstoffes Holz, deutlich höhere Holzpreise und eine Stärkung der Be­reiche Immobilien und Dienst­leistungen be­scheren den Bundesforsten eine Rekordbilanz

Wien - Die Betriebsleistung der Österreichischen Bundesforsten (ÖBf) erreichte 2006 erstmals mehr als 200 Mio. Euro, weshalb nach 30 Jahren nun wieder Personal aufgestockt wurde. Auch heuer werden Umsatz und Ergebnis weiter zulegen, zeigten sich Vorstandssprecher Georg Erlacher und der neue Finanzvorstand Georg Schöppl am Freitag bei der Bilanzpressekonferenz in Wien zuversichtlich.

Trotz einer geringeren Holzerntemenge - der Holzeinschlag wurde von rund zwei auf 1,8 Mio. Festmeter zurückgenommen - ist die Betriebsleistung von 179,3 auf 205,8 Mio. Euro gestiegen. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) betrug 2006 25,5 Mio. Euro (2005: 23,07 Mio.) An den Eigentümer, die Republik Österreich, führten die ÖBf für das Vorjahr 9,8 Mio. Euro an Dividende und 8,2 Mio. Euro an Fruchtgenussentgelt ab. Seit 1997 sind 195,5 Mio. Euro an Zahlungen an die Republik geflossen. 2006 waren 1.153 Personen bei den Bundesforsten beschäftigt, um zehn mehr als im Jahr davor.

"Nachhaltiges Wirtschaften mit der Natur kann sich gut rechnen", zeigten sich die ÖBf-Chefs zufrieden. Die Entscheidung vor zehn Jahren, mit Ausgliederung der Forste aus dem Landwirtschaftsministerium die neuen Geschäftsfelder Immobilien und Dienstleistungen aufzubauen, habe die ÖBf "krisensicherer" gemacht. Während bis dahin 90 Prozent des Umsatzes aus der Forstwirtschaft kamen, erwirtschaften diese neuen Standbeine heute bereits rund ein Viertel der Betriebsleistung. Mittelfristig sollen sie die Hälfte zum Umsatz beitragen, hieß es. Damit könnten unerwartete Schäden durch Naturkatastrophen besser ausgeglichen werden.

Das Kerngeschäft der ÖBf, der Bereich Forst/Holz ist 2006 trotz geringerer Ernte um 15 Prozent auf einen Umsatz von 158,3 Mio. Euro überdurchschnittlich gewachsen. Zurückzuführen sei das Plus auf den höheren Holzpreis, der im Jahresvergleich um 5,70 Euro pro Festmeter oder zehn Prozent gestiegen ist. Die Gründe dafür liegen nicht zuletzt im anhaltenden Trend zu Holz und dem Biomasse-Boom in Europa, so Erlacher. Zudem verbrauchen klassische Holzexportländer wie Deutschland, Tschechien oder die Slowakei ihr Holz direkt im Land und neue Sägen in mittel- und osteuropäischen Ländern ziehen wiederum Holz vom Markt ab, erläuterte der ÖBf-Vorstand.

Aufwärtstrend beim Preis

Auch im ersten Quartal hat sich der Aufwärtstrend beim Holzpreis fortgesetzt, wenngleich sich der Anstieg von 20 Prozent gleich zu Jahresbeginn durch den Sturm "Kyrill" im Jänner mittlerweile wieder halbiert habe. Erlacher geht davon aus, dass sich der Markt nun einpendle und gegen Jahresende das aktuelle Niveau gehalten werden könne. Die ÖBf-Prognose für den Holzpreis 2007 liege bei 61 Euro je fm, nach 58 Euro 2006.

Als Wachstumsmotor bei den ÖBf habe sich 2006 der Bereich forstliche Dienstleistungen für Private erwiesen, was sich mit einem Plus von 80 Prozent bei der Betriebsleistung niedergeschlagen hat. Insgesamt verzeichnete der Bereich Dienstleistungen (inklusive Beratungstätigkeit im Ausland und Naturraum-Management) 2006 ein Wachstum von 43 Prozent auf 8,6 Mio. Euro. Der Bereich Immobilien ist im abgelaufenen Geschäftsjahr um 9,2 Prozent gewachsen und hat mittlerweile eine Betriebsleistung von 29,3 Mio. Euro erreicht.

Neu-Organisation

Als "rechtzeitiges Handeln" habe sich der Ausstieg aus der Bewirtschaftung von Forstflächen in Russland erwiesen. Wie berichtet, haben sich die ÖBf vor allem wegen deutlich angehobener Zölle auf Holzexporte aus Russland zurückgezogen und ihr Engagement in Osteuropa neu organisiert. In Zukunft werde man sich bei den Auslandsaktivitäten auf strategische Beratung und den Transfer von fachlichem Know-how konzentrieren, hieß es.

Naturschutz wird bei den Bundesforstern naturgemäß groß geschrieben. So haben die ÖBf zur Erhaltung der Artenvielfalt 2006 zum Jahr der Biodiversität ausgerufen und eine Reihe von Kooperationen mit Naturschutzorganisationen wie dem WWF oder Birdlife durchgeführt. Insgesamt haben die ÖBf 2006 die Anzahl ihrer Naturschutzaktivitäten verdoppelt. Zudem wurde im Wienerwald die längste Mountainbike-Strecke Österreichs eröffnet. Dem Klimawandel versuchen die ÖBf mit waldbaulichen Alternativstrategien wie der Auswahl und der Pflanzung von Baumarten, die an das Klima der Zukunft angepasst sind, und Forschungsprojekten zu den Auswirkungen des Klimawandels auf das Waldökosystem zu begegnen. (APA)

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