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Der Wind in den Nadeln

1. Juni 2007, 12:54
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Von Gleichberechtigung kann in Österreich keine Rede sein. Zumindest was die Baumkulturen betrifft

Die Lärche war’s und nicht die Buche: In Österreichs Wäldern herrscht ein spitzes Regiment. Sie gehören den Fichten, Tannen und Kiefern. Diese Bäume stehen auf Nadeln.

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Laubbäume sind bei uns zwar eine anerkannte und beliebte Spezies. Im Vergleich zu den Nadelbäumen sind sie jedoch nur eine Minderheit. Ihre grünspitzigen Artverwandten haben es hier nämlich von Natur aus leichter: Sie fühlen sich unter den herrschenden klimatischen und geologischen Bedingungen einfach wohler und sorgen in den heimischen Wäldern für ein immergrünes Erscheinungsbild. Während die Blätter von Buchen und Eichen im Winter keine Chance haben und abfallen, trotzen die Nadeln von Fichte, Tanne und Kiefer jeder Witterung.

Die heimische Waldfläche bedeckt fast die Hälfte des österreichischen Staatsgebiets – mehr als zwei Drittel davon sind für die Nadelbäume reserviert. „Österreich ist einfach ein Nadelbaumland“, sagt Gerald Rothleitner von den Land&Forst-Betrieben Österreich.

Zumindest einmal im Jahr findet Wald auch Stadt: Dann stehen Nadelbäume als Boten des Waldes auf öffentlichen Plätzen wie vor der Albertina oder dem Schloss Schönbrunn. Die meterhohen Tannen und Fichten sorgen dort für weihnachtliche Stimmung. Zu verdanken ist das nicht selten den Österreichischen Bundesforsten, die den Städtern nicht nur in der stillen Zeit des Jahres gerne den einen oder anderen Baum aufstellen. „Baumsponsoring“ nennen sie dieses Konzept. „Wir sind die größten Waldbesitzer des Landes, da liegt es nahe, dass wir unser Sponsoring mit unserem Rohstoff bestreiten“, sagt ÖBf-Sprecher Bernhard Schragl.

Also stapfen die Mitarbeiter der Bundesforste in der Vorweihnachtszeit in den Wald und suchen dort nach geeigneten Exemplaren für urbane Weihnachtszier. Auch wenn im Advent vielen ein „Oh Tannenbaum“ in den Ohren klingt, ist der populärste Nadelbaum zweifellos die Fichte: Sie bestreitet rund die Hälfte des Nadelholzvorkommens im Alleingang. Da liegt es auf der Hand, dass sie auch in der österreichischen Holzwirtschaft die Hauptrolle spielt. Zwei Drittel der heimischen Waldfläche gehören den Nadelbäumen, fast neunzig Prozent davon der Fichte. Mit über sieben Millionen Kubikmetern Nadelschnittholz jährlich, das Österreich exportiert, zählt es nach Kanada, Russland, Schweden und Finnland zu den fünf größten Nadelschnittholzexporteuren der Welt.

Nadelholz im Allgemeinen hat gegenüber Laubholz einige Vorteile. Es zeichnet sich vor allem durch seine geringe Dichte aus. „Das bedeutet, es ist leichter als Laubholz und daher auch billiger im Transport“, erklärt Rothleitner. Fichtenholz im Besonderen eignet sich hervorragend als Baustoff und wird großteils zu Fenstern, Fassaden, Zäunen oder Balkonen verarbeitet. Aus dem weniger witterungsbeständigen Kiefernholz werden hauptsächlich Möbel hergestellt.

Die Tanne spielt in der Holzwirtschaft hingegen nur eine marginale Rolle. Dabei liefert sie keine schlechtere Holzqualität als ihre Artgenossen. „Tannen- und Fichtenholz sind kaum zu unterscheiden“, sagt Gerhard Grüll von der Holzforschung Austria. „Oft findet sich in Fichtenholzprodukten deswegen sogar ein Tannenholzanteil.“ Dass die Tanne am Holzmarkt nicht wirklich präsent ist, liegt an ihrem geringen Vorkommen. „Ihr Lebensareal ist von Natur aus eingeschränkt. Das hat forstwirtschaftliche und auch wildbiologische Gründe“, sagt Markus Neumann, Leiter des Instituts für Waldwachstum und Waldbau im Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW). In der Jugendphase hat die Tanne einen natürlichen Feind: das Reh. Es schätzt die saftigen Zweiglein der Jungbäume sehr. „Die Nadeln enthalten kein Harz und schmecken deswegen besser“, erklärt Neumann. Bei Tannenbeständen bedarf es also eines besonderen Schutzes vor Wildverbiss. Angst um die Tannen braucht man aber keine zu haben. Neumann: „In Österreich ist sicher keine Baumart vom Aussterben bedroht.“

Mit dem Klimawandel könnte sich aber auch die Baumartenzusammensetzung ändern: Die Fichte reagiert als feuchtigkeitsverliebter Flachwurzler empfindlich auf höhere Temperaturen und trockenere Böden. „In tieferen Lagen könnte sie über kurz oder lang von Laubbäumen verdrängt werden“, sagt ÖBf-Waldbauchef Norbert Putzgruber.

WEGWEISER

Prozess im Kerngeschäft


Um die wirtschaftliche Seite des Waldes nützen und den Rohstoff Holz gewinnen zu können, ohne Substanz zu verlieren, ist zuerst umsichtiges waldbauliches Handeln gefragt, u.a. Bestände erfassen,Waldpflege betreiben, auf Naturnähe achten, nachhaltige Holzernteziele festlegen. Nach der Aufbau- und Vorarbeit durch das ÖBf-Kompetenzfeld Waldbau sind die Geschäftsfelder Holzversorgung und Forsttechnik am Zug, wobei neben den beiden ÖBf-Betrieben auch externe Schlägerungsunternehmen und Landwirte Holzernteaufträge erhalten. Es gilt, Nadel- und Laubholz ebenso schonend wie rationell aus dem Wald zu bringen und verlässlich zur stofflichen bzw. energetischen Verwertung an die Kunden zu liefern: Säge-, Papier-, Spanplatten- und Zellstoffindustrie sowie an eine steigende Zahl von Biomasse-(Heiz-)Kraftwerken.
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    Der populärste österreichische Nadelbaum ist die Fichte. Sie macht neunzig Prozent der Nadelholzfläche aus und ist damit der „Brotbaum“ der Holzwirtschaft.

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