Familienzwist im Turiner Fiat-Haus

10. Juli 2007, 13:50
posten

Die Tochter des 2003 gestorbenen Patriarchen Gianni Agnelli behauptet, ihr stehe ein höheres Erbe zu als bisher angenommen

Nicht nur das Image der renommiertesten italienischen Unternehmerdynastie Agnelli (Fiat) ist neuerdings bedroht. Die Gefahr, dass der in dieser Woche ausgebrochene Erbschaftsstreit auch Auswirkungen auf die zahlreichen an der Börse notierten Fiat-Gesellschaften hat, ist akut. Schließlich hat die Tochter des vor vier Jahren verstorbenen Familienpatriarchen Giovanni Agnelli, Margherita, gleich drei ehemalige Berater ihres Vaters verklagt. Diese sind für den Clan aktiv und haben wichtige Posten in Aufsichtsräten und Vorständen von zahlreichen börsennotierten Unternehmen inne.

Grund für die Klage ist, dass angeblich nicht das gesamte Vermögen bei der vor drei Jahren erfolgten Aufteilung offen gelegt wurde. Der Gerichtsprozess droht die zur Schau gestellte Einheit des 180 Mitglieder zählenden Agnelli-Clans zu zerbrechen. Unter Druck gerät auch der dominierende Familienkapitalismus. Abgesehen vom Imageschaden könnten auch die zahlreichen an der Börse notierten Fiat-Töchter unter Druck geraten, befürchten Experten. Der Vizepräsident von Fiat und Sohn der streitsüchtigen Erbin, John Elkan, versucht nun zu schlichten. "Als Sohn bin ich über die Angelegenheit mehr als traurig, aber sie hat weder direkt noch indirekt etwas mit Fiat zu tun." Gleichzeitig sprach er aber den drei Angeklagten sein volles Vertrauen aus.

Größte Privatfirma Italiens

Der von der Agnelli-Familie kontrollierte Familienkonzern ist Italiens größtes Privatunternehmen. Kernstück des Unternehmens ist der Autokonzern Fiat mit den Marken Ferrari, Alfa Romeo und Fiat. Außerdem gehörten zum Familienimperium die Turiner Tageszeitung La Stampa, der Fußballverein Juventus, Anteile an der New Yorker Immobilienfirma Cushman & Wakefield und an mehreren europäischen Großunternehmen. Der Großteil des Familienvermögens ist in der Giovanni Agnelli & Co mit einem geschätzten Wert von über drei Milliarden Euro gebündelt. Margherita Agnelli hatte sich 2004 mit der Aufteilung des Erbes zufrieden erklärt und neben zahlreichen Immobilien knapp über 100 Mio. Euro kassiert. Sie glaubt, dass noch bedeutende Summen auf Bankkonten liegen könnten. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3.6.2007)

Link
Fiat
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Margherita Agnelli ist die einzige noch lebende Tochter des Fiat-Patriarchen.

Share if you care.