Ruck - zuck - plopp

1. Juni 2007, 11:26
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Korkenzieher: Dem leichten Sommerspritzer geht oft schwere Arbeit voran - dann nämlich, wenn das Equipment zum Öffnen der Flasche billiges Klumpert ist

Korkenzieher Design Vinardo - € 19,90
(alle Preise gesehen bei Ambiente/Rudolf Holzmann Handels GmbH, 1210 Wien)
Ehrfurcht gebietend professionell wirkt der exklusive Korkenzieher von Design Vinardo. In der großen, stabilen Pappbox finden sich stolze fünf Teile: ein massiver, schwerer Korkenzieher aus gebürstetem Edelstahl und mattiertem, schwarzen Kunststoff, eine Halterung, ein Folienschneider, eine Ersatzspindel (!) und eine Plastikschutzkappe für die Spindelspitze. Der Folienschneider zum Zusammenzwicken ist perfekt, denn er schneidet sauber, ohne abzurutschen. Nun nimmt die eine Hand den Flaschenhals in die Zange (die Spindel muss mittig sitzen!), die andere betätigt den Hebel, und die dritte hält die Flasche fest. Wer nur zwei hat, nimmt die Knie zu Hilfe oder das Wackeln in Kauf. Das Reindrücken der neun Zentimeter langen Spindel in den Korken geht superleicht, das Raushebeln nur wenig schwerer und das ganze Prozedere unglaublich schnell. Und der Preis stimmt auch. 9,0 Punkte

Bottlepull by Fissler - € 27,90
"Sie müssen nur den Nippel durch die Lasche zieh'n und mit der kleinen Kurbel ganz nach oben dreh'n ..." Nicht ganz, aber fast so wie in Mike Krügers Lied funktioniert Fisslers Bottlepull. Das Leichtgewicht aus schwarzem Kunststoff hat einen praktischen, weil Platz sparenden Steckmechanismus: Man muss erst den schraubenschlüsselartigen Griff aus der Mitte des Hauptteils ziehen und auf die Spindel aufsetzen, dann geht die Kurbelei los. Und zwar ohne jede Anstrengung. Sobald die Spindelspitze im Korken greift, lässt sich der lange Griff (Hebelwirkung!) mit einem Finger drehen. Praktischer Weise gibt's dafür am Ende eine ringförmige Öffnung. Wer in seiner Begeisterung den Korken bis ans Ende der 12-Zentimeter-Spindel dreht, hat eventuell etwas Mühe, ihn aus der Kunststoffmanschette wieder herauszuschrauben. Pluspunkte bekommt dieses Modell für seinen taschenmesserartig herausklappbaren Folienschneider mit Kronkorken-Öffner (!), Minuspunkte für den Preis. 8,0 Punkte

WMF Korkenzieher Pro Wine - € 22,50
Irgendwie weder Fisch noch Fleisch ist der Korkenzieher aus dem Hause WMF. Der Look in Weiß und Silber sieht zwar edel aus, der Plastikteil passt aber nicht recht zum glänzenden Edelstahlgriff. Der Kunststoffkorpus ist lang und umschließt den Flaschenhals stabil, der Drehgriff (zu) kurz, was die Hebelwirkung reduziert und die Handhabung auf Daumen und Zeigefinger beschränkt. Das Rein- und Rausschrauben geht leicht, ohne Korken sogar zu leicht: Der Griff-Spindelteil flutscht nur allzu leicht aus dem Korpus. Und ein Folienschneider wär auch praktisch. Spielt's aber nicht. 7,0 Punkte

Pedrini Korkenzieher - € 4,90
Dass es sich beim Billigsdorfer-Kandidaten im Test um "italienisches Design" handelt, wie die Minimalverpackung (ein sparsam geschnittenes Stück Pappe und zwei Plastikfäden) verrät, kommt überraschend: Das silberfarbene Modell mit den beiden Armen zum Runterdrücken sieht mehr nach "made in Taiwan" aus. Immerhin: Material und Verarbeitung passen zu einander und zum Preis. Die Spindel ist nur fünf Zentimeter lang, was a) mühsames Nachdrehen oder b) kraftvolles Rausziehen des Korkens erforderlich macht. Außerdem ist die Spindel hier - im Gegensatz zu allen anderen getesteten Korkenziehern - gepresst, nicht gegossen, bricht also leicht(er). Bruch oder zumindest Ausleiern ist auch beim Zahnradmechanismus der Hebelarme ein bekanntes Problem. Fazit: Höchstens für Sonntagstrinker geeignet. 3,5 Punkte
(Marie-Thérèse Gudenus, Der Standard, Printausgabe 01.06.2007)

  • Jeder Test spiegelt die persönliche Erfahrung der Autorin wider. Punkte: 10=Top, 0=Flop
    grafik: der standard

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