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Geschichte atmen in der Au

1. Juni 2007, 11:43
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Schloss Eckartsau im Nationalpark Donau-Auen ist ein historisch aufgeladener Ort

Hier fand die letzte Amtshandlung der Habsburger statt, als Kaiser Karl I., auf dem Weg ins Exil, Station machte.

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Es war ein kalter Winter, schon gar für den neuen Bürger Karl. Und ein ärgerlicher in jedem Fall: zuerst als Kaiser abgesetzt, dann kein Brennholz, um die hohen Räume des Eckartsauer Jagdschlosses wenigstens notdürftig zu beheizen – zumindest kein trockenes. Überstürzt wie die nächtliche Anfahrt entlang der doppelzeiligen Lindenallee war wohl auch das Hacken in der novemberlichen Au.

Das Frösteln des gerade erst abgedankten Kaisers Karl I. zählt zu den ungemütlicheren Episoden des Habsburger-Epos. Eckartsau: erste Station des Exils, dem bald schon jenes „Karoly“ folgte, mit dem Karl im Südwestzimmer des Jagdschlosses auch noch die Urkunde unterschrieb, mit der er auf den Königstitel von Ungarn verzichtete. Auch das macht Eckartsau zu einem historischen Ort. Immerhin handelte es sich um die letzte Amtshandlung der Habsburger. Full Stop, nach 650 Jahren, ein misslungener Winter wie gesagt.

Die ungemütliche Weihnachtsfeier des Jahres 1918 in der Bibliothek mit den hübschen Eichenholz- Schnitzereien konnte daran nichts ändern. Und immer das verdammte, qualmende Holz. Gut für die Herrschaft, dass die eleganten Barockkamine wenigstens von der anderen Seite der Salonwände beheizt wurden. Dort wo der Ruß an den grob verputzten Wänden bis heute von der anderen Seite des Lebens im Schloss erzählt: jenem der Mägde und Büttel hinter den historischen Kulissen.

Wer dem vor Kurzem erst restaurierten Schloss Eckartsau einen Besuch abstattet, der stolpert allzu schnell über solche Details – das Gebäude im Südosten Wiens, nur wenige Fahrminuten hinter Orth an der Donau gelegen, ist voll davon. Da wären die Knochen des Heiligen Theodor, die der Papst dem Bauherrn des barocken Schlosses, einem Grafen Kinsky, einst freundlicherweise zukommen ließ und die sich Jahrhunderte später als die Überreste mehrerer Verstorbener entpuppten – Materialmix à la Vatikan.

Da wären die üppigen Formen der Barockkapelle, die den Modul- Heiligen umgeben; übrigens an einer Stelle des Schlosses, unter der Wünschelrutengänger ein geomantisches Britzeln oder zumindest eine starke Quelle orten. Und da wäre auch das allzu weltliche Rauschen jenes WCs, das Franz Ferdinand anlässlich des Besuchs des deutschen Kaisers einbauen ließ: Abort-High-Tech aus London. Schließlich hatte der Thronfolger Franz Ferdinand einen Ruf als Technikfreak zu verteidigen. Der händisch zu betätigende Kurbelstaubsauger aus Böhmen beweist das. Ebenso wie ein einst im Keller aufgestellter Generator, der Schloss Eckartsau zum ersten mit Elektrizität ausgestatteten Gebäude weit und breit machte und die gläsernen Weintraubengehänge der Lobmeyr- Lüster mit elektrischen Kerzen funkeln ließ. So präsentiert sich das Schloss unter anderem auch als Guckloch auf den technischen State of the art anno 1900. (Robert Haidinger)

  • Artikelbild
    foto: öbf/kovacs
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