Magna-Partner in Finanznöten

10. Juli 2007, 13:50
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Vertriebsprobleme bei Lada-Hersteller AvtoVAZ - Arbeiter drohen mit Streik

Finanzprobleme haben den zum staatlichen Rüstungsexportmonopolisten Rosoboronexport gehörenden Autobauer AvtoVAZ heimgesucht. Wie das Wirtschaftsblatt Wedomosti berichtet, häuft der Lada-Hersteller und Partner von Magna International "mit beeindruckendem Tempo" Schulden an, um das kürzlich mit Magna vereinbarte Kooperationsprojekt finanzieren zu können.

Absatzprobleme

Vor Kurzem wurden Schuldscheine im Wert von fünf Mrd. Rubel (145 Mio. Euro) auf dem Kapitalmarkt platziert, bei der Raiffeisenbank wurde soeben ein Kredit über 500 Millionen Euro aufgenommen, bei der staatlichen Vneschtorgbank (VTB) um eine Erhöhung der Kreditlinie auf 20 Mrd. Rubel angefragt. Experten halten weitere Schulden für möglich.

Als teuerstes AvtoVAZ-Projekt mit geschätzten 1,5 Mrd. Euro gilt derzeit die mit Magna vereinbarte Entwicklung eines neuen Modells der C-Klasse. Laut AvtoVAZ-Präsident Wladimir Artjakow soll das Geld von Raiffeisen denn auch in laufende Projekte fließen. Die von Wedomosti befragten Branchenkenner wähnen die Schuldenpolitik jedoch in den Absatzproblemen des heurigen Jahres begründet. Im Februar hätten sich zwischen 70.000 und 100.000 Fahrzeuge in den Werkslagern angehäuft, der Wert der nicht verkauften Autos habe sich auf 8,8 Mrd. Rubel verdreifacht.

Staatliche Hilfen benötigt

Zum Hintergrund: Im Vorjahr hatte AvtoVAZ 724.000 seiner 765.627 produzierten Autos verkauft und bei einem Umsatz von 152,4 Mrd. Rubel einen Reingewinn von 2,5 Mrd. Rubel eingefahren. Analysten meinen, dass AvtoVAZ, bei dem sich zuletzt auch die Gewerkschaft mit Streikdrohungen zu regen begann, über nicht ausreichende Umlaufmittel verfügt und zur Umsetzung des Magna-Projektes, das für Magna Steyr zur Keimzelle neuen Wachstums werden sollte, staatliche Hilfe benötigen wird. Während staatliche Institute ihre Auslandsschulden reduziert haben, haben russische Betriebe sie zwischen 2001 und 2006 auf 259 Mrd. Dollar verneunfacht. (Eduard Steiner aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3.6.2007)

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