Schöne Augen machen

3. Juni 2007, 17:00
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Mascara gibt es seit fast hundert Jahren, schminktechnisch ist er Grundausstattung - Doch Routine macht nachlässig - Eine kurze Anleitung für einen schönen Augenaufschlag

Holprige Liebesgeschichten können die Welt verändern, die Liaison zwischen Chet und Mabel ist ein gutes Beispiel dafür. Die Lovestory spielt 1913: Chet liebte plötzlich eine andere Frau und Mabel klagte dem Bruder ihr Leid. Dieser sieht die Sache pragmatisch und ortet das Verführungsdefizit am wenig schönen Augenaufschlag der Schwester. Die Lösung des Erfinders namens T.L. Williams: Er mischte Kohlenstaub und Vaseline und probierte die Mischung an ihren Wimpern aus. Das Ergebnis beeindruckte, und damit war der Mascara erfunden. Williams Firma Maybelline, eine Wortmix aus Mabel und dem wichtigsten Inhaltsstoff Vaseline, trat ihren Siegeszug an.

Selbst jene Frauen, die sich nur dezent schminken, kommen ohne getuschte Wimpern nicht aus. Denn "die allerwenigsten haben tatsächlich dichte Wimpern", so die Make-Up-Stylistin Marie-Theres Weinmann, aber am Wimpernkranz und seiner Wirkung kann gearbeitet werden. Das Ziel: Aus fein soll dicht, aus kurz lang und aus gerade geschwungen werden.

Langsam und von unten nach oben

Das tägliche Färben der Härchenreihe um die Augen ist Morgenroutine. Schnell, schnell ist beim Wimperntuschen allerdings eher unangebracht, vielmehr sollten Sorgfalt und Technik walten. Die Profi-Tricks: Getuscht wird grundsätzlich langsam und zwar von unten nach oben, die Wimpern müssen frisiert werden, denn vor allem die ganz feinen Härchen bringen große Wirkung. Ebenso wichtig ist zweimaliges Tuschen, einige Mascaras haben Kombinationen aus Bürstchen und Kamm, die genau dazu animieren sollen. Am allerschönsten sind Wimpern, die vor allem im oberen Drittel noch einmal getuscht werden.

Beim unteren Wimpernkranz empfiehlt sich eine andere Applikationstechnik: Nach sorgfältigem Abstreifen des Bürstchens wird der Mascara durch Hin- und Herbewegen aufgetragen, die meisten vergessen dabei immer die äußeren unteren Wimpern. Perfekte Wimpernkranzverdichtung geht übrigens ganz bis zum Haaransatz. Das ist schwierig, wird aber durch das Färben der Wimpern beim Friseur erleichtert - im Sommer ist das ohnehin eine gute Sache, zwar gibt es wasserfesten Mascara, auf Dauer kann er aber Wimpern austrocknen. Wie Wimperntusche generell wirkt: Die meisten bestehen aus Polymeren, das sind mikroskopisch kleine Kügelchen, die sich um die Härchen legen und verdichtend wirken. Für alle, die der Natur aber so richtig nachhelfen wollen, bleiben künstliche Wimpern zum Aufleben als Band oder Büschel, Dianne Brill hat hier eine probate Lösung.

Keine Eulenaugen

Wie also in der großen Mascara-Auswahl die richtige Wahl treffen? Die simple Antwort heißt ausprobieren. "Wimpern haben unterschiedliche Beschaffenheit, jeder verträgt etwas anderes", hat Marie-Theres Weinmann tausende Male beobachtet. Ob ein Mascara ideal ist, stellt man am Abend fest: Je weniger er abbröckelt und Eulenaugen macht, desto besser. Ebenfalls wichtig: Beim Eintunken niemals zu viel Luft in den Stift pumpen, dann hält er länger. Ganz generell sollte er alle drei bis vier Monate gewechselt werden, denn mit der Zeit können Bürstchen auch zu Bakterienschleudern werden.

Für alle, die die Geschichte des Mascara zu Ende hören wollen: Seit 1957 gibt es Mascara nicht mehr in Form eines Wachsblockes, sondern zum Eintunken, die zündende Idee kam damals Helena Rubinstein. Und im Herbst 2006 kam Mascara für Männer auf den Markt. Darüber, ob Mabel dank Mascara damals mit Chet wieder zusammenkam, schweigt die Fama. Verführung braucht sicher mehr als einen verschleierten Blick. (Karin Pollack/Der Standard/rondo/01/06/2007)

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