Andreas-Hofer-Gedenken der ein wenig anderen Art

3. Juni 2007, 19:28
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Das offizielle Tirol weiß noch nicht recht, wie es mit dem Hofer-Gedenkjahr 2009 umgehen soll - Regisseur Ekkehard Schönwiese blickt hinter den Mythos

Innsbruck/Grinzens - Zwei Jahre vor dem Andreas-Hofer-Jubiläumsjahr wagt sich die Sendersbühne Grinzens mit einer opulenten Freilichtaufführung unter dem Titel "Tiroler Freiheit" an den mythenumrankten Helden. "Im Landhaus ist das Thema so angstbesetzt, dass man in zwei Jahren nichts unbeschadet dazu machen kann. Jetzt können wir uns in die Diskussionen einbringen und das Jahr für uns definieren", begründet Autor und Regisseur Ekkehard Schönwiese das Projekt.

Eineinhalb Jahre lang hat der Volkstheaterexperte geforscht, rund 150 Theaterstücke ausgegraben. Er wolle kein Geschichtsbild korrigieren, es sei keine Ideologie im Spiel, er fühle sich nur einem aufklärerischen Ansatz der 68er-Bewegung verpflichtet, betont Schönwiese. Widerstände fürchtet er nicht. Zumindest in Grinzens, einem Gebirgsdorf westlich von Innsbruck, dürfte ihm das gelungen sein. Mehr als hundert Mitwirkende arbeiten dort unentgeltlich und mit Begeisterung auf den Premierenabend am 6. Juli hin.

In Hofer stecke ein Don Quichotte, meint Schönwiese, "einer, der von der Zeit längst überholt war, in der er angetreten ist". Hofer werde gezeigt in seinen "depressiven Anfällen" und mit seinen späten Zweifeln am selbst gestellten Ziel "Siege im Namen des Kaisers und der Mutter Gottes zu erringen". Hofers letzte Worten hätten nicht "Ach, wie schießt ihr schlecht" gelautet, sondern: "Das hat mir der Franzl angetan" - eine Kritik an Kaiser Franz und dessen Verrat am Tiroler Bauernheer.

Auf die Bühne kommen auch Figuren, die aus dem Gedächtnis gestrichen worden sind: der aufgeklärte katholische Geistliche Josef Daney (ein Gegenspieler Haspingers) oder Hofers Mitkämpferin Guiseppina Negrelli, die ob ihrer italienischen Herkunft nach 1918 im Tirolmythos keinen Platz mehr haben durfte.

Schwieriges Jubiläum

Zugleich tut sich das offizielle Tirol mit den Vorbereitungen für das Gedenkjahr 2009 weiterhin schwer. Fest steht, dass um acht Mio. Euro am Bergisel ein Museum entstehen wird. Es soll das "Riesenrundgemälde" aufnehmen, ein Schlachtenpanorama von 1896. Alle anderen Inhalte sind weiter offen, nachdem der Vorschlag eines "Museums der Wehrhaftigkeit" auf heftigen Widerstand gestoßen war. "1809-2009 Geschichte trifft Zukunft" lautet nun das von Landeshauptmann Herwig van Staa ausgerufene Generalmotto und nennt den Tiroler Ball in Wien im Jänner 2009 und einen Festumzug im September 2009 in Innsbruck als "besondere Schwerpunkte". (Hannes Schlosser / DER STANDARD, Printausgabe, 01.06.2007)

  • Mehr als hundert Darsteller werden in Grinzens an der Aufführung des Stückes "Tiroler Freiheit" mitwirken, das sich an den Mythos Andreas Hofer heranwagt.
    foto: sendersbühne grinzens

    Mehr als hundert Darsteller werden in Grinzens an der Aufführung des Stückes "Tiroler Freiheit" mitwirken, das sich an den Mythos Andreas Hofer heranwagt.

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