Kein Verbot für Organspender-Show

22. Juni 2007, 13:08
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Proteste waren rasch da, blieben aber wirkungs­los: Mit Hinweis auf die Pressefreiheit sah sich die nieder­ländische Regierung außer Stande die TV-Show zu verbieten

Am Samstag ist der "Internationale Tag der Organspende". Freitag will der niederländische TV-Sender BNN (Barts Neverending Network) ab 20.30 "De grote Donor Shows" "Die große Spendershow" ausstrahlen. Mittelpunkt ist die 37-jährige "Lisa", die kurz vor ihrem Tod aufgrund eines Hirntumors steht. Sie soll sich Interviews mit drei Nierenleidenden ansehen. Diese wiederum hoffen, von der Todkranken, bevor sie stirbt, eine Ersatzniere zu bekommen. Nach den Interviews dürfen Zuseher via SMS abstimmen, wem das Organ zugesprochen werden soll, letztlich aber entscheidet "Lisa" darüber.

Heftige Proteste gegen diese "Show" nutzten nichts, die Regierung verwies auf die Pressefreiheit, die ihr ein Eingreifen unmöglich mache.

Vorwürfen, das Ganze sei geschmacklos, entgegnet der BNN-Vorsitzende Laurence Drillich, die Realität sei noch schockierender. In den Niederlanden müssten Patienten im Schnitt mehr als vier Jahre auf ein Spenderorgan warten.

Ursache dafür ist die Gesetzeslage: Lebende Spender sind extrem schwierig aufzutreiben und Toten dürfen nur dann Organe für Transplantationen entnommen werden, wenn die Angehörigen es erlauben oder der Verstorbene im Voraus seine Einwilligung gegeben hat. Gleich ist die Situation in Deutschland, dort allerdings steht jetzt die österreichische Lösung zur Debatte, die Widerspruchsregelung. Der zufolge gilt jeder Tote als Organspender, wenn er sich nicht zu Lebzeiten formell dagegen verwahrt hat.

Vorbild Österreich

Mit statistisch 22,1 Spendern pro einer Million Einwohner liegt Österreich hinter Spanien mit 34,6 Spendern im europäischen Spitzenfeld. Dennoch warten in Österreich derzeit rund tausend Menschen auf eine Organspende.

Entsprechend prekärer ist die Situationen in Ländern ohne Widerspruchsregelung. Die EU will plant nun die Einführung eines europäischen Spenderausweises. Damit sollen Spender schneller aufzuspüren sein, sagte Gesundheitskommissar Markos Kyprianou. Über die Nierenspender-Show in den Niederlanden zeigte sich Kyprianou "schockiert", er lehne die Kommerzialisierung des heiklen Themas Organspende ab. (Klaus-Peter Schmidt/DER STANDARD, Printausgabe, 1.6.2007)

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    BNN-Vorsitzender Laurence Drillich verteidigt seine Organspender-Show, er wolle damit nur auf den extremen Mangel an verfügbaren Transplantationsorganen hinweisen.

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