"Thank you, Ursula"

6. Juni 2007, 12:39
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Demokratie ohne Frauen unterentwickelt: US-Außenministerin Rice warnt in Wien vor Ausschluss von Frauen aus der Politik

Auf eine stärkere Einbindung von Frauen bei Konfliktlösungen, vor allem im Nahen Osten, haben prominente Teilnehmerinnen an der Nahost-Frauenkonferenz am Donnerstag in Wien gedrängt. "Solange Frauen nicht am politischen und wirtschaftlichen Prozess in ihrer Gesellschaft voll teilhaben, können das nicht wirklich voll entwickelte Demokratien sein", brachte US-Außenministerin Condoleezza Rice das Anliegen auf den Punkt. Gastgeberin Ursula Plassnik trat für die Abkehr von Gewalt als dringendstes Anliegen für den Nahen Osten ein.


Wien - Politikerinnen und Politiker bedienen sich gerne Beispielen aus der Sportwelt, um damit ein überwiegend männliches Publikum direkter ansprechen zu können. Geschieht dies, wie am Donnerstag in Wien, ausgerechnet im Zuge einer Frauenkonferenz, dann mutet der Stil besonders komisch an. "Wir sind nur im ersten Viertel von einem Spiel, das vier Vierteln hat", sagte US-Außenministerin Condoleezza Rice in Hinblick auf den Streit rund um das nordkoreanische Atomprogramm bei einer Pressekonferenz am Höhepunkt und Schlusstag der "Women Leaders"-Konferenz in Wien.

Neben US-Außenministerin Rice kam auch ihre israelische Amtskollegin Zipi Livni am Donnerstag nach Wien, um auf Einladung des Außenministeriums am runden Tisch über die Rolle der Frauen im Nahen Osten zu diskutieren. Auch zahlreiche Politikerinnen aus dem arabischen Raum nahmen an der Tagung teil, darunter die palästinensische Abgeordnete Hanan Ashrawi.

Noch vor dem Gespräch am runden Tisch, fand eine Sitzung des "Women's Empowerment Network" statt, das sich generell mit der Stärkung der Frauen bei der Lösung internationaler Konflikte beschäftigt. Das Netzwerk appellierte an den UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, mehr hohe Positionen im Rahmen der Vereinten Nationen mit Frauen zu besetzen, etwa an der Spitze von UN-Friedensmissionen.

Demokratie ohne Frauen nicht möglich

Bei der Pressekonferenz mit Außenministerin Ursula Plassnik sagte Rice neben dem obligatorischen Dank an die Gastgeberin ("Thank you, Ursula), dass Demokratie ohne den Total-Einschluss von Frauen in Politik und Wirtschaft nicht möglich sei. "Frauen sind nicht nur eine Masse entrechteter Menschen", sondern müssten ernst genommen werden, meinte Plassnik im Hinblick auf die Lage der Frauen im Nahen Osten.

Rice schätzt die Chance für eine Wiederbelebung des Friedensprozesses im Nahen Osten trotz der anhaltenden Gewalt nicht schlecht ein. "Wenn man immer den perfekten Zeitpunkt abwartet, wartet man ewig." Rice forderte in Wien auch neuerlich den Iran zu einem Stopp seiner Urananreicherung auf. Geschehe dies, wären die USA für einen Dialog mit dem Teheraner Regime bereit. (szi/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.6. 2007)

  • Condoleezza Rice und Ursula Plassnik am Donnerstag bei der Wiener Frauenkonferenz.
    foto: standard/matthias cremer
    Condoleezza Rice und Ursula Plassnik am Donnerstag bei der Wiener Frauenkonferenz.
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    Frauenpolitik und Frieden im Nahen Osten als Gesprächsthemen in Wien: Hanan Ashrawi, Außenministerin Plassnik und ihre israelische Amtskollegin Zipi Livni.
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