Fälschungen aus China überschwemmen die EU

18. Juni 2007, 18:25
30 Postings

Die Zollbehörden beschlagnahmten 2006 um 330 Prozent mehr gefälschte Artikel, die stärksten Zuwächse gab es bei Medikamenten

Rund 250 Millionen gefälschte Artikel beschlagnahmten die Zollbehörden an den Außengrenzen der EU im abgelaufenen Jahr – ein Anstieg von 330 Prozent gegenüber 2005.

Perfekt gefälschte Medikamente

Mengenmäßig sind gefälschte Zigaretten noch immer das beliebteste Schmuggelgut, doch die höchsten Zuwächse gab es bei Medikamenten: 2005 wurden 500.000 Packungen beschlagnahmt, 2006 waren es schon 2,7 Millionen. Die Experten der EU wiesen bei der Präsentation der Zahlen darauf hin, dass viele Arzneimittel bereits äußerlich so perfekt gefälscht würden, dass sie nur im Labor als unbrauchbar zu erkennen wären. Auch Apotheken würden immer öfter auf Fälschungen hereinfallen. Bei Medikamentenbestellungen über das Internet sei die Gefahr "sehr groß", eine Fälschung zu erhalten. Das gelte vor allem für lebenswichtige, rezeptpflichtige Medikamente. Kapseln zur Nachbehandlung eines Herzinfarktes enthielten lediglich Steinstaub.

Die meisten gefälschten Medikamente kommen aus Indien, doch insgesamt ist China mit 86 Prozent "Marktanteil" das Land, aus dem die meisten Fälschungen kommen (siehe Tabelle)

Äthiopien-Champagner

Bei den Produkten ist nach Zigaretten gefälschte Luxusmarken-Kleidung die beliebteste Schmuggelware, gefolgt von CDs und DVDs, Elektronik und Medikamenten, und der Trend geht zu "Großlieferungen": Der deutsche Zoll fing vor Kurzem Container mit mehr als drei Millionen Paar Sportschuhen bekannter Marken ab, wenig später folgten 92 Container mit Spielzeug, Sonnenbrillen und Ersatzteile für Autos wie Bremsscheiben aus Blei und Bremsflüssigkeit aus gefärbtem Wasser und Schmierseife.

Aber auch eher überraschende Funde gelingen den Behörden. So gingen den Fahndern in Osteuropa mehrere Kisten "Champagner" ins Netz. Der war allerdings noch nie in Frankreich gewesen, sondern stammte tatsächlich aus Äthopien. (Michael Moravec aus Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.6.2007)

  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.