Dominik darf die Mutter behalten

11. Juli 2007, 12:44
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Der fünfjährige Yousif aus Bagdad und sein Vater haben nun Asyl erhalten, nachdem die Familie im Irak bedroht worden war

Ebenso wie Aigul Salmhofer, die fürchten musste, ohne Mann und Kind das Land verlassen zu müssen.

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Wien/Klagenfurt – Der zwei Monate alte Dominik darf seine Mutter Aigul behalten. Die hochqualifizierte Juristin und Gynäkologin war in ihrer Heimat, einem zentralasiatischen Land, verfolgt worden und hatte kurz vor Weihnachten 2006 nach einem zermürbenden Behördenweg Dominiks Vater Christian Salmhofer geheiratet. Für das österreichische Fremdenrecht jedoch bestand der Verdacht einer Scheinehe. Erst am 23. Mai entschied der Unabhängige Bundesasylsenat (UBAS), dass Aigul bei ihrem Mann und ihrem Baby, das österreichischer Staatsbürger ist, in der Steiermark bleiben darf.

Auch Yousif, der gelähmte fünfjährige Bub aus Bagdad, der im Wiener Neustädter Krankenhaus erfolgreich operiert worden ist, kann mit seinem Vater in Österreich bleiben. Dem Asylantrag der beiden wurde Ende April in erster Instanz beim Bundesasylamt stattgegeben. "Die Behörde hat sofort reagiert", freut sich Elli Fröhlich, die für Yousif eine ganze Armee an privater Hilfe organisiert hat: "Das trägt zu seiner weiteren gesundheitlichen Stabilisierung entscheidend bei."

Familie bedroht

Der Bub aus Bagdad litt an einer lebensgefährlichen Ausbuchtung des Rückenmarks und konnte sein Leben bisher nur auf dem Bauch liegend verbringen. In dem von Terror erschütterten Irak wäre eine medizinische Behandlung nicht möglich gewesen. Deshalb wurden Yousif und sein Vater im Herbst 2006 unter großen Gefahren aus Bagdad nach Österreich geholt. Derzeit absolviert der als "sehr aufgeweckt" beschriebene Bub, der erstmals in seinem Leben aufrecht kann, eine Therapie. Ursprünglich wollten Vater und Sohn nach deren Beendigung in den Irak zurückkehren. Doch kurz vor Weihnachten erreichte sie die Nachricht, dass Yousifs Mutter und sein jüngerer Bruder von Extremisten bedroht worden waren. Ein Onkel wurde schließlich bei einem Bombenanschlag auf sein Geschäft schwer verletzt. Yousifs Vater stellte daraufhin einen Asylantrag.

"Yousif wünscht sich jetzt, dass auch seine Mama und sein Bruder möglichst rasch nach Wien kommen können", sagt Elli Fröhlich. Und man braucht dringend eine behindertengerechte Wohnung.

Schrecksekunde

Auch Aigul Salmhofer musste bangen. Denn eine Heirat mit einem Österreicher reicht für das Niederlassungsrecht nicht mehr, auch nicht, wenn ein gemeinsames Kind zur Welt kommt. Eine letzte Schrecksekunde erlebte die Frau vor dem UBAS, als sie dort gefragt wurde, ob sie einen Pass habe (für den sie unter enormen Mühen die Originaldokumente aus ihrer Heimat beschaffen musste) und ohne den ihre Heirat unmöglich gewesen wäre. Als sie dies bejahte, wurde ihr Asylantrag zunächst mit der Begründung abgelehnt, dass sie dann ja gar nicht verfolgt sein könne.

Doch die Juristin, die neben Deutsch drei weitere Sprachen fließend beherrscht, plädierte auf Zugehörigkeit zu einer "verfolgten sozialen Gruppe". Tatsächlich sind Frauen in ihrer Heimat von Zwangsverheiratungen bis Vergewaltigungen immer wieder Verfolgungen ausgesetzt. Trotz der Freude wissen Elli Fröhlich und Christian Salmhofer: Ohne breite mediale Unterstützung wäre das nicht möglich gewesen. Salmhofer: "Der überwiegende Teil derer, die in Österreich Asyl suchen, scheitert." Und Fröhlich ergänzt: "Vielleicht kann Yousifs Schicksal anderen Mut machen, nicht aufzugeben."

Yousif, der in seiner Heimat Irak bereits dem Tod geweiht war, spielt in Wien jetzt begeistert Theater: Am 15. Juni ist er im Amtshaus im 5. Wiener Gemeindebezirk in dem Stück "Didldo" der Theatergruppe Delfin zu sehen. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD - Printausgabe, 1. Juni 2007)

  • Dominiks Mutter darf bei ihrem Kind und ihrem Mann in Österreich bleiben.
    foto: privat

    Dominiks Mutter darf bei ihrem Kind und ihrem Mann in Österreich bleiben.

  • Der fünfjährige Yousif und sein Vater hoffen, dass die Mutter und sein jüngerer Bruder, die beide noch im Irak sind, nachkommen dürfen.
    foto: regina schmid

    Der fünfjährige Yousif und sein Vater hoffen, dass die Mutter und sein jüngerer Bruder, die beide noch im Irak sind, nachkommen dürfen.

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