Abhängigkeit vom Vorstand erschwert Arbeit für Revisoren

22. Juni 2007, 14:45
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Der Druck auf Unternehmen, eine Interne Revision aufzubauen, nimmt zu. Doch diese stößt rasch an ihre Grenzen, wenn der Vorstand die Kontrolle nicht wirklich will

Wien – Bilanzfälschungen, Wirtschaftskriminaltität oder auch nur ein ungenügendes Risikomanagement – zur Vermeidung dieser Probleme führen immer mehr Unternehmen eine Interne Revision (IR) ein. Doch diese stößt rasch an ihre Grenzen, wenn der Vorstand selbst nicht an der vollständigen Aufklärung von Missständen interessiert ist.

Dilemma

Bei einer Podiumsdiskussion über die Zukunft der IR in Wien am Donnerstag stand dieses Dilemma im Mittelpunkt. Der Münchner Betriebswirtschaftsprofessor Wolfgang Lück wies darauf hin, dass immer mehr Revisoren nicht an den Vorstand, sondern auch an das Audit-Komitee im Aufsichtsrat berichten. Denn die Abhängigkeit vom Vorstand führe dazu, dass der Revisor schweigt, wenn er Unregelmäßigkeiten bis hin zur Wirtschaftskriminalität, wie sie zuletzt in einigen deutschen Großkonzernen aufgetreten ist, aufdeckt.

Doch für Ex-OMV-Chef Richard Schenz ist der Gang zum Aufsichtsrat keine Lösung. "Der Interne Revisor muss eine Funktion des Vorstands sein", sagte der Kapitalmarktbeauftragte der Bundesregierung, der die IR in den von ihm erstellten österreichischen Corporate Governance Codex fix verankert hat. Auch Brigitte Juen, die die Interne Revision bei der OMV leitet, sieht ausschließlich ihren Vorstand als Ansprechpartner. Meist ist die IR direkt beim Vorstandschef verankert, weniger oft beim Finanzvorstand.

Abstellgleis

Erschwert werden die Kontrollaufgabe außerdem durch das weit verbreitete Vorurteil, die IR-Abteilung sei ein berufliches Abstellgleis. Dabei bietet gerade dieser Job besonders tiefe Einblicke in alle Unternehmensbereiche und sei daher gerade für aufstrebende Mitarbeiter attraktiv, sagte Norbert Wagner, Leiter des Institut für Interne Revision Österreich. Auch neue Ausbildungsprogramme würden den Ruf der Revisoren verbessern, fügte er hinzu.

Eine Befragung in 175 Unternehmen mittels einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zeigt allerdings, dass Revisoren von ihrer Unabhängigkeit und Akzeptanz mehr überzeugt sind als die Vorstände, an die sie berichten. Die Revisoren sehen sich zu 71 Prozent als Berater des Managements, während dieses im Revisor eher einen Risikomanager oder eine "Unternehmenspolizei" erblicken. "Noch ist die Revision in der Statistenrolle", sagte Jörg Johannsen von Ernst & Young, der die Studie präsentierte. Dabei sei es problematisch, wenn Revisoren sich auch ums Risikomanagement kümmern. "Denn wer überprüft dann das Risikomanagement?", fragte er.

Mehr Prestige und damit mehr Durchsetzungskraft könne nur durch klarer formulierte Erwartungen an die IR, deutlichere Verantwortlichkeiten und eine bessere Leistungsmessung erzielt werden, sagte Johannsen. (red)

  • Zur Rolle der Revision diskutierten (v.l.) Brigitte Juen (OMV), Martin Goworek (Ernst & Young), Norbert Wagner (IIR), Moderator Eric Frey (DER STANDARD), Wolfram Senger-Weiss (Gebrüder Weiss), Kapitalmarktbeauftragter Richard Schenz und Wolfgang Lück (TU München).
    foto: standard/corn

    Zur Rolle der Revision diskutierten (v.l.) Brigitte Juen (OMV), Martin Goworek (Ernst & Young), Norbert Wagner (IIR), Moderator Eric Frey (DER STANDARD), Wolfram Senger-Weiss (Gebrüder Weiss), Kapitalmarktbeauftragter Richard Schenz und Wolfgang Lück (TU München).

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