Museums-Anbau von Libeskind in Toronto

8. Juni 2007, 13:21
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Das Royal Ontario Museum (ROM) eröffnet eine 187 Mio. Euro teure Erweiterung seines Gebäudes "auf elf Papier-Servietten"

Toronto - Eine spektakuläre Museumserweiterung von Star-Architekt Daniel Libeskind eröffnet am Samstag (2. Juni) im kanadischen Toronto die Tore. Fünf riesige, sich asymmetrisch überlagernde Formen aus Glas und Aluminium überragen das bisherige Gebäude des Royal Ontario Museum (ROM) im klassisch-viktorianischen Stil. Für dessen Sammlungen von Weltkulturen und Naturgeschichte wurden insgesamt 5.000 Quadratmeter mehr Fläche in sechs neuen Galerien auf vier Stockwerken geschaffen.

Der moderne Flügel und weitere Renovierungen für das ROM kosteten rund 270 Millionen kanadische Dollar (187,2 Millionen Euro). Inspiration für die ungewöhnliche Form des Anbaus, die an einen Kristall erinnert, sei die Mineraliensammlung des Museums gewesen, sagte Libeskind in einem Interview mit der kanadischen Zeitung "Globe and Mail". Benannt wurde der Flügel "Michael Lee-Chin Chrystal" nach dem kanadischen Geschäftsmann Michael Lee-Chin, der rund 30 Millionen kanadische Dollar für den Bau gespendet hat.

Die Libeskind-Idee setzte sich bei der internationalen Ausschreibung gegen 51 Konkurrenz-Entwürfe durch. Seine Bewerbung hatte der Architekt auf elf Papier-Servietten von Berlin aus per Expresspost nach Kanada geschickt. Er überzeugte mit seinen Plänen die Jury und den Museumsdirektor William Thorsell, der Libeskinds Pläne "wundervoll, amüsant, kreativ, temperamentvoll und frech" fand. In dem neuen Anbau gibt es keine einzige gerade Wand.

Bis zum 10. Juni können Besucher den neuen Flügel ohne Ausstellungsstücke genießen - ähnlich wie bei der Eröffnung von Libeskinds Jüdischem Museum in Berlin. Das ROM in Toronto wurde 1914 gegründet und im vergangenen Jahrhundert immer wieder erweitert. Es ist Kanadas größtes Naturkundemuseum mit einer Sammlung von sechs Millionen Ausstellungsstücken aus Kunst, Archäologie und Naturwissenschaft.

Daniel Libeskind, 1946 in Polen geboren, gehört zu den gefragtesten Architekten der Welt. Im Februar 2003 gewann er den Wettbewerb um den Wiederaufbau des durch Terroranschläge zerstörten World Trade Centers. In der Pipeline hat der kreative Geist außerdem Dutzende weitere Projekte: ein Einkaufszentrum in Bern, ein Kunstzentrum in Boston, ein Theater in Dublin, einen Universitätskomplex in London und weitere Bauten in Las Vegas, Singapur und Warschau. Aus politischen Gründen hat er bisher rund 90 Angebote aus China abgelehnt.

"Die größte Herausforderung ist es, nicht zu sehr zu wachsen. Wir könnten morgen expandieren und doppelt so groß werden. Aber in diesem Rahmen kann ich auf jedem Level von jedem Projekt involviert bleiben. Sonst würde es auch keinen Spaß machen", so Libeskind in einem Interview. Rund 180 Angestellte arbeiten für das Studio Daniel Libeskind. Er selbst ist ständig auf Reisen.

In Deutschland hat er neben dem Jüdischen Museum in Berlin unter anderem auch das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück entworfen. Zu seinen bekanntesten Gebäuden gehören auch "The Spiral", der Erweiterungsbau des Victoria and Albert Museums in London, das Kriegsmuseum im Hafengelände von Manchester und das Kunstmuseum in Denver. Mit seiner Frau Nina und der jüngsten Tochter Rachel lebt er derzeit in New York. (APA/dpa)

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    foto: royal ontario museum
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