Jobs und Gates: "Wir haben unsere Ehe über ein Jahrzehnt geheim gehalten"

22. Februar 2008, 15:49
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Das Treffen der IT-Gi­ganten: Viel Lob für ei­nan­der mit einer großen Portion Schmäh und Versöhnung - "Ich bin nicht Fake Steve Jobs"

Am vergangenen Mittwochabend (Ortszeit), dem 30. Mai, war es soweit. Nach wochenlangem Medienrummel um das bevorstehende Treffen der IT-Giganten saßen nun Bill Gates, Mr. Microsoft und Steve Jobs, Mr. Apple, zusammen auf der Bühne, um über das Befinden der Branche zu sinnieren. Freundlich die Hände schüttelnd begrüßten die Beiden einander vor versammelter Presse auf der diesjährigen D5/All Things Digital-Konferenz in Carlsbad, Kalifornien.

Zur Einstimmung des historisch anmutenden Gesprächs flimmerte so gleich eine Video-Persiflage der Herren über die Leinwand, die mit dem populären Auftritt Gates bei der Macworld 1997 endete, auf der er Microsofts Absicht in Apple zu investieren verkündete. Durch die Fragerunden führten die renommierten IT-Journalisten Kara Swisher und Walt Mossberg.

Gates über Jobs und Jobs über Gates

"Bill hat die erste Software-Firma dieser Industrie gebaut", bekundet Jobs die seiner Ansicht nach größte Errungenschaft des Microsoft-Gründers. "Das Geschäftsmodell hat sehr gut für die Industrie funktioniert. Bill war wirklich auf Software fokussiert, bevor irgendein anderer noch daran gedacht hatte."

Gates auf der anderen Seite lobte darauf hin Jobs Anstrengung die Idee zu verfolgen, dass der Computer für den Massenmarkt geeignet ist und dafür, auch dann noch auf den Mac gesetzt zu haben, als "Lisa" flopte. Er kam auch nicht umhin zu betonen, dass er nicht der Autor der Jobs Satire-Seite sei. "Ich möchte klarstellen, ich bin nicht Fake Steve Jobs", scherzt Gates, um dann wieder seine Contenance zu finden.

Gute Zeiten

Für viel Geschmunzel auf der einen und etwas Gram auf der anderen Seite sorgen zurzeit die Mac-Spots Apples Switch-Kampagne. "Hello, I’m a Mac", liegt es noch in den Ohren. "Der PC Typ ist großartig", meint Jobs im Gespräch. "Seine Mutter liebt ihn", wirft Gates zurück. "Der PC Typ macht alles erst möglich", sagt Jobs und lehnt sich dabei zu seinem Konterfei: "Es zahlt sich aus darüber nachzudenken".

In dem Takt ging es dann auch weiter, als erwähnt wurde, dass Microsoft während der Xbox-Entwicklung Macs als Referenz genommen hatte, da die Konsole auch auf der PowerPC-Architekur basiert. "Wir haben daraus nie einen Spot gemacht", so Jobs. "Steve ist so bekannt für seine Zurückhaltung", schickt Gates nach.

Neue Zeit

Mit den technischen Fragen wurde es dann auch wieder ernster. Beide sehen die Verlagerung von Applikationen ins Internet eher gelassen. So habe sich der PC als unverwüstlich erwiesen, bemerkt Jobs. Eine versteckte Ankündigung gab er bezüglich dem .Mac-Projekt, als er die Kritik vom Interviewer über sich ergehen lassen musste, dass bislang noch nicht allzu viel dabei herausgekommen sei. "Wir werden das Verpasste in sehr naher Zukunft nachholen".

Geschwätz

Die Formalitäten fallen bei Seite, als das persönliche Verhältnis zueinander aufs Tableau gebracht wird. "Wir haben unsere Ehe nun über ein Jahrzehnt geheim gehalten", scherzt Jobs. Gates bleibt daraufhin ruhig, macht kleine Bemerkungen. Jobs zitiert schließlich eine Passage aus dem Beatles Song "Two of us". Im Wortlaut: "You and I have memories longer than the road that stretches out ahead".

Ähnlich bedeutungsschwer ging es weiter, als die beiden nach ihrem Erbe gefragt wurden, speziell auch im Hinblick auf Gates humanitäres Engagement. "Die wichtigste Arbeit, bei der ich die Chance hatte involviert zu sein, egal was ich mache, ist der Personal Computer", betont Gates. "Das ist mein Lebenswerk".

Lobreden

Zu guter Letzt lag es dann noch an den Beiden ihre gegenseitige Wertschätzung zu äußern. "Die Art, wie er an Sachen herangeht, ist einfach anders", meint Gates, "it’s magic". Jobs hingegen streicht Microsofts Stärke heraus Partnerschaften erfolgreich eingehen zu können. Und hätte Apple nur ein Bisschen dieser Fähigkeit, würde man in vielen Fällen erfolgreicher sein.

Der Gag des Abends blieb nicht aus, als der Microsoft-Mann über die Zukunft zu philosophieren begann und virtuelle Realität und ähnlich spektakuläre Technologien vorherzusehen wagte. Nur Teleporter wird es nicht geben… es sei denn Jobs zieht einen aus dem Ärmel. (zw)

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