Semantische Technologien sollen Business 3.0 ermöglichen

11. Juni 2007, 10:07
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Markt wächst laut Prognosen bis 2010 auf 40 Milliarden Dollar - Europa bei Forschung "mindestens gleichauf mit den USA"

"Suchen statt finden" lautet derzeit noch häufig die Devise bei Internet-Recherchen oder dem Aufspüren von Informationen im Unternehmens-Netzwerk. Durch den Einsatz von semantischen Technologien, die Computern mit der Bedeutung von Daten vertraut machen, soll sich das künftig ändern. Davon zeigten sich zumindest Experten bei der ersten Europäischen Konferenz für semantische Technologien (ESTC 2007) am Donnerstag in Wien überzeugt.

40 Milliarden Dollar

"In diesen Bereich fließt derzeit viel Geld. Kein Wunder: Laut Studien wird sich der Markt für semantische Technologien bis 2010 auf 40 Mrd. US-Dollar vervielfachen", erklärte John Davies von der British Telecom. Ein Vorreiter sei der Gesundheitssektor, "viele andere Branchen experimentieren noch". Softwareunternehmen wie Oracle hätten aber bereits begonnen, diese Technologien in ihre Anwendungen zu integrieren. "Das kommerzielle Interesse steigt", so Davies.

Computer sollen Arbeit abnehmen

Computer würden den Usern künftig viel Arbeit abnehmen - etwa bei der Flugbuchung. "Während man sich heute noch durch eine Vielzahl von Internetseiten klicken muss, reichen beim Semantic Web wenige Angaben, um zum Ziel zu gelangen", prognostizierte der Manager. Die Millionen von bereits existierenden Anwendungen könnten aber nur zusammengeführt werden, wenn es eine einheitliche Beschreibung der Daten gebe. In Europa zeige sich die Bedeutung der Technologie nicht nur am Engagement der Branchenriesen, sondern auch an der Vielzahl von Start-ups, die in diesen Bereich drängen.

Forschung und Umsetzung

"Bei der wirtschaftlichen Umsetzung haben zwar die Amerikaner die Nase vorn, in der Forschung ist Europa aber mehr als gleichwertig", strich Dieter Fensel, vom Innsbrucker Forschungsinstitut DERI (Digital Enterprise Research Institute) hervor. Zwischen 100 und 200 Mio. Euro würden durch das 7. Forschungsrahmenprogramm in die Entwicklung von semantischen Technologien gepumpt. Große Hindernisse auf dem Weg zum semantischen Web sieht der Universitätsprofessor nicht mehr. "Laut Gartner sind bis zum Jahr 2012 rund 30 bis 40 Prozent aller Seiten umgestellt. Der Rest versickert und wird kaum mehr gefunden."

Eine Frage der Zeit

Grundsätzlich müsse man der Technologie noch Zeit geben. "Das Internet wurde 1965 erfunden, aber erst 1990 startete man mit der Anwendung E-Mail. Semantische Technologien sind erst zehn Jahre alt", so Fensel. Um die Rechner "intelligenter" zu machen, würden seit einigen Jahren so genannte "Ontologien", die die Bedeutung der Daten in eine für Computer verständlichen Sprache übersetzen, eingesetzt. Aktuelle Ontologien für Produkte und Dienstleistungen auf Internetseiten fehlen aber noch großteils.

Einbeziehung der NutzerInnen

"Die Einbeziehung der NutzerInnen, wie etwa beim Fotodienst Flickr, wo die User den Bildern passende Stichwörter zuweisen, könnte das ändern. Die Unternehmen müssen den Anwendern Anreize anbieten, um diese Arbeit zu machen", schlug Fensel vor. Die User sollten aber im Endeffekt nichts von den eingesetzten Technologien merken, denn "das beste semantische Netz ist das unsichtbare Netz", sagte Fensel.

Internationale Konzerne

Bei der Veranstaltung präsentieren noch bis Freitag internationale Konzerne wie Audi, British Telecom, SAP, Siemens oder Vodafone, sowie Forschungsinstitute und Universitäten beispielsweise aus Cambridge, Darmstadt und Innsbruck ihre Pläne im Bereich semantische Technologien.

Das Infrastrukturministerium unterstützt im Rahmen des größten österreichischen Forschungsförderungsprogramms im Bereich der Informationstechnologie ("FIT-IT") semantische Systeme und Dienste in der aktuellen Ausschreibung mit drei Mio. Euro an Fördermitteln.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein kleiner Einblick in den ersten Tag der Konferenz in Wien.

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