EVN hakt "Stromlösung alt" ab

22. Juni 2007, 14:45
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Der Stromversorger rückt vom Plan ab, eine kapitalmäßige Verflechtung mit der Verbundgesellschaft zustande zu bringen und favorisiert Kooperationen im Ausland

Wien – Die niederösterreichische EVN, die über Jahre hinweg zu den Hauptpromotoren einer Verlinkung im operativen Bereich mit Österreichs größtem Stromerzeuger, dem Verbund, eingetreten ist, nimmt davon Abstand. "Ich persönlich glaube nach wie vor, dass das eine vernünftige Lösung wäre. Aber da ist zu viel schlechtgeredet worden, das geht nicht mehr", sagte EVN-Chef Burkhard Hofer bei der Präsentation der Halbjahreszahlen am Donnerstag.

Statt der Österreichischen Stromlösung alt (Ösl) sollte über neue, unverkrampfte Formen der Zusammenarbeit nachgedacht werden. Seit dem Ausscheiden von Hans Haider als Verbund-Generaldirektor und dem Aufrücken von Michael Pistauer sei das Gesprächsklima besser. Hofer: "Jetzt gibt es dort Leute, die den Landesgesellschaften und insbesondere der EVN weniger aggressiv gegenüberstehen. Wir sind dabei, wechselseitiges Misstrauen abzubauen."

Das über Jahre verfolgte Projekt Ösl sah vor, dass der Verbund in einer gemeinsamen Stromhandelsfirma die industrielle Führung übernimmt und das Bündnis aus EVN, Wien Energie und Bewag (Energie Allianz) das Sagen im Großhandel hat. Zudem sollte sich der Verbund an den Vertriebstöchtern der Allianz beteiligen.

Neue Pläne

Nun werden auf Bundes- und Landesebene Pläne gewälzt, die öffentlichen Mehrheiten zusammenzuziehen. Weil EVN und Wien Energie jeweils 12,5 Prozent am Verbund halten, die Tiwag mit 7,0 Prozent und der Bund mit 51 Prozent beteiligt ist, käme die öffentliche Hand beim Verbund somit auf 82 Prozent. "Das könnte man auf 51 Prozent reduzieren, auf welche Weise immer", sagte Hofer. Nachsatz: "Das ist aber Sache der Eigentümer." Sinnvoll seien in einem ersten Schritt Kooperationen im Ausland, wo EVN über Verteilnetze in Bulgarien und Mazedonien verfügt, und der Verbund sich mit der Absicht trägt, Kraftwerke zu bauen.

Sauer stößt dem EVN-Chef die Art auf, wie der Verbund versucht, mit "Diskontpreisen" den Endkundenmarkt in Östereich aufzumischen. Hofer: "Der Verbund wird sich entscheiden müssen, ob er uns als Kunden haben will oder mit Großmarktpreisen weiter eigene Kunden beliefert. Beides geht auf Dauer nicht."

Milde Witterung brachte Einbußen

Im ersten Halbjahr (per Ende März) hat EVN aufgrund der milden Witterung weniger Strom, Gas und Wärme verkauft. Der Gewinn (Ebit) ging um 9,9 Prozent auf 171,9 Mio. Euro zurück (siehe Grafik). Aufgrund der erstmaligen Konsolidierung der mazedonischen ESM kletterte der Umsatz um 6,2 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro. Der Ergebnisrückgang lasse sich in den kommenden Monaten kaum mehr aufholen. Was das für die Dividende heißt, wollte Hofer nicht sagen. 2008 soll es einen Aktiensplit geben. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.6.2007)

  • Für das Gesamtjahr geht die EVN angesichts der extrem milden Temperaturen im ersten Halbjahr insgesamt von einem leichten Ergebnisrückgang aus.
    foto: evn

    Für das Gesamtjahr geht die EVN angesichts der extrem milden Temperaturen im ersten Halbjahr insgesamt von einem leichten Ergebnisrückgang aus.

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