Jean-Claude Brialy 1933-2007

8. Juni 2007, 13:48
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Französischer Charakterdarsteller des Autorenkinos spielte unter Bunuel und Godard - Brialy war auch selbst Regisseur

Paris – Als sich junge Filmemacher in den 1950er-Jahren anschickten, das französische Kino neu zu erfinden, da brauchte und brachte die von ihnen in Bewegung gesetzte "Neue Welle" auch neue Gesichter auf die Kinoleinwände. Eines, das sich rasch etablierte, war das von Jean-Claude Brialy – mit seinem unverkennbaren Ausdruck, der so schön zwischen leichter Blasiertheit, bösartigem Zynismus, fröhlicher (Selbst-)Ironie oder angespannter Nervosität changieren konnte.

Jean-Claude Brialy verkörperte – noch vor Jean-Pierre Léaud und mit mehr Erfolg als Gérard Blain und andere – die neuen, nervösen, jugendlichen Hedonisten. Und er wurde bald zu einem jener Akteure, die "zirkulierten und so ein sichtbares Band zwischen den Regisseuren schufen" (Jean-Michel Frodon):

Seine ersten Filmrollen hatte er ab 1956 in kurzen Arbeiten von Jacques Rivette und Eric Rohmer gehabt. Die Hauptrolle in Claude Chabrols Le Beau Serge (1958) markierte seinen Durchbruch. Während er kontinuierlich weiter mit Chabrol arbeitete, drehte er immer wieder auch mit Godard (Tous les garcons s‘appellent Patrick, 1959, oder Une femme est une femme, 1962); mit Truffaut (Les 400 coups, 1959, oder La mariée était en noir, 1968) oder eben Rohmer (Le genou de Claire, 1970) und anderen. Parallel dazu tauchte er jedoch auch in kommerziellen Produktionen auf – bei Philippe de Broca, Edouard Molinaro und anderen –, eine Vielseitigkeit, die schließlich seinen vor allem in Frankreich ungebrochenen Starstatus beförderte.

Geboren wurde Jean-Claude Brialy 1933 in Algerien als Sohn eines französischen Offiziers. Dem Wunsch des Vaters gemäß besuchte er in Straßburg eine Kadettenschule, nahm jedoch auch heimlich Schauspielunterricht und erprobte sich zunächst auf Theaterbühnen – ein Arbeitsplatz, an den er auch in späteren Jahren zurückkehren sollte. Weniger Erfolg war seinem Wirken als Drehbuchautor und Regisseur (Eglantine, 1971) beschieden.

Am Mittwoch ist Brialy, der auch zuletzt noch in Film- und TV-Produktionen mitwirkte, laut Angaben seiner Angehörigen in Paris 74-jährig an den Folgen einer langen Erkrankung gestorben. (Isabella Reicher / DER STANDARD, Printausgabe, 01.06.2007)

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    Verkörperte neuen Heldentypus: Jean-Claude Brialy.

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